(”色, 戒, Sè, jiè” directed by Ang Lee, 2007)

Wie in „Brokeback Mountain“ schildert auch hier Ang Lee eine verworrene Liebesbeziehung die von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist. Dieses mal ist sie jedoch nicht „nur“ eingebettet in einen familiären Microkosmos, kulturelle Normen und Gewissenskonflikte, sondern zusätzlich in einen politischen Macrokosmos.
Basierend auf einem wahren Ereignis wird der Zuschauer schrittweise in die Welt der Protagonisten hineingezogen. Wir schreiben 1939, Japan ist vorbereitet auf eine Invasion der Volksrepublik China. Die Stimmung ist mit nationalistischen Parolen und Kriegsliedern aufgeladen. Auch die Theatergruppe um den jungen, aufstrebenden Studenten Kuang Yu Min (Lee-Hom Wang) lässt sich vollkommen von der Propaganda vereinahmen und führt Stücke auf die das chinesische Volk im Kampf gegen die japanischen Agressoren anheizen sollen. Doch diese Aufgabe genügt ihnen bald nicht mehr. Durch Informationen über einen Geschäftsmann der den ganzen Film durch nur mit „Herr Yee“ bezeichnet wird geraten die jungen Helden in Aufregung. Er soll ein wichtiger Verbindungsmann des japanischen Geheimdienstes sein und ist somit in ihren Augen ein Verräter der den Tod verdient hat. Auf eigene Faust starten sie einen Versuch in die Nähe von Herrn Yee (Tony Leung Chiu-Wai) zu kommen um ein Attentat zu verüben. Die Schauspielerin Wong Chia Chi (Tang Wei) soll eine Affäre mit dem verschlossenen und sehr vorsichtigen Mann starten und ihn in eine Falle locken. Der amateurhafte Plan mißlingt und die Freunde müssen sich trennen um nicht wegen Mordes angeklagt zu werden.
3 Jahre später, China ist bereits besetzt, trifft Wong Chia Chi wieder auf Kuang Yu Min der jetzt für den chinesischen Geheimdienst arbeitet. Er überedet díe verarmte junge Frau die noch immer studiert sich ihm anzuschließen um erneut in Herrn Yee’s Kreise einzudringen. Ein nervenaufreibendes Katz und Maus Spiel beginnt. Herr Yee der selbst Geheimdienstagent und in Verhörmethoden und Spionage geschult ist, lässt seine Geliebte spüren, dass er weiss, dass sie etwas zu verbergen hat. Da sie jedoch in seinem Haus wohnt und mit seiner Frau bestens befreundet ist hat er selbst kein reines Gewissen, zusätzlich quälen ihn Gedanken die ständig um seine Arbeit kreisen. Er erzählt von Folterungen und Hinrichtungen die er selbst durchführen „musste“. Die sexuelle Spannung wird so ständig begleitet von den Ängsten der beiden in eine Falle zu tappen und zu sterben. Bis zum Schluß bleibt das Ende unabsehbar und die Sympathie des Zuschauers einem ständigen Wechsel unterworfen.
Eine Achterbahn der Emotionen gespickt mit Überraschungen und grundätzlichen Fragen nach dem Sinn von Moral und Werten, ja sogar Liebe. Letzlich ist es jedem selbst überlassen ein Urteil zu fällen oder einfach resigniert über die grandiosen Hauptdarsteller und ein weiters Meisterwerk von einem Regisseur zu schwärmen der Stanley Kubrik durchaus das Wasser reichen kann.
157 spannende Minuten Laufzeit nach der Kurzgeschichte von Eileen Chang, ausgezeichnet mit dem Goldenen Löwen.



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Gefahr und Begierde
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Über den Autor

http://www.youtube.com/watch?v=Tn0_MWsyn7A&feature=fvw

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