(„West and Soda“ directed by Bruno Bozzetto, 1965)

Die Welt des Bruno Bozzetto

„Der wildeste Westen“ // Deutschland-Start: 1. Dezember 1967 (Kino) // 7. November 2019 (DVD/Blu-ray)

Fast das gesamte Land gehört dem fiesen Tricks nicht abgeneigten Großgrundbesitzer, lediglich Clementines kleine grüne Oase will ihm einfach nicht in die Finger kommen. Nicht dass es dabei an Versuchen gemangelt hätte. Aber egal ob Verführungskunst oder Einschüchterung, die resolute Rancherin lässt sich nicht beeindrucken. Als ihr dann auch noch der fremde Johnny zur Hilfe eilt, reicht es dem Bösewicht. Nicht nur, dass der Revolverheld seine schönen Pläne vermasselt, er hat auch noch einen Goldklumpen im Besitz und weigert sich strikt, dessen Herkunft zu verraten.

Der Name Bruno Bozzetto dürfte heute den meisten allenfalls für Signor Rossi ein Begriff sein, jener Kult-Zeichentrickserie über einen ewigen Verlierer, der auf der Suche nach dem Glück eine Reihe absurder Abenteuer erlebt. Dass der Italiener auch drei Trickfilme gedreht hat, ist hingegen kaum noch bekannt. Ein Grund dafür liegt auch an der mangelnden Verfügbarkeit: Während sein musikalischer Episodenfilm Allegro non troppo zumindest antiquarisch erhältlich war, mussten seine ersten beiden Werke Der wildeste Westen und VIP – Mein Bruder der Supermann lange warten, bis sie jemand aus den Katakomben der Filmgeschichte rettete, vorher blieb nur der Griff zum Import.

Wobei Bozzetto nie der große Sprachwitzkünstler war, sein Humor war fast immer optischer Natur, weshalb das manchmal unverständliche Gebrabbel keine allzu großen Auswirkungen hat. Problematischer ist, dass der damalige Mittzwanziger bei seinem Debüt seinen Weg noch nicht wirklich gefunden hatte. Der visuelle Stil ist dabei gar nicht so weit von seinen späteren Werken entfernt: einfach, aber effektiv, oft etwas übertrieben mit gelegentlich geradezu surrealen Elementen. Ein Hinkucker ist das trotz der passenden Sepiatöne natürlich nicht, das primitive Der wildeste Westen arbeitet fast völlig ohne Hintergründe, Proportionen und Perspektiven stimmen oft nicht. Aber das ist hier kein echter Nachteil, schließlich passt das Verzerrte zum Inhalt, der die bekannten Westernfilme parodiert.

Leider nur fehlen Bozzetto hierbei die zündenden Ideen. Am witzigsten waren seine Geschichten immer, wenn sie Satire mit Wahnsinn koppelten, er ein Talent dafür zeigte, vermeintlich bekannte Situationen in völlig absurde Richtungen zu führen. Bei Der wildeste Westen klappt das noch nicht so recht. Ihre Momente hat die Parodie sicherlich, etwa bei den Tieren: Kühe, die auf eine etwas andere Art und Weise Milch geben, ein Hund, der dem Alkohol verfallen ist. Und auch die beste Sequenz geht auf die Fauna der ausgetrockneten Prärie zurück: ein herrlich alberner Angriff einer Horde von Ameisen. Apropos: Auch der Running Gag einer wild um sich schießenden Indianertruppe gibt Anlass zum Schmunzeln.

Ansonsten aber ist Der wildeste Westen ein bisschen langweilig, in dem leider viel zu kleinen Hauptwerk Bozzettos das mit Abstand schwächste Beispiel seiner komischen Kunst. Viele seiner Scherze wiederholen sich zu oft oder waren schon von Anfang an nicht wirklich witzig, vor allem die etwas überzogenen Schergen des Großgrundbesitzers nerven eher, als dass sie erheitern würden. Insgesamt bewegt sich der Zeichentrickveteran auch nicht weit genug von seinen Vorbildern weg, um tatsächlich Eindruck zu hinterlassen. Nett ist der Film irgendwie schon, bemerkenswert auch deshalb, weil er quasi zeitgleich zur Spaghettiwesternwelle entstand. Lohnenswert ist der Kauf aber in erster Linie für Nostalgiker oder Sammler, wer einfach nur Spaß haben will, ist mit den anderen Werken des Italieners besser beraten.



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Der wildeste Westen
3.82 (76.47%) 17 Artikel bewerten

Der wildeste Westen
Der erste große Zeichentrickfilm von Bruno Bozzetto ist gleichzeitig sein schwächster. Der visuelle Stil ähnelt zwar dem seiner späteren Werke, es fehlen aber die für ihn typischen absurden Einfälle, „Der wildeste Westen“ ist eine nur manchmal wirklich witzige Parodie aufs Westerngenre.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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