(„Sherlock – Season 2“ directed by Paul McGuigan and Toby Haynes, 2012)

Sherlock – Staffel 2Erfolg verpflichtet: Nachdem Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) eine Reihe kniffliger Fälle lösen konnte, an denen sich die Polizei die Zähne ausgebissen hatte, ist der Consulting Detective ein gemachter Mann. Nicht zuletzt aufgrund des Blogs, den Ermittlungspartner und Mitbewohner Dr. Watson (Martin Freeman) fleißig führt, ist er nicht nur bei der Polizei zum Spezialist für die ganz harten Brocken geworden, auch die Medien und die breite Bevölkerung sind von dem Schnüffelgenie begeistert. Für den hoch gewachsenen Privatdetektiv ist das jedoch ein Gräuel. Mit dem ganzen Rummel um seine Person kann er herzlich wenig anfangen. Schlimmer noch: Seither wenden sich die Leute mit den banalsten Problemen an ihn, eine Beleidigung für seine Intelligenz.

Doch zwischen allen den Belanglosigkeiten gibt es sie doch noch, die Herausforderungen. Bei Ein Skandal in Belgravia bekommt er es zum Beispiel mit der Luxus-Domina Irene Adler (Lara Pulver) zu tun, die ihm auf Augenhöhe begegnet und pikante Bilder eines Mitglieds der Königsfamilie auf ihrem Handy hat, die es schleunigst zu holen gilt. Im Gegensatz dazu ist Henry Knight (Russell Tovey) eines eher schlichteren Gemüts. Doch dessen Schilderungen einer riesigen Bestie in Die Hunde von Baskervilles wecken die Neugierde in Holmes. Und dann gibt es natürlich noch ihn, den großen Gegenspieler James Moriarty (Andrew Scott), der in Der Reichenbachfall einen hinterhältigen Plan verfolgt, um den großen Detektiv zu Fall zu bringen.

Nach dem unerwartet großen Erfolg der ersten Staffel von Sherlock war es nur eine Frage der Zeit, bis auch eine zweite folgen würde – schließlich galt es noch, den bösen Cliffhanger abzuschließen. Rund anderthalb Jahre später war es dann so weit und die nächsten drei Episoden flimmerten über die Fernseher. Am Grundprinzip hat sich nicht viel geändert. Noch immer ist Sherlock ein genialer, wenn auch sozial reichlich inkompetenter Freizeitermittler, der mit seiner herablassenden Art so ziemlich jeden in den Wahnsinn treibt. Die wichtigsten Figuren der ersten Episoden tauchen wieder auf und werden von denselben Darstellern gespielt, Humor spielt nach wie vor eine große Rolle und auch die mitunter albernen technischen Spielereien sind erneut dabei.Sherlock – Staffel 2 Szene 1

Wenn es Änderungen gibt, dann nur in Nuancen. Beschränkte sich das Verhältnis von Holmes und Watson in Staffel 1 größtenteils auf Kabbeleien und abfällige Kommentare, hat sich inzwischen eine Freundschaft zwischen ihnen entwickelt. Und auch bei den anderen Mitstreitern muss das kühle Genie eine gesteigerte, äußerst verwirrende emotionale Bedeutung feststellen. Dadurch gewinnt Holmes plötzlich eine menschliche Komponente, die manchmal etwas rührselig wird, aber doch auch für eine innere Dynamik sorgt.

Vor allem aber sind die Fälle diesmal interessanter geworden. Waren die ersten drei noch reine Kulisse für das großartige Gespann Cumberbatch/Freeman, haben es diesmal auch die Geschichten in sich. Gerade bei Die Hunde von Baskervilles macht der Humor sogar einer gesteigerten Spannung Platz, Der Reichenbachfall gefällt mit vielen falschen Fährten und einem erneut brillanten Auftritt von Scott. Der Cliffhanger am Ende ist übrigens nicht minder gemein als beim letzten Mal. Insofern ist es ein Glück, dass Staffel 3 bereits in den Startlöchern steht.Sherlock – Staffel 2 Szene 2

Wer angesichts der bekannten Titel übrigens meint, den Plot bereits zu kennen, wird auch in Staffel 2 eines Besseren belehrt. Natürlich haben alle drei Episoden eine konkrete Vorlage von Sir Arthur Conan Doyle als Ausgangspunkt, so wie es überall von Anspielungen auf andere Werke nur so wimmelt. Eine direkte Umsetzung der Romane und Kurzgeschichten sind die neuen Auftritte aber nicht, eher eine inspirierte Interpretation. Das macht Sherlock trotz der modernisierten Elemente und des heutigen Settings auch für Doyle-Puristen interessant. Denn um alle Spuren zur literarischen Quelle zu finden, braucht es schon einen Verstand und eine Hartnäckigkeit, die dem großen Detektiv würdig sind.

Sherlock – Staffel 2
3.9 (78%) 10 Artikel bewerten

Sherlock – Staffel 2
Staffel 2 von Sherlock übernimmt die Stärken des Vorgängers, feilt nur noch ein wenig an den Details. Den ersten Episoden stehen die folgenden daher in nichts nach, durch einen menschlicheren Homes und die interessanteren Fälle sind sie sogar noch einen Tick besser geworden.
9von 10

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