(„Celebrity“ directed by Woody Allen, 1998)

Woody Allen Collection

„Celebrity“ ist als Teil der „Woody Allen Collection“ auf DVD und Blu-ray erhältlich

Eigentlich wäre er ja gerne ein erfolgreicher Autor geworden, aber was auch immer Lee Simon (Kenneth Branagh) schrieb, niemand wollte es lesen. Bis er anfing über die Großen und Schönen dieser Welt zu berichten und nun immerhin als Reporter ein bisschen Glitzerweltluft schnuppern darf. Das reicht zwar für seinen Lebensunterhalt, aber seinen Traum der Schriftstellerkarriere, den verfolgt er noch immer. Und in dieser ist für Robin (Judy Davis) kein Platz, von der er sich nach 16 gemeinsamen Jahren trennt, um den Neustart zu wagen. Die ist von der Situation völlig überfordert, lässt sich von einer Freundin zu einer Schönheitsoperation überreden. Am Ende wird da zwar nichts draus, dafür läuft sie beim Doktor dem Fernsehproduzenten Tony Gardella (Joe Mantegna) über den Weg, der sie dazu ermuntert, etwas Eigenes zu erschaffen.

Dass Woody Allen für die Welt der Stars und Sternchen nicht viel übrig hat, ist nicht wirklich ein Geheimnis. Und so verwunderte es dann auch niemanden, als der Regieveteran 1998 in Celebrity alles dafür tat, diese in einem nicht ganz so glorreichen Licht darzustellen. Die Hauptfigur ist dabei ein typischer Allen: intelligent, neurotisch, ungeschickt. So sehr entspricht die Figur des Simons seinem Alter Ego, dass man sich insgeheim fragt, warum Allen die Rolle nicht gleich selbst übernommen hat. Damit einher gehen aber auch gewisse Ermüdungserscheinungen, das Gefühl, das alles doch schon einmal zuvor gesehen zu haben.

Spannender als der latent unsympathische rasende Reporter und verhinderte Schriftsteller sind aber ohnehin die vielen absurd hochkarätig besetzten Nebenfiguren: Während Simon durch New York stolpert, trifft er unter anderem auf Donald Trump (der sich hier selbst spielt), ein namenloses Supermodel (Charlize Theron), einen aufstrebenden und äußerst unbeherrschten Jungdarsteller (Leonardo DiCaprio), die freiheitsliebende Nola (Winona Ryder), die Schauspieldiva Nicole Oliver (Melanie Griffith). Die meisten davon sind nur wenige Minuten zu sehen, gerade genug, um ein paar Gags einzubauen, danach geht es schon weiter.

Und das ist das zweite Problem, neben besagten Ermüdungserscheinungen: Celebrity ist weniger ein Film als vielmehr eine lose Ansammlung von Episoden, die kaum zusammenfinden. Es gibt zwar die beiden Handlungsstränge von Simon und Robin, die sich immer mal wieder kreuzen, im Grunde dienen die aber nur, um die vielen Einzelgeschichten zu erzählen. Das würde man vielleicht noch verzeihen, wenn diese tatsächlich überzeugten. Aber nur einige der Situationen sind tatsächlich witzig, oft ist Allen zu sehr darum bemüht, die Berühmtheiten lächerlich zu machen, ohne wirklich eine passende Idee auf Lager zu haben – dem Film fehlt an vielen Stellen der nötige Biss, um als Satire durchzugehen. Für ein Drama wiederum sind die Figuren zu oberflächlich, das Schicksal seiner Neurotiker will einem nicht wirklich nahegehen.

Dafür sieht das Ganze sehr schön aus: Komplett in Schwarz-Weiß gehalten zeigt uns in Allen wenigstens in den Bildern die Schärfe, die der Inhalt vermissen lässt. Anschauen kann man sich daher Celebrity sicherlich, zumal die Eskapaden der Stars wie so oft mit gefälliger Jazz-Musik unterlegt sind. Man muss es jedoch nicht, am Ende ist der Film nur ein Allen-Werk unter vielen.

Celebrity – Schön, reich, berühmt
4 (80%) 12 Artikel bewerten

Celebrity – Schön, reich, berühmt
Woody Allens Versuch, sich über die Berühmtheiten lustig zu machen, ist nur teilweise gelungen: Manche der Episoden sind witzig, viele sind es nicht, insgesamt ist die Satire auch zu zahm und setzt auf zu bekannte Elemente. Dafür entschädigen die schönen Schwarz-Weiß-Bilder.
6von 10

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