(„Gyakuten saiban“ directed by Takashi Miike, 2012)

Ace Attorney - Phoenix WrightSich über schlechte Videospielumsetzungen zu beschweren ist in etwa so produktiv wie eine Klage über Verspätungen bei der Deutschen Bahn oder Regen am Wochenende. Wir wissen alle, dass das Naturgesetze sind, warum also Zeit mit Meckern verschwenden? Okay, die Filmversionen von Resident Evil und Silent Hill haben tatsächlich ihre Anhänger. Aber bei denen geht es um Untote und Monster, und die sind immer salonfähig, funktionieren auch ohne Konsolenkontext. Ein tollpatschiger Rechtsverteidiger, der nur drei Tage Zeit hat, um seine Mandanten freizuboxen, hört sich jedoch gefährlich nach Barbara Salesch & Co. an.

Dabei hat sich Phoenix Wright, Hauptfigur der ersten drei „Ace Attorney“-Spiele, seit seinem Debüt anno 2001 auch im Westen zu einer absoluten Kultfigur entwickelt. Grund dafür ist die Mischung aus absurdem Humor und cleveren Kriminalfällen, die immer in einem dramatischen Showdown im Gerichtssaal enden. Zwei dieser Fälle baute Starregisseur Takashi Miike nun in Filmform nach und hielt sich dabei recht eng an die Vorlage.

Phoenix (Hiroki Narimiya) ist frisch gebackener, wenn auch eher zufällig erfolgreicher Anwalt. Also nicht unbedingt der Mensch, dem man einen Mordfall anvertrauen würde. Doch dieser hier ist fast schon ein persönlicher Angriff: Mia Fey (Rei Dan), die Chefin und Mentorin des Justiznachwuchses, wurde in ihrem Büro ermordet. Ausgerechnet deren kleine Schwester Maya (Mirei Kiritani) soll die Täterin gewesen sein. Für Phoenix ist der Fall klar, da versucht jemand, Maya die Schuld unterzuschieben. Nur, wie soll er das beweisen?Ace Attorney - Phoenix Wright Szene 1

Fall Nummer zwei dreht sich ausgerechnet um Phoenix’ großen Widersacher, den unbarmherzigen Staatsanwalt und früheren Schulfreund Miles Edgeworth (Takumi Saito). Auch hier sprechen die Indizien eindeutig gegen den Angeklagten: Miles war alleine mit dem Mordopfer in einem kleinen Boot mitten im See, die Waffe noch in der Hand. Wer sonst könnte da der Täter sein?

Soweit alles bekannt, Fans der Vorlage können sich also auf ein Wiedersehen mit vielen lieb gewonnenen Figuren freuen. Zu bemängeln wäre höchstens, dass die Musik des Spiels nur teilweise übernommen wurde und der Polizist und Publikumsliebling Dick Gumshoe (Shunsuke Daito) nicht annähernd so vertrottelt wirkt wie im Original. Neulinge wiederum werden sicherlich ein wenig brauchen, um sich an die verrückten Ideen und skurrilen Charaktere zu gewöhnen. Spätestens wenn Phoenix Wright nämlich mit Hilfe eines Mediums mit seiner verstorbenen Mentorin spricht oder einen Papagei in den Zeugenstand ruft, dürfte auch dem letzten klar sein, dass hier erst gar nicht so getan wird, als wäre all das real.Ace Attorney - Phoenix Wright Szene 2

Das heißt nicht, dass für Krimifans wenig geboten wird. Im Gegenteil, hinter der absurden Aufmachung stecken Geschichten, die durchaus clever und nicht weniger glaubwürdig sind als ihre altehrwürdigen Pendants aus England. Neben Humor wird also auch für reichlich Spannung und Rätselfutter gesorgt. Da Miike auch bei der optischen Umsetzung einige nette Einfälle hatte, die eindeutig die Videospielwurzeln verraten, ist Ace Attorney – Phoenix Wright etwas unerwartet nicht nur kein Schrott geworden, sondern sogar richtig gelungen. So gelungen, dass auch Nichtspieler, die schrägen Humor japanischer Machart schätzen, diesem Gerichtssaal einen Besuch abstatten können. Für Phoenix-Fans ist der Streifen ohnehin ein Muss.

Ace Attorney – Phoenix Wright ist seit 14. Juni auf DVD und Blu-ray erhältlich

Ace Attorney – Phoenix Wright
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Ace Attorney - Phoenix Wright
Schräger Humor, skurrile Figuren, spannende Kriminalfälle – Ace Attorney – Phoenix Wright hält sich eng an das gleichnamige Videospiel und schafft es, dessen Stärken auf die große Leinwand zu transportieren. Dadurch ist der japanische Film eine der seltenen wirklich gelungenen Umsetzungen, die sogar Nichtspielern gefallen könnten.
7von 10

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