(„Stretch“ directed by Joe Carnahan, 2014)

Stretch

„Stretch“ ist seit 28. Mai auf DVD und Blu-ray erhältlich

Eigentlich war Stretch (Patrick Wilson) ja wie so viele nach Los Angeles gekommen, um als Schauspieler Karriere zu machen. Zum Star reichte es dabei dann jedoch nicht, lediglich als deren Chauffeur darf er Hollywoodluft schnuppern. Und nicht mal hier ist er wirklich erfolgreich, ein neuer Limousinen-Konkurrent macht ihm die lukrativsten Kunden abspenstig. Und dann wären da noch seine Geldprobleme: Wenn er nicht umgehend 6.000 Dollar auftreibt, macht eine mexikanische Gang Kleinholz aus ihm. Doch just als alles den Bach runterzugehen scheint, erzählt ihm seine Kollegin Charlie (Jessica Alba) von dem Milliardär Karos (Chris Pine). Der ist nicht nur für seine exzentrischen Marotten bekannt, sondern auch für seine Großzügigkeit: In der richtigen Laune, lässt er schon mal ein paar Tausender als Trinkgeld springen. Und das könnte in der Situation tatsächlich die Rettung bedeuten.

Patrick Wilson (Insidious, Conjuring), Ed Helms (Hangover), Chris Pine (Stark Trek, Into the Woods), Jessica Alba (Dark Angel, Sin City) – das kann sich als Cast schon sehen lassen. Wenn ein solcher Film nicht in die Kinos kommt, sondern direkt auf DVD vermarktet wird, da darf man schon einmal misstrauisch sein. Tatsächlich war ein Start in den Lichtspielhäusern ursprünglich sogar eingeplant, kurz zuvor aber doch wieder verworfen worden. Und das wohl auch nicht zu unrecht, denn trotz einiger gelungener Elemente, der letzte Funke, der will bei der Komödie dann doch nicht richtig überspringen.

An den Darstellern liegt das jedoch nicht, die an ihren Rollen sichtlich Spaß hatten. Übertrieben sind diese fast alle, ein Abbild des verkorksten Hollywoods. Während Maps to the Stars aus diesem Gedanken jedoch eine ätzend-maßlose Satire machte, beschränkt sich Regisseur und Drehbuchautor Joe Carnahan auf überdrehte, letzten Endes aber harmlose Charaktere. Großartig sind die Gastauftritte von Ray Liotta und David Hasselhoff, die sich hier selbst auf den Arm nehmen dürfen. Und Chris Pine – der übrigens im Abspann nicht genannt wird – als schillernd-grotesker Millardär darf sich auch einmal von einer ganz anderen Seite zeigen, was ebenfalls einige Lacher nach sich zieht. Abgerundet wird das Kuriositätenkabinett durch Karl (Helms), ein früherer Kollege von Stretch, der sich das Leben nahm und nun als Halluzination immer wieder die Ereignisse kommentiert.

Auch diese sind jenseits von gut und böse, Carnahan griff hier auf das bewährte Handlungselement zurück: Unbescholtener Bürger schlittert ohne großes Zutun und ohne eigene Schuld in kriminelle Machenschaften, verliert dabei zunehmend die Kontrolle über die Situation. Natürlich ist auch das immer wieder witzig, wenn innerhalb kürzester Zeit die Umstände immer chaotischer werden, ein Held von einem verrückten Abenteuer ins nächste stolpert. Und Stretch wird auch erfolgreich als Sympathieträger etabliert, dem das Leben irgendwie immer mies zugespielt hat und dem man allein deshalb schon die Daumen drückt. Nur fehlen hier dann doch die ganz großen Einfälle, Stretch ist trotz seiner Absurdität relativ gewöhnlich, für einen tatsächlichen Wahnsinn einfach zu brav.

Aber nicht jeder Film muss ja bekanntlich die Welt verändern, wer seine Erwartungen im Zaum hält, darf bei der kurzweiligen und actionreichen Komödie durchaus seinen Spaß haben. Und auch das obligatorische Karachofinale, in dem mehrere Handlungsstränge zueinander finden, erfüllt seinen Zweck. Fürs Kino mag das nicht gereicht haben, aber einem netten Videoabend steht hier nichts im Wege.



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Stretch
Ein verhinderter Schauspieler erlebt als Chauffeur groteske Abenteuer – das hört sich komisch an, ist es im Großen und Ganzen auch. Trotz bekannter Schauspieler, diverser Actionszenen und völlig überdrehter Figuren reicht es bei „Stretch“ jedoch nur fürs gehobene Mittelfeld, die Komödie ist sympathisch, insgesamt jedoch auch ein wenig gewöhnlich.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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