(„Get a Life!“ directed by William Shatner, 2012)

Unendliche Welten

„Get a Life!“ ist als Teil von „Unendliche Welten“ seit 18. Juli auf DVD und Blu-ray erhältlich

Was bringt Menschen eigentlich dazu, auf Conventions zu gehen, sich für Unsummen in groteske Kostüme zu werfen und Leinwand- bzw. Fernsehhelden nachzueifern? Das dürfte sich jeder schon einmal gefragt haben, der als Außenstehender einen Blick auf die bunte Truppe eingefleischter Fans erhaschen durfte. Aber auch William Shatner – als Captain Kirk in Raumschiff Enterprise nun sicher kein Außenstehender – stand dem Phänomen lange skeptisch gegenüber. „Get a Life!“ sagte der Schauspieler in einem berühmten Sketch aus Saturday Night Live an die ihm etwas unheimlichen Trekkies gerichtet, „Get a Life!“ hieß sein Buch, in dem er sich mit dem Phänomen der Fans auseinandersetzte, Get a Life! nannte er aber auch seinen Dokumentarfilm zum Thema, der die Tage als Teil der Doku-Box Unendliche Welten in Deutschland erschien.

Anlass der TV-Produktion war eine Convention, die 2011 zum 45. Geburtstag von Raumschiff Enterprise in Las Vegas stattfand. Zu sehen gibt es deshalb hier so einiges: Menschen in komischen Kostümen, Menschen, die komische Sachen machen, Menschen die komische Sachen sagen. Und doch ist Get a Life!, anders als es der Titel vermuten ließe, keine belustigende Zurschaustellung weltfremder Nerds. Vielmehr versucht Shatner dem Ganzen auf den Grund zu gehen, holte sich dafür sogar einen Vertreter der Joseph Campbell Foundation als Interviewpartner vor die Kamera, der uns ein bisschen was zu Helden und Mythenbildung erzählen darf.

Richtig tiefgründig wird es dabei aber nicht, das verhindert bereits die kurze Laufzeit von nur etwa einer Stunde. Vielmehr gibt es ein Potpourri der unterschiedlichsten Trekkie-Zutaten: Da kommen neben Experten einige Schauspieler zu Wort, diverse Aufnahmen von der Convention selbst, vor allem aber Interviews mit Fans. Für einige Momente zumindest dürfen Menschen im Scheinwerferlicht stehen, die sonst den Blick auf die Stars gerichtet haben, ihre jeweiligen Geschichten erzählen, wie sie zu Fans geworden sind, was sie genau damit verbindet.

Auch das kann manchmal komisch sein, ein bisschen skurril. Manchmal aber auch bewegend: Star Trek wird bei einigen von ihnen zum Rettungsanker in schwierigen Zeiten, hilft ihnen dabei, persönliche Tragödien zu überwinden. Und im Fall von Captain Dave, wie der an einen Rollstuhl gefesselte, todkranke junge Mann in Trekkie-Kreisen hieß, bedeutet der Austausch mit den Gleichgesinnten, seinen ihm in Stich lassenden Körper verlassen zu können. Jemand zu werden. Manipulativ? Vielleicht. Aber auch wirksam: Man muss nicht viel mit der Raumschiffsaga anfangen können, um von dessen Schicksal gerührt zu werden. Denn am Ende, daran erinnert uns Get a Life!, stecken in den bunten Kostümen doch immer Menschen mit Hoffnungen und Träumen, Niederlagen und Sorgen. Oder wie Shatner am Ende der unterhaltsamen Doku feststellt: Die Besucher seien zu seinem großen Erstaunen nie gekommen, um ihn zu sehen. Sie seien gekommen, um einander zu sehen.

Get a Life!
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Get a Life!
Warum wird man eigentlich „Star Trek“-Fan? Eine richtige Antwort liefert „Get a Life!“ nicht, sondern vielmehr eine ganze Reihe von Antworten. Das ist auch angesichts der Kürze nicht allzu tiefgründig, insgesamt aber doch unterhaltsam, streckenweise auch bewegend.
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