Psycho-Pass 2
© PSYCHO-PASS Committee

(„Psycho-Pass 2“ directed by Naoyoshi Shiotani and Kiyotaka Suzuki, 2014)

Psycho-Pass 2
„Psycho-Pass 2“ ist auf zwei Volumes verteilt auf DVD und Blu-ray erhältlich

Warum warten, bis ein Verbrechen begangen wurde, wenn man schon im Vorfeld all jene Menschen aussortieren kann, die eine Neigung zum Verbrechen haben? Möglich macht dies das Sibyl-System, welches die Gesinnung jedes einzelnen scannt und in Farben wiedergibt. Je dunkler die Farbe, umso höher die Neigung zum Verbrechen, ab einem gewissen Farbgrad dürfen die Leute festgenommen oder gar getötet werden, egal ob sie bereits ein Verbrechen begangen haben oder nicht. Polizistin Akane Tsunemori hatte damit von Anfang an ihre Probleme, hat aber einen Weg gefunden, sich damit gut zu arrangieren. Bis zu jenem Tag, als sie bei ihren Ermittlungen auf jemanden trifft, der von Scannern nicht erfasst wird und damit weder existieren noch gerichtet werden kann.

Die alternative Anime-Schiene noitaminA und Fortsetzungen? Das war in den Anfangsjahren keine Seltenheit gewesen, gleich vier der ersten zehn Serien (Honey and Clover, Ayakashi, Nodame Cantabile, Moyashimon) bekamen später entweder direkte Nachfolger oder zumindest Spin-offs. Zuletzt zog man es jedoch vor, ständig neue Werke unters Volk zu bringen – was man gleich aus mehreren Gründen begrüßen konnte. Psycho-Pass 2 ist eine der wenigen Ausnahmen, woran die guten Verkaufszahlen von Psycho-Pass sicher nicht unschuldig waren. Und warum auch nicht? Die erste Staffel endete mit einer Situation, die eine Fortsetzung zwar nicht braucht, aber doch zumindest möglich macht. Und interessant genug war die darin beschriebene Gesellschaft auch, dass man durchaus mehr darüber erfahren möchte.

Wer sich genau das von Psycho-Pass 2 erhoffte, wird jedoch enttäuscht sein: Die 11 Folgen lange zweite Staffel tritt oft auf der Stelle, ist teilweise sogar ein echter Rückschritt. Das mag auch damit zusammenhängen, dass ein Großteil der Verantwortlichen ausgetauscht wurde. Naoyoshi Shiotani übernahm zwar erneut die Rolle des Regisseurs, die Oberverantwortung wurde jedoch anderweitig vergeben. Das Drehbuch stammte dieses Mal nicht von Gen Urobuchi (Madoka Magica, Fate/Zero), sondern von Tow Ubukata (Ghost in the Shell: Arise). Nicht einmal das Animationsstudio ist gleichgeblieben, statt Production I.G (Ghost in the Shell: Stand Alone Complex, Blood-C) kümmert sich nun Tatsunoko Production (Ping Pong, Pinocchio) um die visuelle Umsetzung. Und all diese Punkte sind deutlich zu spüren.

Darf man einen Menschen dafür bestrafen, dass er eine Straftat begehen könnte? Das war die zentrale Frage von Psycho-Pass gewesen, die trotz ihrer Science-Fiction-Mittel schon heute erschreckend aktuell ist. Gestellt wird diese Frage erneut, jedoch im geringeren Maße und ohne dass man einen entsprechenden Ersatz gefunden hätte. Ein einziger Fall ist es, der Akane und ihre Kollegen hier auf Trab hält. Der hat zwar ebenfalls einen reizvollen Grundgedanken, wird jedoch völlig übertrieben und bietet auch nicht genügend Stoff, um damit die 11 Folgen tatsächlich füllen zu können. So neugierig man am Anfang ist, wer hinter dem „unsichtbaren“ Verbrecher steckt und was der Hinweis „WC?“ wohl bedeuten mag, da kommt später schon recht viel Leerlauf, manchmal auch unfreiwillige Komik.

Schade auch, dass man den zweiten Anlauf nicht genutzt hat, um die inhaltlichen Schwächen des Vorgängers auszumerzen. Noch immer sind die Figuren sehr langweilig, weder die neuen noch die alten machen irgendeine Form der Entwicklung durch, haben meistens nicht wirklich was zu sagen. Dafür ergötzt man sich erneut an philosophischem Namesdropping, was nicht so recht zu den Charakteren hier passen mag, intellektueller sein will, als es am Ende ist. Optisch hat man ebenfalls etwas eingebüßt, da waren die Bilder in Staffel 1 doch noch atmosphärischer und abwechslungsreicher gewesen. Für sich genommen bewegt man sich aber noch auf einem guten TV-Niveau, vor allem Freunde düsterer und blutiger Geschichten dürfen sich an dem Ergebnis erfreuen. Wem gerade die Stimmung von Psycho-Pass gefallen hatte, kann hier also reinschauen, durchschnittlich ist die Serie trotz ihrer Mängel allemal. Bei dem bislang noch nicht in Deutschland erhältlichen und vom Originalteam erstellten Folgefilm Psycho-Pass: The Movie darf es ruhig aber wieder mehr werden.



(Anzeige)

„Psycho-Pass 2“ nimmt viele Elemente und Figuren des Vorgängers, schafft es aber nicht, daraus etwas Eigenes zu machen. Inhaltlich und optisch bedeutet Staffel 2 einen Rückschritt, zwischendurch gibt es viel Leerlauf. Für Freunde dystopischer Geschichten ist die Serie aber trotz allem einen Blick wert.
5
von 10