(„Cerro Torre: A Snowball’s Chance in Hell“ directed by Thomas Dirnhofer, 2013)

Cerro Torre – Nicht den Hauch einer ChanceIst es ein Segen, mit 19 bereits alles erreicht zu haben? Oder doch ein Fluch? David Lama dürfte sich diese Frage mehr als einmal gestellt haben. Seit seiner Kindheit war er ein ebenso begeisterter wie talentierter Hallenkletterer. Doch nun, diverse Europa- und Jugendweltmeistertitel später, gehen dem jungen Österreicher so langsam die Ziele aus. Doch zum Glück wartet da draußen eine große, weite Welt, die es zu erklimmen gilt. Davids Traum: den Cerro Torre in Patagonien bezwingen. Der ist schon unter normalen Bedingungen ein Alptraum. Doch der ambitionierte Jungkletterer hat noch mehr vor, will den Gipfel völlig ohne Hilfsmittel erreichen.

Red Bull verleiht Flügel! Selbst wer kein Anhänger des süßlichen Energy Drinks ist, dürfte mitbekommen haben, wie vehement das Unternehmen mittlerweile auch im Sportbereich um Aufmerksamkeit kämpft. Im Formel-1-Sektor klappt das bekanntlich wie am Schnürchen, auch im Fußball und Eishockey sind die Österreicher unterwegs. Bei einem derart starken Fokus auf sehr aktive und halsbrecherische Sportarten verwundert es nicht, dass deren Medienabteilung nun auch das Freeclimbing für sich entdeckt hat und mit Cerro Torre dieses Frühjahr eine Dokumentation in die Kinos schickte.Cerro Torre – Nicht den Hauch einer Chance Szene 1

Das Ergebnis fällt jedoch etwas anders aus, als man vermutlich erwartet hätte. Zunächst einmal wirft Regisseur Thomas Dirnhofer einen ausführlichen Blick zurück, erzählt von Davids Werdegang, aber auch historischen Versuchen, den Gipfel zu erklettern. Das ist natürlich naheliegend und für sich genommen auch interessant zu erfahren, weckt gleichzeitig aber nicht nur bei ungeduldigen Naturen die Erwartung, dass es im Anschluss nun so richtig zur Sache geht. Doch genau das passiert nicht. Das Wetter ist schuld, zum Teil auch Davids mangelnde Erfahrung im alpinen Klettern. Auf jeden Fall heißt es mehrfach: Wir müssen umkehren! Statt die Truppe in den Bergen herumkraxeln zu sehen, dürfen wir erfahren, warum sie genau das eben nicht tun. Und das ist auf Dauer schon etwas unbefriedigend, selbst wenn die dröhnende Musik dem Zuschauer einen größeren Actionanteil vorzugaukeln versucht.Cerro Torre – Nicht den Hauch einer Chance Szene 2

Erst zum Schluss wird die Wartezeit belohnt, ein bisschen zumindest. Hautnah dabei sind wir nicht, sondern müssen auf Bilder aus der Ferne zurückgreifen, zum Beispiel vom Bord eines Hubschraubers aus. Doch der Anblick ist auch da fantastisch, das wahnwitzige Abenteuer lässt einen selbst daheim in der warmen Wohnung kräftig frösteln. Wer nur auf spektakuläre Aufnahmen aus ist, für den wird Cerro Torre dennoch zu wenig sein, insgesamt vielleicht auch zu langatmig. Kletterfreunde dürften sich mit der Frustration über die widrigen Umstände jedoch gut identifizieren können, denn trotz des prominenten Namens ist der Film tatsächlich eher eine Dokumentation über das Klettern und weniger der zu erwartende Werbefilm geworden.

Cerro Torre – Nicht den Hauch einer Chance ist seit 23. Oktober auf DVD und Blu-ray erhältlich

Cerro Torre – Nicht den Hauch einer Chance
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Cerro Torre – Nicht den Hauch einer Chance
Cerro Torre ist über weite Strecken erstaunlich unspektakulär, redet mehr vom Klettern, als dass es konkret etwas zeigt. Das macht den Dokumentationsfilm etwas langatmig, erst zum Schluss wird der Zuschauer mit fantastischen Aufnahmen belohnt.
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