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© Jean-Claude Lother

Im Schatten der Wälder

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„Im Schatten der Wälder“ // Deutschland-Start: 1. Oktober 2007 (ZDF)

Inhalt / Kritik

Seit dem Tod ihres Sohns ist Michèle Varin (Josiane Balasko) ein psychisches Wrack. Auch Jahre später schläft die Kommissarin schlecht und wird von Alpträumen heimgesucht. Dabei bräuchte der neue Fall eigentlich ihre volle Aufmerksamkeit: Eine Frau wurde erhängt im Wald gefunden. Zwar sieht die Geschichte nach einem Suizid aus. Seltsam ist aber, dass der Toten ein Schuh fehlt. Zur gleichen Zeit untersucht sie mit ihrem Kollegen Sylvain Bazinsky (Eric Caravaca) den Fall eine angezündeten Holzfabrik, bei dem unklar ist, ob es sich um Brandstiftung handelt. Während die Kommissarin noch versucht, aus diesen Geschichten schlau zu werden, kommt es zu einem Mord. Und langsam muss sie erkennen, dass ihr die Kontrolle entgleitet und sie nicht mehr weiß, was real ist und was nicht …

Blick in den Abgrund

Dass Polizisten und Polizistinnen einen Knacks haben, ist keine Seltenheit. Zumindest in Krimis gehört es inzwischen fast schon zum guten Ton, dass die ermittelnde Hauptfigur irgendwelche Traumata mit sich herumträgt. Seelische Abgründe haben Hochkonjunktur. Und doch geht das alles noch eine ganze Spur schlimmer, wie Im Schatten der Wälder zeigt. Der französische Film aus dem Jahr 2003 stellt uns eine Kommissarin vor, die offensichtlich schon länger mit psychischen Problemen zu kämpfen hat. So starke Probleme, dass man gar nicht sagen kann, warum sie überhaupt noch arbeiten darf. Und doch ist das noch harmlos im Vergleich zu dem, was sich anschließend so tun wird, wenn die Protagonistin immer weiter in ihrem persönlichen Abgrund versinkt.

Anfangs meint man dabei noch, dass Regisseur und Drehbuchautor Guillaume Nicloux (Eine ganz private Affäre) einen klassischen Whodunit gedreht hat. So beginnt die Geschichte damit, dass eine Leiche gefunden wird und anschließend ermittelt wird, wer den Mord begangen hat. Da ist zwar noch die Unsicherheit, ob es wirklich ein Mord war, da es ja nach einem Suizid aussieht. Aber das kennt man ja aus diesem Genre. Unerwartet ist jedoch, wie anschließend noch weitere Verbrechen geschehen, bei denen unklar ist, wie sie denn zusammenhängen. Üblicherweise verdichten sich mit der Zeit Hinweise und die Puzzleteile fügen sich zusammen. Bei Im Schatten der Wälder ist das nicht der Fall. Es wird im Gegenteil immer wirrer, weil es überall an konkreten Informationen mangelt.

Mehr Psychothriller als Rätselkrimi

Damit zusammen hängt maßgeblich die besagte psychische Verfassung der Kommissarin. Immer wieder hat sie Visionen, leidet unter Alpträumen, in denen sie das Erlebte zu verarbeiten versucht. Dabei ist oft nicht klar, wo die Grenzen liegen zwischen reiner Vorstellung und der Realität. Bei Im Schatten der Wälder verschwimmt das alles. Das wird nicht allen gefallen, zumal viele Fragen auch nie beantwortet werden. Der Film ist dann eben doch kein Rätselkrimi, bei dem am Ende alles feinsäuberlich aufbereitet wurde. Das eine oder andere wird zwar schon aufgeklärt. Nur eben nicht in dem Maß, wie das Publikum es bei einem solchen Film erwarten würde. Das kann dann schon unbefriedigend sein, vielleicht sogar ärgerlich.

Überzeugender ist es, wenn man den Film als einen Psychothriller begreift, bei dem wir der Hauptfigur in die eigenen Abgründe und Alpträume folgen. In der Hinsicht ist das Ergebnis sehenswert. Zum einen ist die französische Produktion stimmungsvoll geworden, Nicloux weiß schon, wie er aus bekannten Elementen Atmosphäre herausquetscht. Aber es ist auch die Darstellung von Josiane Balasko (Wenn der Herbst naht), die den Film trägt. Wie sie ihr einerseits Stärke und Wehrhaftigkeit verleiht, gleichzeitig aber auch zerbrechlich wirkt, das ist schon gut gespielt und brachte ihr seinerzeit eine César-Nominierung ein. Dass Im Schatten der Wälder nie regulär bei uns erschienen ist und auch daheim eher untergegangen ist, ist daher schon schade.

Credits

OT: „Cette femme-là“
Land: Frankreich
Jahr: 2003
Regie: Guillaume Nicloux
Drehbuch: Guillaume Nicloux
Musik: Eric Demarsan, Fabio Viscogliosi
Kamera: Pierre-William Glenn
Besetzung: Josiane Balasko, Eric Caravaca, Frédéric Pierrot, Ange Rodot, Thierry Lhermitte

Bilder

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Im Schatten der Wälder
fazit
In „Im Schatten der Wälder“ muss eine psychisch angeknackste Kommissarin mehrere Fälle lösen. Das sieht anfangs nach einem klassischen Whodunit aus, ist in Wahrheit aber ein Psychothriller über eine Frau, die nicht mehr Vorstellung von Realität unterscheiden kann. Das wird für manche unbefriedigend sein, ist aber atmosphärisch und zudem stark gespielt.
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