(„Deux de la Vague“, directed by Emmanuel Laurent, 2010)

Die Namen Jean-Luc Godard und Francois Truffaut haben Sie als begeisterte Cineasten sicherlich schon einmal gehört oder vielleicht auch schon Filme der wichtigen Begründer der Nouvelle Vague gesehen. Emmanuel Laurent zeichnet in dieser Dokumentation, die sicherlich nie einen deutschen Verleiher finden wird, die Freundschaft der beiden eigenwilligen Regisseure nach, wie sie ihre ersten Filme drehten und damit das Kino revolutionierten. Als wichtiger Darsteller in Filmen der beiden Franzosen wird auch Jean-Pierre Léaud kurz porträtiert. Begrüßenswert, da man über den Schauspieler, der sich stets zwischen Godard und seinem Entdecker Truffaut hin und her gerissen sah, kaum Berichte zu sehen bekommt.

Laurent bindet seltenes Film- und Interviewmaterial ein, man entdeckte neue Bilder und Zeitschriftenartikel und trotzdem vermag Two in the Wave nicht viel Neues zu erzählen. Das Dilemma dieses Films ist, dass es ein derartig spezielles Thema ist, dass sich diejenigen, die diesen Film sehen werden, bereits mit der Materie auseinandergesetzt und zahlreiche Filme gesehen haben. Deshalb werden sie von dem ehrgeizigen Werk Laurents kaum überrascht werden. Laurent ist auch inkonsequent in der Darstellung von Godard und Truffaut gedrehten Filmen, so werden Sie küssten und sie schlugen ihn und Außer Atem als erste Filme der Beiden detailliert besprochen, danach aber einzelne Filme nur kurz angesprochen, was sehr bedauerlich ist.

Interessant wäre in dieser Hinsicht gewesen, wenn der Film erklärt hätte, inwieweit sich auch spätere Werke noch an der Nouvelle Vague orientieren oder inwiefern Truffaut Ausreißer wagte, die hätten erklärt werden können. So bleibt der Film recht oberflächlich und endet bedauerlicherweise auch mit dem Ende der Freundschaft Truffauts und Godards. Die Bedeutung ihrer frühen Filme wird am Anfang angerissen, aber inwiefern sich andere Regisseure von ihnen haben inspirieren lassen, wird nicht erläutert. In dieser Hinsicht ist Two in the Wave eine nicht genutzte Chance.

Die Rezension muss fast zwangsläufig negativ ausfallen, wenn hier zwei Regisseure, ihre Freundschaft und sekundär auch ihre Filme kurz porträtiert werden. Wer schaut sich einen Film über die Freundschaft und Zusammenarbeit zweier Kinogrößen an? Diejenigen, die an ihnen interessiert sind, d.h. auch Filme von ihnen kennen und sich mit der Materie bereits beschäftigt haben. Kann diesen Leuten der Film etwas Neues beibringen? Nein. Es ist auch fraglich, ob diese Dokumentation als Appetithappen für Neulinge funktioniert, die in die Nouvelle Vague-Filme einsteigen wollen. Denn dafür ist diese Dokumentation schlicht zu oberflächlich, wenn hier auf Analysen verzichtet wird, die erklären, was genau die Nouvelle Vague (Schnitte, Kamera, Einstellungen werden nur kurz angerissen) ausmacht und wie man diese Ideen umgesetzt hat.

Positiv hervorzuheben ist jedoch, dass dieser Film nicht in die Falle tappt, die sich bei derartigen Sujets stets anbietet: sich selbst zu einem Kunstwerk hochzustilisieren, indem man etwa auf Chronologie verzichtet oder wirr umhersuchende Kameraeinstellungen wählt, deren Sinn sich dem Zuschauer nicht erschließen sowie die Berichterstattung über die Meinungen der Bevölkerung, als die ersten Filme, welche die Nouvelle Vague begründete anliefen. Two in the Wave ist geradlinig und unprätentiös erzählt, aber leider für keine Partei sonderlich informativ und daher sehr enttäuschend.



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Two in the Wave
4von 10

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