Exorzist: Der Anfang Exorcist: The Beginning
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Exorzist: Der Anfang

Exorzist: Der Anfang Exorcist: The Beginning
„Exorzist: Der Anfang“ // Deutschland-Start: 10. November 2004 (Kino) // 4. März 2005 (DVD)

Inhalt / Kritik

Früher war Lankester Merrin (Stellan Skarsgard) als Priester tätig. Doch davon verabschiedete er sich, ein Vorfall während des Zweiten Weltkriegs ließ ihn den Glauben an Gott verlieren. Seither ist er als Archäologe tätig. So auch im Jahr 1949, als er für eine Expedition nach Kenia geschickt wird. Dort soll er an der Seite des jungen Theologen Pater Francis (James D’Arcy) eine Reliquie finden, die man in einer kürzlich ausgegrabenen Kirche vermutet. Dass diese in keinen Unterlagen erwähnt wird und lange vor den ersten offiziellen christlichen Kirchen errichtet wurde, sorgt für Verwirrung, aber auch für Neugierde. Die Einheimischen hingegen sind angsterfüllt, wollen mit dem Ort nichts zu tun haben, erzählen sich unheimliche Geschichten. Davon lässt sich Merrin aber ebenso wenig beeindrucken wie die Ärztin Dr. Sarah Novack (Izabella Scorupco) – bis es tatsächlich zu eigenartigen Vorkommnissen kommt …

Doppelte Vorgeschichte des Horror-Klassikers

Wenn ein Film erfolgreich ist, lassen die Versuche meist nicht lange auf sich warten, diesen Erfolg für andere Filme zu nutzen. Wie schwierig das ist, zeigt dabei das Beispiel Der Exorzist. Während die Adaption des Romans 1973 zu einem riesigen Kassenschlager wurde und als erster Horrortitel eine Oscar-Nominierung als bester Film des Jahres erhielt, war die Fortsetzung 1977 ein riesiger Flop. Allgemein waren die meisten Anläufe, aus dem Hit ein Franchise zu machen, enttäuschend – kommerziell wie qualitativ. Zuletzt ging man mit Der Exorzist: Bekenntnis baden, dem Versuch, 50 Jahre später noch einmal eine „richtige“ Fortsetzung zu machen. Die Kritiken waren verheerend. Das Einspielergebnis war für sich genommen zwar passabel, aufgrund der extrem hohen Lizenzkosten für das Franchise aber nicht annähernd hoch genug. So beliebt das Original bis heute ist, auf der Reihe scheint ein Fluch zu liegen, der weitere gute und erfolgreiche Teile zu verhindern scheint.

Noch erbärmlicher war das Projekt Mitte der 00er Jahre, ein Prequel zum Klassiker zu machen. So engagierte man Regisseur Paul Schrader, war aber so unzufrieden mit dem Ergebnis, dass stattdessen Renny Harlin ran durfte. Dessen Film Exorzist: Der Anfang stieß aber ebenfalls auf wenig Gegenliebe, weshalb später Schraders Version doch noch veröffentlicht wurde, diesmal unter dem Titel Dominion: Exorzist – Der Anfang des Bösen. Auch die fiel durch. Dass beide Filme in kurzer Folge veröffentlicht wurden, sorgte für Verwirrung, da sie beide mehr oder weniger dieselbe Geschichte erzählten und Teile des Ensembles beibehalten wurden. So spielte der Schwede Stellan Skarsgård in beiden Fällen den Geistlichen Merrin. Das führte dazu, dass die beiden Adaptionen immer wieder miteinander verwechselt werden, so auch aktuell bei Netflix, die unlängst Harlins Version unter dem Titel der Schrader-Fassung veröffentlichten.

Viel Action, wenig spannend

So groß die Konfusion ist, so wenig erwähnenswert sind die Filme, die diesem Chaos entsprungen sind. Tatsächlich ist es viel spannender, sich die Geschichte des unglückseligen Doppels anzuschauen als die eigentliche Geschichte des Films. Dabei hat Exorzist: Der Anfang durchaus Punkte, die ganz nett sind. Beispielsweise ist das Setting Afrikas ganz stimmungsvoll geworden. Damit einher geht auch eine etwas andere Ausrichtung. Anstatt von Anfang an auf Horror zu gehen, hat das zunächst mehr von einem Abenteuerfilm. Es ist auch eine Mystery-Komponente drin, wenn niemand genau weiß, was da eigentlich vorgefallen ist und was es mit der rätselhaften Kirche auf sich hat. In Verbindung mit den lokalen Schauergeschichten kommt da schon eine ganz passable Atmosphäre heraus.

Spannend ist der Film jedoch nicht. Zwar hat Harlin, der seinerzeit mit Stirb langsam 2 und Cliffhanger – Nur die Starken überleben Ruhm als Action-Regisseur erlangte, schon einiges aufgewartet, um das Publikum zu beschäftigen. Er spart nicht an Gewalt und Action, gerade im späteren verlauf geht es ordentlich zur Sache. Horror ist aber nicht gerade seine Stärke. Exorzist: Der Anfang ist ein schrecklich plumper Film, der mit dem Holzhammer Spannung zu erzeugen versucht, was aber in erster Linie ermüdend ist. Dass viele Szenen nicht die erwünschte Wirkung erzielen, liegt aber auch an den Spezialeffekten. Die waren damals schon mäßig und sind heute unfreiwillig komisch. Da die einzelnen Momente der Besessenheit maximal unkreativ sind, ist das hier trotz des bekannten Titels nur Wegwerfware. Das ist schade, da dem Projekt ein talentiertes Ensemble zur Verfügung stand und das Setting sich wohltuend vom Exorzismus-Einerlei abhebt. Beides reicht aber nicht aus, um das schwache Drehbuch und die uninspirierte Inszenierung auszugleichen.

Credits

OT: „Exorcist: The Beginning“
Land: USA
Jahr: 2004
Regie: Renny Harlin
Drehbuch: Alexi Hawley
Musik: Trevor Rabin
Kamera: Vittorio Storaro
Besetzung: Stellan Skarsgård, Izabella Scorupco, James D’Arcy, Ralph Brown, Julian Wadham, Andrew French

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Goldene Himbeere 2005 Schlechtestes Remake nominiert
Schlechteste Regie Renny Harlin nominiert

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Exorzist: Der Anfang
fazit
Die Entstehungsgeschichte rund um „Exorzist: Der Anfang“ ist spannend. Der Film selbst ist es nicht. Trotz eines talentierten Ensembles und eines stimmungsvollen Afrika-Settings ist die Vorgeschichte zum Horror-Klassiker Wegwerfware, da Drehbuch und Inszenierung ziemlich mäßig sind.
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