(„Kōkaku Kidōtai ARISE -GHOST IN THE SHELL- Border 4: Ghosts Stand Alone“ directed by Kazuchika Kise, 2014)

Ghost in the Shell Arise Border 3 + 4dropcap size=small]E[/dropcap]rst schießen die Polizisten wahllos in die Menge, dann aufeinander, am Ende auf sich selbst – als Motoko Kusanagi und ihr Team am Tatort ankommen, bietet sich ihnen ein Anblick des Grauens. Ein Mädchen, das verloren zwischen all den Leichen steht, scheint hinter dem entsetzlichen Blutbad zu stecken. Was bezweckte es damit? Warum sind da zwei Ghosts in seinem Körper? Und was hat es mit diesem Fire-Starter-Virus auf sich, der künstliche Gehirne angreift und auch Motokos eigenem Team zu schaffen macht?

Als im September 2014 das vierteilige Prequel Ghost in the Shell: Arise seinen Abschluss fand, durften Fans gespannt sein, was sich Tow Ubukata wohl für das große Finale aufgespart hatte – schließlich galt es hier die Brücke zum großen Klassiker Ghost in the Shell zu schlagen. Die ernüchternde Antwort: nicht viel. Schlug er beim Vorgänger Border 3: Ghost Tears noch überraschend persönliche Töne an, bewegt er sich hier wieder auf einem deutlich konventionelleren Terrain. Die knapp 60 Minuten lange Film ist wie die meisten Teile definiert durch teilweise sehr überzogene Actionszenen, Verschwörungsmomente und natürlich viele technische Spielereien.

Das ist oft nett, teilweise sogar sehr gut, vor allem der rasante Einstieg macht mächtig Stimmung und feuert die Vorfreude darauf an, was danach noch kommen wird. Insgesamt dreht sich Ghosts Stand Alone aber zu sehr im Kreis, wiederholt stoisch Elemente, die wir in den Filmen und den Serien einfach schon zu oft gesehen haben. Und auch besser umgesetzt als hier. Wäre die Direct-to-Video-Produktion eine Episode von Stand Alone Complex, sie hätte sich so harmonisch in das Gesamtbild eingefügt, dass sie kaum aufgefallen wäre. Das darf man natürlich gut finden, für ein eigenständiges Werk ist das am Ende dann aber vielleicht doch etwas wenig, der Film tut nicht viel dafür, dass man sich an ihn im Rückblick erinnert.

Positiv ist die Optik der üblichen Verdächtigen von Production I.G, die mit einigen stimmungsvollen, düsteren Hintergründen einen schönen Rahmen bildet und viele Bilder aus „Der Zauberer von Oz“ benutzt. Und auch die Idee des doppelten Ghosts ist interessant, da sie einige identitätsphilosophische und auch moralische Fragen nach sich zieht. Wie bestraft man eine der beiden Persönlichkeiten, ohne der anderen Unrecht zu tun? Der Manga von Ghost in the Shell von Masamune Shirow war schon immer mehr als reine Cyberpunk-Action, war ebenso sehr für seine existenziellen Überlegungen bekannt. Dass die in Ghosts Stand Alone zumindest wieder etwas Raum finden ist schön, sie werden jedoch leider kaum ausgebaut. Wie schon die anderen Arise-Folgen ist auch hier vieles mehr Schein denn Sein, Tiefsinnigkeit wird mit konfuser Erzählstruktur verwechselt. Wer die Vorgänger mochte, den wird das auch hier nicht weiter stören, der erhoffte fulminante Abschluss bleibt jedoch aus – die Prequelreihe ist solide Animekost, die man sich anschauen kann, die dem großen Namen aber nicht wirklich gerecht wird.

Ghost in the Shell: Arise – Border 4: Ghosts Stand Alone
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Ghost in the Shell: Arise – Border 4: Ghosts Stand Alone
Der Abschluss der „Arise“-Reihe bietet schöne Hintergründe, viel Action und auch eine interessante Idee. Genutzt wird Letztere jedoch nicht, „Ghosts Stand Alone“ wiederholt zu viele Elemente der Vorgänger, darunter auch diverse Fehler.
6von 10

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