The Bikeriders
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The Bikeriders

The Bikeriders
„The Bikeriders“ // Deutschland-Start: 20. Juni 2024 (Kino)

Inhalt / Kritik

Mitte der 1960er Jahre mischt sich der Fotografiestudent Danny (Mike Faist) unter die Chicago Vandals. Er plant ein Buch über den Motorradclub, mit Bildern und Interviews. So erzählt ihm Kathy (Jodie Comer) vom Leben mit dem Biker Benny (Austin Butler), den sie geheiratet hat. Der junge Rebell ist im Club von Johnny (Tom Hardy) berühmt für seine Furchtlosigkeit. Er hält sich an keine Verkehrsregel und setzt sich ungerührt mit seinem Club-Emblem auf der Weste in ein Lokal. Es kommt zu einer Schlägerei, bei der Benny um ein Haar der Fuß abgetrennt wird. Johnny lässt seine Biker das Lokal abfackeln, die Feuerwehr schaut eingeschüchtert zu. Im Laufe der Jahre gesellen sich zu den alten Mitgliedern wie Brucie (Damon Herriman) und Zipco (Michael Shannon) neue, die aus Vietnam ein Trauma mitgebracht haben. Die Sitten werden rauer, Johnny will die Führung an Benny abgeben, Kathy hat genug vom Club. Benny muss eine Entscheidung treffen.

Frühe Rebellen der 1960er Jahre

In der Motorradkultur der USA drückt sich ein Freiheitsgefühl aus, das weit hinaus bis ins utopische Reich der Sehnsucht zielt. Der Regisseur und Drehbuchautor Jeff Nichols (Midnight Special) hat sich für seinen Spielfilm von dem 1968 erschienenen, gleichnamigen Fotobuch von Danny Lyon über den Chicago Outlaws Motorcycle Club inspirieren lassen. Im Abspann sind auch ein paar Aufnahmen mit einzelnen Mitgliedern zu sehen. Nichols dachte sich Geschichten zu manchen Charakteren aus, wobei er auch auf die Interviews von Lyon zurückgreifen konnte. So gab es Audioaufnahmen mit Kathy, denen die gleichnamige Filmfigur folgt. Man sieht die von Jodie Comer hervorragend gespielte, humorvolle junge Frau wiederholt mit dem Fotografen im Gespräch. Ihren klugen und auf unbestechliche Weise schnippischen Erzählungen über Benny und die anderen Männer folgt dann die Handlung in Rückblenden.

Nichols nennt zwei Kinoklassiker als popkulturelle Bezugspunkte, die er in seinem Spielfilm auch zitiert: Der Wilde mit Marlon Brando aus dem Jahr 1953 und Easy Rider von 1969. Johnny, der ein bürgerliches Leben als Familienvater und Lastwagenfahrer führt, lässt sich zur Gründung der Vandals von einer Szene aus dem Film mit Brando inspirieren. Anfangs fuhr Johnny bloß mit ein paar Kumpels Motorradrennen, aber der Club bietet bald seiner wachsenden Mitgliederschar ein ganz neues Gruppengefühl. Kathy erlebt seine Kraft erstmals als Bennys Beifahrerin auf einer Fahrt, auf der die Vandals mit ihren röhrenden Maschinen im Pulk die Landstraße erobern. Die Vandals entstehen vor der Flower-Power-Ära, aber auch ihr keineswegs gewaltfreier Outlaw-Geist verweist schon auf den bevorstehenden gesellschaftlichen Umbruch. Austin Butler spielt Benny, den eigentlichen, aber selbst oft nur im Hintergrund stehenden Hauptcharakter als großen Schweiger. Mit seiner leicht melancholischen Pose weckt er Erinnerungen an die Schauspiellegende James Dean, die schon in den 1950er Jahren junge Unangepasstheit symbolisierte.

Nostalgischer Blick zurück

Der Regisseur Nichols bannt die 1960er Jahre als Zeit des schleichenden Umbruchs auf die Kinoleinwand. Das Leben im Mittleren Westen scheint verkrustet, für Biker, die in Clubmontur als trinkfeste Freizeit-Gang auftreten, gibt es keine Akzeptanz. Aber die Kerle mit den Lederjacken und den umgebauten gebrauchten Harleys lassen den braven Bürgern die Kinnlade herunterfallen. Kathys Freund kapituliert stillschweigend vor Benny, der einfach nur mit seiner Maschine vor dem Haus wartet. Wenn die rechtschaffene Kathy ihren Benny aus Johnnys Einflusssphäre herausreißen will, lässt er sie wissen, dass er ohnehin bald das Weite suchen wird.

Tom Hardy spielt den Club-Anführer Johnny als Mann mit cooler Machogeste, der aber zunehmend sorgenvoll dreinblickt. Er muss für Ordnung sorgen und seine Autorität notfalls mit den Fäusten oder dem Messer verteidigen. Viele Biker muten vogelwild an, manche sogar abgerissen wie der von Michael Shannon verkörperte Zipco, können sich in der Gemeinschaft aber auch erstaunlich handzahm geben. Wenn Pop- und Rock’n’Roll-Songs im Film erklingen, dann ohne den Anspruch, mit triumphierender Lautstärke aufzuputschen. Vielmehr scheinen sie aus einer gewissen Ferne hereinzuwehen. So verstärken sie die nostalgische Atmosphäre, mit der Nichols in diesem schönen Film die goldene Ära der amerikanischen Motorradkultur würdigt.

Credits

OT: „The Bikeriders“
Land: USA
Jahr: 2024
Regie: Jeff Nichols
Drehbuch: Jeff Nichols
Musik: David Wingo
Kamera: Adam Stone
Besetzung: Austin Butler, Tom Hardy, Jodie Comer, Michael Shannon, Mike Faist, Toby Wallace, Damon Herriman, Boyd Holbrook, Emory Cohen

Bilder

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The Bikeriders
fazit
In einem Club der 1960er Jahre im Mittleren Westen bilden Motorradfahrer eine Gemeinschaft freiheitsliebender Außenseiter. Regisseur Jeff Nichols ließ sich von einem Fotobuch zu dieser nostalgischen, aber auch humorvollen Würdigung einer amerikanischen Subkultur inspirieren. Mit Jodie Comers Figur einer jungen Biker-Ehefrau, die auch als Erzählerin dient, gelingt Nichols ein wirkungsvoller Kontrast zur hartgesottenen Männerwelt mit Austin Butler und Tom Hardy in zentralen Rollen.
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