(„Manhattan Murder Mystery“, Woody Allen, 1993)

Woody Allen selbst bezeichnete Manhattan Murder Mystery als einen seiner eigenen Lieblingsfilme. Das Script verfasste er zusammen mit Marshall Brickman, mit welchem er bereits für Erfolge wie Annie Hall und Manhattan verantwortlich war. Der hier rezensierte Film erreicht zwar nicht die Gagdichte von dem kurze Zeit später entstandenen Bullets over Broadway, entpuppt sich aber als raffinierte und höchst amüsante Krimikomödie, für welche nach langer Pause erneut Diane Keaton neben Woody Allen agierte.

Die Beiden verkörpern ein Ehepaar – Carol und Larry Lipton – welches mit ihren Nachbarn, zwei scheinbar netten Rentnern – den Houses – bekannt gemacht wird. Mrs. House stirbt jedoch kurze Zeit später – angeblich an einem Herzinfarkt, doch Carol Lipton kommen langsam immer mehr Zweifel an der natürlichen Todesursache auf, sodass sie beginnt, mit ihrem Freund Ted (Alan Alda) zu ermitteln, sehr zum Missfallen ihres Ehemannes Larry. Bald stößt Carol auf immer mehr Spuren, die eigentlich nur einen Schluss zulassen…

Manhattan Murder Mystery braucht ein wenig Zeit, um an Tempo zu gewinnen, entpuppt sich dann aber als äußerst unterhaltsame und sehr raffiniert konstruierte Krimikomödie, die auf der kriminellen Ebene mehr zu überzeugen weiß als der ohnehin bereits gelungene und später entstandene Scoop. Der Trick, der dieses Werk derart interessant macht ist, dass man als Zuschauer zu Beginn stets auf der Seite von Carols Ehemann ist und der festen Überzeugung, sie müsse sich irren. Doch irrt sie sich wirklich? Niemand sollte sich seiner Sache derart sicher sein. Doch Woody Allen wäre nicht Woody Allen, hätte er nur eine anspruchslose Komödie ohne Hintergedanken inszeniert.

So brachte er auch hier seine philosophischen Reflexionen über das Eheleben ein, so ist es interessant festzustellen, dass die Liptons unübersehbare Probleme in der Beziehung u.a. aufgrund vollkommen unterschiedlicher Interessen haben – all diese Probleme verschwinden fast vollständig, als sie beginnen, gemeinsam in einem Mordfall zu ermitteln und gegenseitig für einen hohen Adrenalinspiegel sorgen, während sich zuvor Carol von ihrem Mann nach einem erzwungenen Opernbesuch anhören musste: „Ich kann mir Wagner nicht lange anhören, dann will ich in Polen einmarschieren.“ Es sind die typischen scharfzüngigen Kommentare und pointierten Dialoge, die aus dem gegebenem Stoff nicht nur eine höchst amüsante Komödie machen – es ist auch der trickreiche Kriminalfall.

Zu viele Krimikomödien leiden darunter, dass sie entweder als Komödie oder als Kriminalfall nicht komplett überzeugen können. Woody Allens Film schafft beides und macht auf diese Weise eine wunderbare Melange aus Lustspiel und undurchschaubarem Thriller, der mit immer neuen Erkenntnissen und Wendungen aufwartet, welche den Blick des Zuschauers auf die Sicht der Dinge stets auf Neues zu verändern vermag. Cineasten sollten dieses Werk besonders aufmerksam studieren, so finden sich zahlreiche Referenzen an Klassiker der Filmgeschichte und Favoriten von Woody Allen selbst. Ein Highlight ist auch das Finale an einem Ort, der einem Spiegelkabinett ähnelt und großen Gangsterfilmen der 50er Jahre Tribut zollt.

Manhattan Murder Mystery beinhaltet viele interessante Ideen, einen spannenden Kriminalfall, den typischen Allen-Humor, zahlreiche spannende Wendungen und ein unerwartetes, pikantes Ende. Fans des Regisseurs sollten sich diesen Film auf keinen Fall entgehen lassen.

Manhattan Murder Mystery
3.73 (74.67%) 15 Artikel bewerten

Manhattan Murder Mystery
9von 10

Über den Autor

Eine Antwort

  1. Ijon Tichy

    Ja, der gehört sicherlich zu den unterhaltsamsten Allen-Filmen.

    Ich bin ja etwas zwiegespalten bei ihm, aber dieser Film ist einfach Klasse durchdacht. Vor allem Allen als neurotischer, ängstlicher Hypochonder war witzig.

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