(„Kundschafter des Friedens“ directed by Robert Thalheim, 2016)

„Kundschafter des Friedens“ läuft ab 26. Januar 2017 im Kino

Zu Zeiten der DDR war Jochen Falk (Henry Hübchen) einer der Top-Spione der Bundesrepublik. Knapp 30 Jahre später gibt er Flaschenpfand beim Kiosk nebenan ab und fristet seine Pensionstage als gewöhnlicher Zivilist, bis eines Tages überraschend der BND seine Dienste benötigt. Der designierte Präsident der ehemaligen Sowjetrepublik Katschekistan wurde entführt und jeglicher Kontakt zum zuständigen West-Agenten Frank Kern (Jürgen Prochnow), mit dem Falk noch eine Rechnung offen hat, ist seitdem abgebrochen. Unter der Bedingung, sein altes Team für die Mission reaktivieren zu können, macht er sich unter stetiger Beobachtung der BND-Agentin Paula (Antje Traue) an die Arbeit. Kaum in Katschekistan angekommen, bricht Chaos aus und das Team muss sich auf altbewährte Fähigkeiten verlassen. An denen hat über die Jahre der Zahn der Zeit genagt, was sie aber nicht davon abhält, alle Register und Joker aus vergangenen Tagen zu ziehen. Einmal ein „Kundschafter des Friedens“, immer einer!

So wurden damals die Ostagenten bezeichnet, die national und international für ausländische Belange eingesetzt wurden. Reale James Bonds, die auch ohne teure Autos und schöne Frauen in Bikinis ihre Missionen erfolgreich zu Ende brachten. Doch würden diese Methoden heute noch funktionieren? Der Sicherheitsdienst hat in den letzten Jahre enorme Sprünge gemacht, um drohende Terrorangriffe und kriminelle Aktivitäten bei der Wurzel zu packen. Jeder Schritt unterliegt einer Vielzahl an strengen Verordnungen und Vorlagen, die über Jahrzehnte entwickelt wurden. Man nehme also eine handvoll pensionierter DDR-Agenten, schmeiße sie in ein aktuelles Entführungsdrama politischem Ausmaßes und siehe was passiert. Das Ergebnis ist eine Mischung aus A-Team, Mission: Impossible und Ü-60 Party. Halb Komödie, halb Actionthriller und mit jeder Menge Anspielungen auf alte Agentenfilme.

Gerade zu Beginn geht die ungewöhnliche Rechnung auf und den strikten BND-Agenten sowie -Entscheidungsträgern wird mit Jochen Falk ein Mann vom alten Schlag in die Kniekehlen geworfen, der sich deren ausweglosen Lage bewusst ist und zu seinem Vorteil nutzt. Es folgt eine drollige Vorstellung der restlichen Teammitglieder. Da wäre zunächst Jacky (Michael Gwisdek), der MacGyver der Truppe; Locke (Thomas Thieme), das organisatorische Genie, und Harry (Winfried Glatzeder), der Herzensbrecher, der erst später dazu stößt. Immer wieder kommt es zu unterhaltsamen Slapstickeinlagen zwischen der neuen und alten Agentengeneration, bei denen Letztere nicht selten die Oberhand behält und die Jungspunde in ihre Schranken weist. So weit, so amüsant. Doch wenn es um den eigentlichen Beweggrund für die Wiedervereinigung der Altherrenagenten geht und diese erst einmal feindlichen Boden betreten haben, gerät der Film sekündlich mehr ins Straucheln.

Da wäre die dünn erzählte Hintergrundgeschichte für den designierten Präsidenten, weswegen das pensionierte Team Himmel und Hölle in Bewegung setzen soll. Auch Paula ist zu keinem Zeitpunkt die zufällig ausgewählte BND-Agentin, die nämlich nur als ungewollte Babysitterin fungiert, weil sie sich um den verschollenen Frank Kern sorgt. Ihre wahre Intention wird bald klar und kommt wenig überraschend. Dazu gesellt sich die Fehde zwischen Falk und Kern, der ihn damals verraten haben soll und dem er noch ein paar Worte mit auf den Weg geben will. Ein persönliches Dreiergespann, dass den Film nur unnötig überlädt und in seiner Reichweite vorhersehbar und fehl am Platz wirkt. Darüber hinaus verlieren die humoristischen Einlagen der DDR-Agenten im chaotischen Ernstfall schnell an Charme und machen fortan durch klischeehaften Fremdscharm von sich reden. Zu viel Klamauk gepaart mit einem dürftigen Handlungskorsett verleihen dem starken Einstieg eine undankbare Schlussnote.

Kundschafter des Friedens
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Kundschafter des Friedens
Coole Oldschool-Agenten oder überforderte Rentner? So wirklich kann sich Regisseur Robert Thalheim nicht entscheiden und versucht es mit beidem gleichzeitig. Das Ergebnis macht gerade zu Beginn sichtlich Lust auf mehr, baut jedoch mit steigendem Adrenalinpegel der Protagonisten umso schneller ab und enttäuscht gerade durch seine austauschbaren Handlungsstränge.
5von 10

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