Killercon

„KillerCon“ ist seit März erhältlich

Fehlende Möbel, ein nicht zugängliches Gelände, der Verdacht auf eine Lebensmittelvergiftung – nein, die Organisatoren der Anime-Convention KiramekiCon sind nicht zu beneiden, auf Schritt und Tritt finden sie neue Probleme. Keines davon ist aber so fatal wie die Leiche einer bekannten Cosplayerin, welche jemand auf der Damentoilette zurückgelassen hat – Samuraischwert im Bauch inklusive. Die Con absagen und die Polizei rufen? Das kommt nicht in Frage, dafür haben sie alle schon zuviel Geld investiert. Und so macht sich die Truppe an die Arbeit, den Mörder selbst zu finden. Einfach ist das nicht, schließlich laufen ein paar Tausend Verdächtige durch die Gegend, von denen erschreckend viele auch ein Motiv hatten, das Opfer abzumurksen …

Es ist schon ein recht eigenes Völkchen, welches sich auf Manga- und Animeconventions herumtreibt, sich mit Gleichgesinnten austauscht und in die Kostüme ihrer Helden schlüpft. Dass Steffi Holzer und Lars Erbstößer, die mit „KillerCon“ ihr Romandebüt vorlegen, sich in diesem Milieu bestens auskennen, ist auf jeder einzelnen Seite zu spüren. Mal erzählen die früheren Redakteure der Zeitschriften „AnimaniA“ und „MangasZene“ von Urheberverletzungen, dann von kuriosen Auftritten oder auch von Fanstreitigkeiten, wessen Kostüm nun das Gelungenste ist: Das Buch gibt einen humorvollen Einblick in eine Welt, die vielen doch fremd sein dürfte.

In erster Linie werden jedoch Überzeugungstäter angesprochen, die mit den vielen im Buch nebenbei erwähnten Titeln etwas anfangen können. Während manche, etwa Akira oder auch Neon Genesis Evangelion, weit über die Szene hinaus Bekanntheit erlangten, sind ältere, in Zwischenzeit etwas in Vergessenheit geratene Werke (Abenobashi, Silent Möbius, Bubblegum Crisis) dann doch höchstens Insidern ein Begriff, oft wohl nicht einmal denen – „KillerCon“ ist eine liebevolle Reise zurück in die 90er, als Animes und Mangas erstmals eine größere Fangemeinde in Deutschland erlangten. Für die eigentliche Geschichte sind diese Ausflüge eigentlich unnötig, es kommt oft reinem Namesdropping gleich. Für die Atmosphäre passt es aber, gerade Langzeitfans werden viel Spaß dabei haben, die vielen Anspielungen und Anekdoten einzuordnen.

Verknüpft wurde das ganze mit einem kompetenten Krimi, der dem beliebten Schema „jugendliche Amateurdetektive suchen den Mörder“ entspricht und den Leser mit vielen Verdächtigen und gelegentlichen falschen Spuren aufs Glatteis führt. Allzu vertrackt ist der Fall nicht, hält einen aber gut bei Laune und lässt zusammen mit dem humorvollen Ton und der lebendigen Sprache die Zeit wie im Flug vergehen. Für Anime-/Mangafans und solche die es werden wollen empfehlenswert.



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