Pan
© Warner Bros

Pan

(„Pan“ directed by Joe Wright, 2015)

Pan DVD
„Pan“ erscheint am 17. März auf DVD, Blu-ray und 3D Blu-ray

Ein kleiner Anhänger in Form einer Pan-Flöte, mehr ist dem 12-jährigen Waisenjungen Peter (Levi Miller) von seiner Mutter nicht geblieben. Kennengelernt hat er sie nie, aber doch jeden Tag von ihr geträumt. Wie ein Traum erscheint es ihm auch, als nachts plötzlich Piraten im Waisenhaus auftauchen, sämtliche Jungen einsacken und an Bord eines fliegenden Schiffes in ein fremdes Land bringen. Aber wenn es ein Traum ist, dann kein schöner: Unter der Fuchtel des erbarmungslosen Piraten Blackbeard (Hugh Jackman) sollen sie seltenen Feenstaub in den Minen abbauen. Lange hält es der Junge dabei nicht aus und erlebt bald zusammen mit dem Mitgefangenen James Hook (Garrett Hedlund) und der Eingeborenen Tiger Lily (Rooney Mara) ein großes Abenteuer.

Alice im Wunderland, Maleficent, Cinderella, demnächst auch The Jungle Book – Disney ist inzwischen so erfolgreich darin, seine eigenen Zeichentrickfilme noch einmal als Realvariante neu zu interpretieren, dass es ein kleines Wunder ist, dass ihnen bei Pan jemand zuvorgekommen ist. Umso mehr, da Disneys Peter Pan Feenspin-off Tinkerbell weiterhin für pralle Kassen sorgt, zuletzt in Tinkerbell und die Legende vom Nimmerbiest. Stattdessen durften sich hier Regisseur Joe Wright (Abbitte, Wer ist Hanna?) und Drehbuchautor Jason Fuchs (Ice Age 4) daran versuchen, einen Vorgänger zu dem berühmten Kinderbuch des schottischen Autors J. M. Barrie auf die Leinwand zu bringen. Interessant ist das Ergebnis auf jeden Fall, wenn auch nicht ganz so, wie man es sich vielleicht erhofft oder zumindest erwartet hat.

Zunächst einmal ist der Prequel-Charakter hier kaum ausgeprägt. Eine Geschichte zu erzählen, wie Peter Pan und sein großer Gegenspieler Hook sich kennengelernt haben, das ist ein reizvoller Zugang zu dem Stoff. Wirklich viel draus gemacht, wird aber nicht, denn genau die Frage, wie beide zu Feinden werden konnten, die wird hier komplett ausgeblendet. Stattdessen dürfen ein naseweiser Junge und ein selbstsüchtiger Halunke, der eher an Han Solo als an den großen Piraten erinnert, gemeinsame Abenteuer erleben. Würde nicht immer wieder der Name Hook fallen, man wüsste nicht einmal, dass es sich hier um die bekannte Figur aus dem Roman handeln soll.

Allgemein sind die Figuren von Pan nicht unbedingt die Stärke des Films: Von dem überzogenen Blackbeard einmal abgesehen fehlt es ihnen an nennenswerten Merkmalen, für einen Fantasy-Film ist das Ensemble bemerkenswert fantasielos, schwankt zwischen Overacting und Desinteresse. Dabei ist es nicht so, als hätte man sich hier keine Gedanken darüber gemacht, wie man dem Klassiker einige neue Seiten abgewinnen könnte. An manchen Stellen ist der Film sogar ausgesprochen kreativ und auch experimentierfreudig, an anderen jedoch weniger, insgesamt fehlt es an einer klaren Vision.

Gerade zu Beginn gibt sich der Film ungemein verspielt, wirkt mit seinen karnevalesken Piraten comichafter als die meisten „echten“ Comicadaptionen der letzten Zeit. Und wenn die Eröffnungssequenz von Nimmerland mit einer kuriosen Musicalnummer einhergeht, die man eher bei Baz Luhrmann vermutet hätte, dann sitzt man eh mit offenem Mund vor dem farbenfroh-überzogenen Treiben. Konsequent fortgesetzt wird dieser verspielte Weg jedoch nicht. An manchen begeistert Pan erneut mit ungewöhnlichen Momenten, dann wird es wieder so konventionell – auch musikalisch –, dass man meint, einen B-Abenteuer-Movie aus den 80ern vor sich zu haben. Lediglich die sündhaft teure Optik erinnert einen in den Momenten daran, dass wir es doch mit einer Produktion des Jahres 2015 zu tun haben. Auch hier passt vieles jedoch nicht so wirklich zusammen: Mal ist der Film atemberaubend, dann wieder ein arg künstlich aussehendes Green-Screen-Gehampel.

Nein, mit den Disney-Neuinterpretationen kann es Pan daher nicht aufnehmen, da geht man beim Mäusekonkurrenten doch deutlich routinierter und stimmiger zu Werke. Und doch ist das Spektakel besser, als es einem die teils vernichtenden Kritiken weismachen wollten: Eben weil hier etwas kopflos herumprobiert wurde, man zusammenwarf, was nicht zusammengehört, darf man hier Wegen folgen, die mal in die Irre oder gar Langeweile führen, an anderen Stellen aber auch Erfahrungen mit sich bringen, wie man sie aus solchen Projekten eigentlich nicht kennt.



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Mal brillant kurios, dann wieder erschreckend konventionell ist „Pan“ die ganze Zeit damit beschäftigt, einen eigenen Weg zu finden. Das ist in der Summe nicht wirklich stimmig, bringt aber doch so manchen unerwarteten Moment und eine teilweise schön verspielte Stimmung mit sich.
5
von 10