(„Rakuen Tsuihō“ directed by Seiji Mizushima, 2014)

Expelled From Paradise

„Expelled from Paradise“ erscheint am 15. Februar auf DVD und Blu-ray

Im Jahr 2400 ist von der Erde, wie wir sie kennen, nicht mehr viel übrig. Nur wenige Menschen haben auf dem verwüsteten, zu Ruinen zerfallenen Planeten noch ein Zuhause, der Rest lebt an Bord einer Raumstation. Aber auch sie sind kaum mehr wiederzuerkennen: Physische Körper wurden schon vor langer Zeit abgeschafft, der Mensch ist nur noch eine digitalisierte Persönlichkeit, welche nach Bedarf in einen Körper transferiert werden kann. Und eben das muss Agentin Angela Balzac tun, als ein Hacker namens „Frontier Setter“ sich von der Erde aus in das System von DEVA eindringt. Ihre Aufgabe: zur Erde zu reisen, sich mit dem dortigen Söldner Dingo zusammenzutun und den unbekannten Angreifer unschädlich zu machen.

Wenn Autor Gen Urobuchi sich das Szenario für einen Anime ausdenkt, dann darf man sicher sein, dass das etwas anders und recht düster ausfallen wird. Siehe Psycho-Pass, siehe Puella Magi Madoka Magica. Und eben auch Expelled from Paradise. Was zunächst nach einem futuristischen Thriller klingt, nimmt recht bald schon deutlich das Tempo raus, wird stattdessen ziemlich nachdenklich. Was macht den Menschen aus? Wieviel von uns wollen wir der Technik übergeben? Das sind keine besonders neuen Fragen, gerade nicht im Anime-Bereich, der in der Hinsicht mit Ghost in the Shell und den diversen Fortsetzungen und Nebengeschichten bereits gut abgedeckt ist. Aber die Fragen sind nach wie vor relevant, tatsächlich fesselt der dystopische Film unterhält besonders während der ruhigeren Momente.

Wem das nicht reicht und es lieber etwas blei- bzw. laserhaltiger mag, für den hat Regisseur Seiji Mizushima (Fullmetal Alchemist, Un-Go) auch ein paar Actionszenen mitgebracht. Die sind zwar nicht übermäßig zahlreich, werden aber gerade zum Ende hin so furios und hektisch, dass man gar nicht mehr so genau weiß, wo einem der Kopf steht. Ansonsten vertrauen die Japaner auf die beiden grundverschiedenen Protagonisten, um den eher handlungsarmen Mittelteil etwas aufzulockern: Sie steckt im Körper einer 16-jährigen, großbusigen Weltraumamazone – auf die Weise darf noch ein Hauch Sex ins Spiel kommen –, er ist ein lässiger Cowboy mit einer Vorliebe für erdige Rockmusik.

Wider Erwarten spinnt sich daraus keine Romanze, stattdessen bietet dieses Aufeinandertreffen die Bühne für diverse komische Momente, wenn sich die ewig schmollende Angela und der nie um einen Spruch verlegene Dino in bester odd-couple-Manier bekriegen, einfach keinen gemeinsamen Nenner finden. Überhaupt lebt Expelled from Paradise sehr von den Kontrasten, kombiniert eine Science-Fiction-Geschichte mit staubigen Westernlandschaften – Cowboyhüte und Lagerfeuer inklusive. Wären da nicht die Roboter und die Suche nach einem Hacker, man wüsste gar nicht, dass man sich da gerade auf einer Erde der Zukunft befindet.

Dieser Gegensatz zwischen alt und neu, Zukunft und Vergangenheit setzt sich auch in der Optik fort, wo das eher unbekannte Animationsstudio Graphinica (Hellsing Ultimate) computergeschaffene Objekte auf malerische, heruntergekommene Hintergründe montiert. Die Kombination ist ein doch recht starker Stilbruch, entfaltet nach einer kleinen Gewöhnungsphase aber auch durchaus einen Reiz. Das gilt dann auch für Expelled from Paradise als Gesamtwerk: Der ganz große Wurf ist der Anime nicht, dafür ist das meiste dann doch schon zu bekannt, der beabsichtigte Twist ist nicht wirklich einer. Aber irgendwie unterhält er am Ende doch ganz gut, Langeweile kommt im morgigen Gestern nicht wirklich auf.

Expelled from Paradise
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Expelled from Paradise
„Expelled From Paradise“ kombiniert eine dystopische Science-Fiction-Geschichte mit staubigen Westernlandschaften. Das passt wie vieles in dem Anime nicht ganz zusammen, die an und für sich bekannten Elemente entfalten durch den starken Kontrast dann aber doch ihren Reiz und lassen den Film so recht unterhaltsam werden.
6von 10

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