(„Sweet and Lowdown“ directed by Woody Allen, 1999)

Woody Allen Collection

„Sweet and Lowdown“ ist als Teil der „Woody Allen Collection“ erhältlich

Es gibt so vieles, wofür sich Emmet Ray (Sean Penn) begeistern kann. Da wäre zum einen natürlich Jazzmusik, denn Emmet ist der zweitbeste Gitarrist der Welt, was er auch ganz gerne mal in einem Gespräch fallenlässt. Aber auch Alkohol ist er nicht abgeneigt, Eisenbahnen, Schießübungen. Und Frauen. Lange hält es der Womanizer jedoch bei keiner aus, das mit den festen Beziehungen ist weniger sein Ding. Dann jedoch lernt er zwei Frauen kennen, die sein Leben deutlich verändern sollen: die stumme und geistig zurückgebliebene Hattie (Samantha Morton) und die schriftstellerisch ambitionierte Blanche (Uma Thurman).

Was lange währt, wird endlich gut? Dann müsste Sweet and Lowdown zu den besten Filmen in Woody Allens Gesamtwerk zählen. Schon Ende der 60er spielte der jazzverliebte Regisseur und Drehbuchautor mit dem Gedanken, einen Film über einen Jazzmusiker in den 30ern zu drehen. Bis etwas daraus wurde, dauerte es jedoch rund 30 Jahre. In der Zwischenzeit hatte sich natürlich einiges geändert: Anders als ursprünglich angedacht spielte Allen die Rolle nicht mehr selbst, aus dem Drama war eher eine Tragikomödie geworden.

Wirklich bewegend ist Sweet and Lowdown nämlich nicht, wie auch bei einem solchen Protagonisten? Emmet ist überheblich, latent frauenfeindlich, kindisch, gefühllos, weltfremd und mit seiner Kombination aus einem unvorteilhaften Schnurrbart und der grotesken Figur immer einen Schritt davon entfernt, eine Karikatur eben jener Berühmtheiten zu sein, die Allen schon in seinem Vorgängerfilm Celebrity auseinandernahm.

Aber all das ist vergessen, wenn sich Emmet auf einen Stuhl setzt, die Gitarre zur Hand nimmt, er im Fluss seiner Musik die Welt vergisst – und der Zuschauer/Zuhörer ebenso. Dann verwandelt er den Bildschirm in einen magischen Ort, durchdrungen von eben jenen Gefühlen, von denen man sich die ganze Zeit fragt, wo sie in Emmet stecken. „You keep your feelings all locked up, so you can’t feel anything for anyone else. I’ve never met anybody so afraid to show their feelings“, sagt Blanche einmal zu ihm. So unfähig oder auch unwillig ist der Musiker, sein Inneres auch im zwischenmenschlichen Bereich zu zeigen, dass er sich ständig selbst im Weg steht, eine zugleich unsympathische und doch bemitleidenswerte Figur ist.

Und eine komische. Anfangs zumindest. Seine vielen Spleens, seine übergroße Bewunderung für Django Reinhardt – den wirklich besten Gitarristen der Welt –, welche ihn immer wieder in Ohnmacht fallen lässt, seine Blindheit für den Rest der Welt, all das bietet Anlass zum Schmunzeln. „Echte“ Witze folgen jedoch kaum. Abgesehen von einigen albernen, slapstickartigen Einlagen verlässt sich Allen völlig auf seine Figur. Bei der tut sich aber zu wenig, trotz des zunehmenden Einflusses der beiden Frauen, gibt es in Sweet and Lowdown kaum eine echte Entwicklung, insgesamt nur wenig Abwechslung. Gleiches gilt für die Mockumentary-Elemente, die einen anfangs vergessen lassen, dass Emmet nur eine fiktive Gestalt ist, später aber kaum mehr eingesetzt werden.

Aber auch wenn Sweet and Lowdown am Ende sich vielleicht doch etwas zu sehr in seinen kuriosen Helden und den Zauber der Musik verliebt, so ist Allens Hommage an die Swing-Ära unterhaltsam und charmant geworden. Penn und Morton, die für ihre jeweiligen Leistungen mit einer Oscar-Nominierung belohnt wurden, holen aus ihren begrenzten Figuren allerhand heraus, sind zusammen Grund genug, sich doch noch über das späte Gelingen des Langzeitprojekts zu freuen. Gleiches gilt für die schönen, den 30ern nachempfundenen Bilder und natürlich die Musik selbst: Wer Allens Liebe zum Jazz teilt, für den sind die turbulenten Episoden aus dem Leben des zweitbesten Gitarristen ein Muss.

Sweet and Lowdown
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Sweet and Lowdown
Woody Allens lang geplantes Porträt eines begnadeten, zugleich aber sozial inkompetenten Jazz-Gitarristen überzeugt mit grandiosen Darstellern, schönen Bildern und natürlich seiner Musik. Auf Dauer wäre aber mehr Abwechslung wünschenswert gewesen, sowohl der Humor wie auch die Figuren sind da doch eher begrenzt.
7von 10

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