(„Gattaca“ directed by Andrew Niccol, 1997)

GattacaAls Regisseur war Andrew Niccol bis zu seinem Film Gattaca ein unbeschriebenes Blatt. 2005 konnte er noch einmal mit Lord of War auf sich aufmerksam machen. Als Drehbuchautor landete er mit Die Truman Show (Peter Weir) einen respektablen Erfolg, den er mit Terminal (Steven Spielberg) nicht mehr wiederholen konnte. Jedenfalls zeigt diese Filmauflistung, dass Niccol ein Faible für außergewöhnliche Stoffe hat. Mit seinem Science-Ficiton-Film Gattaca knüpft er nahtlos an der Tradition der Gegenutopisten an, die seit H.G. Wells‘ „Wenn der Schläfer erwacht“ besteht. Dieses Genre verbindet dezente Science-Fiction-Elemente – meist technisch vorstellbare Weiterentwicklungen – mit möglichen gesellschaftlichen Entwicklungen.

In einer nicht weit entfernten Zukunft überlässt die Gesellschaft nichts dem Zufall. Bereits bei der Geburt werden sämtliche Eventualitäten genetisch ausgemerzt. Vincent Freeman (Ethan Hawke) wurde aber noch auf „natürliche“ Weise geboren. Er ist ein „Invalid“. Sein jüngerer Bruder Anton (Loren Dean) dagegen gehört zu den „Valids“ – den perfekten Retortenkindern. Vincent hat schwere Herzprobleme und leidet unter starker Kurzsichtigkeit. Die Ärzte geben ihm aufgrund seines Genmaterials kurz nach dessen Geburt eine Lebenserwartung von nicht mehr als 30 Jahren. Vincent stemmt sich jedoch gegen seine Schwächen. Als Erwachsener arbeitet Vincent zunächst in einer Putzkolonne in den Räumen der Gattaca Aerospace Corporation. Sein Traum, mit dem ersten bemannten Raumschiff zum Saturn, genauer zu einem seiner Monde – Titan – scheinen erstmals in seinem Leben zum greifen nah und gleichzeitig zu fern.

Ein Krimineller bietet ihm die Identität von Jerome Eugene Morrow (Jude Law) an, der zwar genetisch perfekt ausgestattet ist, jedoch durch einen Unfall an den Rollstuhl gefesselt ist. Ausgestattet mit Jeromes Urin und Blut, welches Vincent für die Kontrollen bei Gattaca benötigt sowie mit gefälschten Fingerabdrücken und Haaren, wird Vincent tatsächlich zum Kandidaten für den Weltraumflug zum Saturn. Eine Woche vor dem Start zum Titan wird ein Direktor der Gattaca Corporation ermordet, wodurch bei den Ermittlungen eine Wimper von Vincent gefunden wird. Für Vincent, der sich gerade mit der Mitarbeiterin bei Gattaca, Irene Cassini (Uma Thurman), angefreundet hat, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit und gegen seine echte Identität.

In Gattaca werden grundlegende Fragen behandelt. Fragen aus unserem aktuellen politischen Diskurs, wie den Einsatz von Gentechnik. Science-Fiction begrenzt sich in Niccols Film auf eine expandierte Raumfahrt, einen konsequent ausgebaute Nutzung der Solarenergie und die massenhafte Verwendung von Elektroautos. Was so banal klingt erscheint gute zehn Jahre nach Erscheinen des Films, in Zeiten des Klimawandels, als visionär. Denn 1997 hat sich Niemand – bis auf grüne Aktivisten natürlich – für diese Themen interessiert, die aber in unserer nahen Zukunft jeden betreffen werden. Der ethisch höchst umstrittene Einsatz ist zumindest im Bereich der so genannten „grünen“ Gentechnik längst Realität geworden.

Gattaca ist abgesehen davon aber auch nur ein besserer „American Dream“-Film geworden. Ein Benachteiligter – hier genetisch und nicht sozial – schafft es gegen alle Vorzeichen, durch reine Willenskraft, seinen Traum von der Raumfahrt zu erfüllen. Sicherlich stecken hier ehernere Ziele dahinter als beim Tellerwäscher, der zum Millionär wird. Vincent will von der Erde weg, weil ihm die Gesellschaft nicht gefällt. Erst am Ende, wo er sich in Irene verliebt, findet er einen Grund zu bleiben. Doch dann ist es zu spät. Selten geht eine Anti-Utopie derart gut aus.

Ethan Hawke (Waking Life) spielt in seiner Rolle als Vincent glaubwürdig. Auch Jude Law wirkt im Rollstuhl überzeugend. Die ansonsten immer brillant spielende Uma Thurman kommt in diesem Film viel zu kurz und kann ihre Fähigkeiten nicht voll zur Geltung bringen. Auffallend ist jedoch, dass sowohl Law (A.I. – Künstliche Intelligenz) als auch Thurman (Paycheck) in ähnlichen Science-Fiction-Filmen gespielt haben. Die Filmmusik passt, geht aber manchmal zu stark ins Heroische, was die Assoziation zum „American Dream“ verstärkt. Die Ästhetik – schlicht, futuristisch, kalt, steril – hat sich nicht überholt und kann sich auch nach zehn Jahren sehen lassen. Gattaca ist ein sehr guter, visionärer 102 Minuten umfassender Science-Fiction-Thriller, der nur knapp am Status eines Klassikers vorbei gerauscht ist.

Gattaca
4.64 (92.73%) 33 Artikel bewerten

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2 Responses

  1. Candide

    Hab heute die TV-Ausstrahlung genutzt um diese Lücke nachzuholen.
    Schließe mich deinem Review an, die gute Uma kommt in der Tat leider viel zu kurz. Ein Film den man sich zwischendurch gern anschauen kann, unbedingt in meiner Sammlung benötige ich ihn dann aber doch nicht.

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