(„Into the Woods“ directed by Rob Marshall, 2014)

Into the Woods

„Into the Woods“ läuft ab 19. Februar im Kino

NNichts wünschen sich der Bäcker (James Corden) und seine Frau (Emily Blunt) mehr als ein gemeinsames Kind, aber es will einfach nicht klappen. Kein Wunder, hat die böse Hexe (Meryl Streep) sie doch schon vor langem mit einem Fluch belegt. Nur unter einer Bedingung will sie diesen aufheben: Die beiden müssen ihr vier bestimmte Gegenstände besorgen, bevor der Mond ein drittes Mal aufgeht. Flugs eilt der verhinderte Familienvater in den Wald, wo er unter anderem Rotkäppchen (Lilla Crawford), Cinderella (Anna Kendrick), Jack (Daniel Huttlestone) und dem Prinzen (Chris Pine) begegnet – ein jeder von ihnen hat seine Gründe, warum er sich im Dickicht herumtreibt.

Es war einmal ein Konzern, der sehr gut davon leben konnte, bekannte Märchen und Romane in Zeichentrickform auf die große Leinwand zu bringen. Aber warum die Kuh nur einmal melken? Und so begann Disney vor einigen Jahren, frühere Werke einfach noch mal zu verfilmen. Und der Erfolg gibt dem Mäuseimperium recht: Alice im Wunderland und Maleficent waren Blockbuster, Cinderella läuft im März im Kino an, an Realversionen vom Dschungelbuch, Die Schöne und das Biest und Dumbo wird bereits gearbeitet. Doch bevor es soweit ist, gibt es nun eine Art Best of, ein All-Star-Ensemble bekannter Märchenfiguren, gespielt von einer Horde Hollywood-Stars.

Anders als die Beispiele oben basiert Into the Woods jedoch nicht auf einer literarischen Vorlage, sondern einem Musical. Das gleichnamige Stück feierte 1986 seine Premiere und sollte bereits diverse Male verfilmt werden, bevor sich Disney seiner annahm und auch gleich den passenden Regisseur dafür vor Augen hatte: Rob Marshall. Der hatte bereits 2002 mit Chicago bewiesen, dass ein Leinwand-Musical auch im neuen Jahrtausend nicht nur für diverse Oscars gut ist – unter anderem dem als bester Film –, sondern auch für volle Kinokassen. Ganz so viel Kritikerlob heimste seine Märchenmelange zwar nicht ein, doch die Einspielergebnisse in den USA waren durchaus beachtlich. Und das nicht einmal zu unrecht.

Grandios fängt es an: Die verschiedenen Handlungsstränge werden gleichzeitig erzählt, kunstvoll zusammengehalten nur von dem eingängigen Titellied, welches von den Protagonisten gesungen wird. Immer wieder wechseln wir von Märchen zu Märchen, ohne dass es musikalisch dabei jemals zu einem Bruch kommt. Auch im Anschluss behält Into the Woods seine episodenhafte Struktur bei, die Suche nach den Gegenständen bildet zwar den Rahmen, die einzelnen Geschichten stehen aber oftmals für sich. Auf ihren jeweiligen Reisen begegnen sich die Figuren, gehen aber ebenso schnell wieder getrennte Wege.

Sonst oft ein Eintrag in der Negativ-Spalte, ist der fehlende rote Faden hier kein wirkliches Manko, schließlich versucht der Film auch gar nicht, eine tatsächliche Geschichte zu erzählen. Und genau das macht eben auch den Spaß aus: Hier soll alles wild zusammengeworfen sein, das Märchen-Crossover ist an vielen Stellen eine Parodie auf die überlieferten Originale, und auf herkömmliche Musicals gleich hinzu. Im Vergleich zum Broadway-Pendant mag Marshalls Version entschärft und familienfreundlicher sein, dennoch dürfen sich auch weniger musicalaffine Zuschauer an wunderbar absurden und bewusst übersteigerten Szenen und Dialogen erfreuen. Spätestens wenn sich Chris Pine und Billy Magnussen in dem Prinzen-Gesangsduell „Agony“ eine groteske Persiflage auf die in dem Genre üblichen melodramatischen Schmerzbekundungen abliefern, haben selbst – vielleicht sogar vor allem – Musicalgegner Lachtränen im Auge.

Bis Into the Woods plötzlich eine inhaltliche und vor allem tonale Kehrtwende einlegt. War der Film bis dahin eine unterhaltsame, optisch ansprechende Bonbontüte, wird es dann auf einmal ernst, emotional und sogar moralisch. Richtig zusammenpassen will das natürlich nicht, das Musical bricht an der Stelle komplett auseinander. Da dieses letzte Viertel auch noch sehr langwierig ist, die Handlung so gar nicht mehr vom Fleck kommen will, verdunkelt sich der positive Eindruck von Minute zu Minute. Nur manchmal blitzt die Brillanz des Beginns hier noch auf, ansonsten sehnt man das Ende herbei. Schade um die zahlreichen fantastischen Szenen davor, für die allein sich der Kinobesuch aber dann doch lohnt.

Into the Woods
3.86 (77.14%) 7 Artikel bewerten

Into the Woods
Mehrere Märchen, die zu einem gemeinsamen Musical verbunden werden – bei der Vorstellung dürfte sich bei so manchem die Zehennägel aufrollen. Doch anders als erwartet ist „Into the Woods“ ausgesprochen humorvoll, nimmt nicht nur die Vorlagen, sondern auch Musicalstandards auf den Arm. Im letzten Viertel ist der Spaß jedoch vorbei, dann wird es plötzlich ernst, moralisch und auch langwierig.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Eine Antwort

  1. Jan

    Das finale tat dem Film auch in meinen Augen nicht allzu gut. Hat aber mit „Last Midnight“ noch einen richtigen musikalischen Höhepunkt zu bieten, der zumindest den Soundtrack immer mal wieder auf meinem Player aufleben lässt.

    Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.