(„Case 39“ directed by Christian Alvart, 2009)

Der Trailer verspricht Gänsehautthatmosphäre und eine ordentliche Portion Spannung und tatsächlich, Case 39 hat in dieser Hinsicht einiges zu bieten, hebt sich letzen Endes aber dann doch kaum von Genrekollegen ab.
Dazu ist der Plot einfach zu vorhersehbar was unweigerlich dazu führt, dass die Wendungen wenig bis gar nicht überraschen. Eine wirkliche Überraschung war es allerdings Renée Zellweger in einen solchen Streifen zu sichten. Nach ihren Rollen als Bridget oder den meist doch eher bodenständigen Parts (Unterwegs nach Cold Mountain, Das Comeback), übernimmt sie diesmal die Rolle von Emily Jenkins, einer Sozialarbeiterin die über die insgesamt 105 Minuten Laufzeit regelrecht in den Wahnsinn getrieben wird und sich am Ende einer Glaubensprüfung stellen muss. Grund dafür ist die Titelgebende Akte, der Fall 39. Ihr Job besteht kurz gesagt darin Kindern die in ungünstigen bzw. gefährlichen Familienumgebungen aufwachsen zu helfen, was meistens damit endet, dass die Kids ins Jugendheim landen.

Oben genannter Fall führt sie zur jungen Lillith Sullivan (Jodelle Ferland), die erst kürzlich einen makaberen Mordversuch ihrer Eltern überlebt hat. Um ihr die übliche Prozedur durch das Heim zu ersparen nimmt Emiliy die Kleine vorerst zu sich auf, doch schon bald muss sie feststellen, dass Lillith keineswegs das kleine, unschuldige Mädchen ist, das es vorgibt zu sein. Dem deutschen Regisseur Christian Alvart muss Jodelle Ferland wohl genauso wie mir in Tideland sehr gut gefallen haben, wo sie unter der Regie von Terry Gilliam ebenfalls eine äußerst unheimliche Atmosphäre ausstrahlte. In Fall 39 kommt sie zwar nicht ganz an diese Performance heran, doch vor allem im Schlusspart dreht sie nochmals ordentlich auf. Zellweger führt ihren Job aus, nicht mehr aber auch nicht weniger. An ihrer Seite sehen wir zuerst Bradley Cooper (Hangover) der schnell vergessen ist, später dann Ian McShane. Letzterer, der mir in der leider abgebrochenen Western TV-Serie Deadwood als Al Swearengen so gut gefiel, wird hier leider etwas verbraten. Die Rolle des Fieslings liegt dem Briten wohl eher als die des rechtschaffenen Cop.

In technischer Hinsicht gibt es wenige Highlights, der Film ist wenn man so will solide abfotografiert und beherbergt ein bis zwei recht billig wirkende CGI-„Effekte“. Die Spannung wird eigentlich durchwegs aufrecht erhalten, da man ständig auf einen wirklich überraschenden twisting point hofft, der allerdings nie eintritt. Die Musik von Michl Britsch verpasst meiner Meinung nach oftmals den Takt bzw. die Pointe und so sind wirkliche Schockmomente (fast) nicht zu finden bzw. durch die Disharmonie der Bilder mit den Tönen abgeschwächt, was mir aber ehrlich gesagt eh lieber war.

Obwohl ich keinen direkten Vergleich zur Blu Ray habe, war das per BD-Player hoch skalierte Bild relativ gut. Wer sowieso die deutsche Synchronisierung schauen möchte, muss beim Ton keine Abstriche machen, denn das BD-Pendant bietet lediglich die Original DTS-HD Master Tonspur mehr. Selbes gilt für die enthaltenen Extras. Neben den obligatorischen entfernten Szenen gibt es noch vier kurze Featurettes, die recht spärliche Hintergrundinfo bieten, aber immerhin etwas. Der offizielle Launch der Kaufversion ist übrigens am 29.07.

Wer einen soliden Genrefilm sucht und Psychothriller mit leichten Hang zum Horror mag ist gut bedient. Wer sich Innovation erwartet wird leider eingestehen müssen, dass sich Case 39 gerne und oft bei seinen Vorgängern bedient.

Fall 39
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