(„Alice in Wonderland“ directed by Tim Burton, 2010)

Alice im WunderlandTim Burton und Alice, das sollte doch eigentlich wunderbar harmonieren, doch die relativ kurzen 108 Minuten Spielzeit bieten nicht nur wenig beeindruckende 3D-Effekte sondern vor allem platte Figuren ohne jegliches Charisma. Das Manko am technischen Part könnte ich verkraften, schließlich hat der Platzhirsch Avatar die Messlatte doch sehr hoch gelegt, aber dass Burton so wenig Innovation hervorbringt hätte ich im Vorfeld für Unmöglich gehalten.

Er erzählt im Prinzip das Sequel der im 19 Jahrhundert entstandenen Originalstory. Alice (Mia Wasikowska) ist mittlerweile eine Teenagerin doch sie weiß nicht mehr dass sie eine Zeit lang im Wunderland verbracht hat. Für sie sind dies bloß Erinnerungen aus einem sehr realistisch wirkenden Traum. Das Mädchen wächst in adliger Gesellschaft auf, doch ihr Desinteresse für solch banale Dinge wie es eben Leute ihres Standes pflegen zu tun, führt sie schnurstracks ins Wunderland. Unbeschwert und mit kindlicher Neugier verfolgt sie nämlich abermals ein weißes Kaninchen und fällt schlussendlich in dessen Bau, was den Eingang in eine wunderbare Welt darstellt.

Erschreckend langweilig verfährt nun Burton weiter mit seiner Geschichte. Er verrät uns dass im Wunderland, das nunmehr wie im Original Unterland heißt, die rote Königin (Helena Bonham Carter) mit eiserner Hand regiert. Die Tyrannin hält das gesamte Land mit dem furchterregenden Jabberwocky in Schach und säumt sich mit Heuchlern und Speichelleckern die mit ihren künstlich überdimensionierten Gliedern ihren rieseigen Kopf am Hof etwas kaschieren sollen. Alice wurde nun von einigen Bewohnern wiederum ins Unterland gelockt um diesem Horror ein Ende zu bereiten. Nur wenn sie dem Jabberwocky mit einer speziellen Rüstung den Kopf abschlägt kann wieder die weiße Königin und Schwester der derzeitigen Despotin (Anne Hathaway) die Krone erlangen. Neben Twedeledee und Twedeledum oder der allseits beliebten Cheshire Cat steht Alice vor allem der Hutmacher (Johnny Depp) bei diesem Abenteuer zur Seite.

Da fast jeder früher oder später mit der Alice-Materie in Kontakt kam, bedarf es vermutlich wenig Erklärungen warum das Wonderland ein großes Pool an interessanten Figuren bildet. Burton verabsäumt es aber nicht nur dieses Potential zu seinen Gunsten zu nutzen sondern fabriziert hier einen Streifen der fast so wirkt als traue er seinem Publikum keine eigene Vorstellungskraft zu. Alles ist durchgeplant, es gibt einen linearen Erzählstrang der uns von A nach B führt, sogar die Kulisse wirkt zu sauber und aufgeräumt. Kurz gesagt, das Ganze ist zu logisch und zu symmetrisch.

Viel lieber hätte ich bei diesem Thema Chaos und „wildes Durcheinander“ gesehen, vor allem der abscheuliche Schluss war wie ein Schlag ins Gesicht. Alice entscheidet sich hier gegen das Wunderland und somit für den tristen Alttag. Sie tritt am Ende dann auch noch in die Fußstapfen ihres verstorbenen Vaters und führt dessen gen Osten expandierendes Unternehmen fort. Wo Lewis Carroll in höchsten Tönen satirisch die von Imperialismus geprägte, viktorianischen Epoche aufs Korn nimmt, lullt Alice im Wunderland seine Zuschauer in seinem schmalzigen Happyend ein. Mag sein dass hier Auftraggeber Disney ein Klotz am Bein war aber trotz allem muss man bei solch einer Vorlage einen anspruchsvolleren Film zustande bringen.

Nicht einmal das von den Namen her tolle Schauspielensemble schafft es vollends zu überzeugen. Alles wirkt so als hätte man es schon mal gesehen, Depps Rolle ist mittlerweile zu ausgelutscht, Bonham Carter geht in ihrer Schminke unter und auch beim Rest gibt es keine nennenswerten Besonderheiten. Die üppige Farbenpracht alleine bringt hier leider überhaupt nichts denn die Sets waren mir wie gesagt zu perfekt, die Kreaturen hingegen zu unspektakulär, allerhöchstens Durchschnitt.

Mal abgesehen dass irgendein fürchterlicher 0815-Popsong zu Beginn des Abspanns ertönt, war zumindest der Soundtrack von Danny Elfman recht gelungen, doch beschränkte er sich doch zu sehr auf ein Theme. Den im Handel erhältlichen OST fand ich da doch viel angenehmer und ausgewogener aber vielleicht kommt der Sound im Kino auch nur anders rüber. Hätte ich zuvor diverse Besprechungen nicht gelesen, so wäre ich nun wohl bitter enttäuscht, so hingegen wusste ich auf was ich mich einlasse. Empfehlung gibt es deshalb keine, das Argument „3D, deshalb Kino“ gilt hier auch nur bedingt.

Alice im Wunderland (2010)
3.92 (78.33%) 12 Artikel bewerten

Alice im Wunderland (2010)
Relativ langweilige und unspektakuläre Alice im Wunderland-Verfilmung die trotz Starbesetzung und Tim Burton im Regiestuhl leider enttäuscht.
6von 10

2 Responses

  1. C.H.

    Depp’s Rolle ist mittlerweile zu ausgelutscht

    Das hat irgendwie kaum einer kritisiert, dabei meine ich das nämlich auch. Man kann ja nicht wirklich sagen, dass er schlecht gewesen ist, aber wie du schon sagst: langsam wirds dann doch ein wenig monoton.

    Mal abgesehen dass irgendein fürchterlicher 0815-Popsong zu Beginn des Abspanns ertönt,

    Das setzt der ganzen Tragik dann natürlich noch die Krone auf. Avril Lavigne macht meiner Meinung nach richtig gute Musik, aber ausgerechnet dieser eine Titelsong ist dann mehr oder weniger ein Rohrkrepierer geworden. Naja, passt ins Bild.

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  2. Lorenz Mutschlechner

    Man kann ja nicht wirklich sagen, dass er schlecht gewesen ist

    Nein, schlecht ist was anderes aber bei seinem Talent darf man sich ruhig mehr erwarten.

    Avril Lavigne macht meiner Meinung nach richtig gute Musik

    Ach von der stammt also das Stück. Dass die Dame ansonsten aber „gute Musik“ macht lass ich mal dahingestellt, deine Aussage weist jedenfalls schon mal stark daraufhin dass unsere Musikgeschmäcker weit, weit, weit auseinander liegen 😉

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