(„Elementary – Season 4“, 2015/16)

Elementary Staffel 4

„Elementary – Staffel 4“ ist seit 6. April 2017 auf DVD erhältlich

Die gewaltsame Auseinandersetzung mit dem Heroinabhängigen Oscar Rankin hätte sich Sherlock Holmes (Jonny Lee Miller) mal besser verkniffen. Nicht nur, dass der lukrative Beraterjob beim New Yorker Polizeidezernat für ihn und Joan Watson (Lucy Liu) damit futsch ist, ihm droht sogar eine Anklage wegen versuchten Mordes. Doch da taucht wie aus dem Nichts ein ebenso unerwarteter wie unerwünschter Retter auf: Vater Morland Holmes (John Noble), zu dem Sherlock nicht zuletzt aufgrund dessen kriminellen Machenschaften ein sehr schlechtes Verhältnis hat. Doch wie es scheint, ist die graue, überaus einflussreiche Eminenz die einzige Möglichkeit, wieder den alten Job zurückzubekommen.

Als vor mittlerweile viereinhalb Jahren Elementary im Fernsehen debütierte, musste sich die Serie einiges an Kritik gefallen lassen. Es war aber auch ein ungünstiges Timing, dass der amerikanische Sender fast zeitgleich zu den BBC-Kollegen eine moderne Neuinterpretation von Arthur Conan Doyles Meisterdetektiv Sherlock Holmes plante. Inzwischen ist klar, dass der Popularitätswettstreit zugunsten der Engländer ausging: Während Sherlock zu einem absoluten Kultevent heranwuchs, war Elementary für viele immer nur zweite Wahl. Doch das ist sehr schade, wie die unlängst veröffentlichte vierte Staffel zeigt.

Rätsel statt Witzen
Natürlich: Der Vergleich mit Benedict Cumberbatch, der die Figur des arroganten Genies zu einem auch im Kino gern benutzten Markenzeichen machte (The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben, Doctor Strange), ist undankbar. Und so sehr sich der Engländer Jonny Lee Miller (Trainspotting) auch bemüht, eine eigene Interpretation des literarischen Dauerbrenners zu finden, den einmaligen Esprit seines Landmannes erreicht er nicht. Doch das muss er auch gar nicht. Denn anders als die Engländer, die bei ihrer Interpretation vor allem auf die exzentrischen Charaktere und technische Gimmicks Wert legen, orientiert man sich in den USA diversen skurrilen Einfällen zum Trotz stärker an den Krimiwurzeln.

Tatsächlich war das ja oft eine der Schwächen von Sherlock gewesen. Abgesehen von der großartigen zweiten Staffel konzentrierte man sich so sehr auf das Drumherum, dass man dabei völlig vergaß, den Zuschauer auch tatsächliches Rätselfutter anzubieten. Hier gibt es hingegen eine Menge für die grauen Zellen zu tun. Fast schon zu viel. Insgesamt 24 Folgen und damit Fälle bietet die vierte Staffel von Elementary. Und viele davon überzeugen durch originelle Szenarien, zahlreiche falsche Fährten und glaubwürdige Motive – gerade Letztere sind in Krimis zuletzt leider etwas aus der Mode gekommen. Die wenigsten Fälle wird man als Zuschauer zwar selbst lösen, zumindest, aber dafür bleiben sie und die meisten Ermittlungen nachvollziehbar.

Viel zu tun, zu wenig Zeit
Ein kleines Manko ist hier jedoch das Serienformat. Im Gegensatz zu den Engländern, die sich bei Laufzeiten von 90 Minuten pro Folge viel Zeit lassen können, müssen die Amerikaner – auch werbebedingt – mit weniger als der Hälfte auskommen. Und das macht sich in dem Affenzahn bemerkbar, in dem Holmes und Watson durch die Gegend rennen, Theorien noch im selben Satz schon wieder ad acta gelegt werden. Aber auch der leichte Hang zur Formelhaftigkeit bei den Ermittlungen ist auf den geringen Spielraum zurückzuführen.

Verstärkt wird dieser Zeitdruck durch den Trend, Serien nicht nur mit Einzelgeschichten für jede Episode auszustatten, sondern auch noch eine Rahmenhandlung zu bieten. Bei Elementary sind es sogar mehrere. Und sie alle drehen sich irgendwie um die persönliche Seite der Figuren. Einen besonderen Schwerpunkt legt die Staffel auf das schwierige Verhältnis zwischen Sherlock und Morland. Aber auch Joan darf hier eine komplizierte Begegnung mit der eigenen Familie haben. Und selbst die ständigen Polizeibegleiter Inspector Thomas Gregson (Aidan Quinn) und Detective First Grade Marcus Bell (Jon Michael Hill) werden mit eigenen Episoden bedacht. Manchmal würde man sich wünschen, Elementary würde da etwas fokussierter an die Sache gehen, anstatt auf so vielen Hochzeiten gleichzeitig tanzen zu wollen. Aber Ehre, wem Ehre gebührt: Die ständigen Rückgriffe auf vorherige Episoden, die eben weit über das hinausgehen, was das Genre sonst so in Serien erzählt, die machen die 24 Episoden zu einer ebenso unterhaltsamen wie in sich stimmigen Angelegenheit, die Lust macht auf die bereits gestartete fünfte Staffel.

Elementary – Staffel 4
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Elementary – Staffel 4
Die Fälle sind oft originell, die vielen persönlichen und wiederkehrenden Handlungsstränge in sich stimmig: „Elementary“ mag nicht so witzig sein wie der englische Kollege, ist für sich genommen aber unterhaltsame und spannende Neuinterpretation des großen Sherlock Holmes.
8von 10

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