Krähen – Die Natur beobachtet uns
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Krähen – Die Natur beobachtet uns

„Krähen – Die Natur beobachtet uns“ // Deutschland-Start: 16. November 2023 (Kino) // 8. März 2024 (DVD / Blu-ray)

Inhalt/Kritik

Es könnte leicht der Eindruck entstehen, Menschen und Raben seien untrennbar miteinander verbunden. Dabei scheint das Verhältnis eher ambivalent zu sein. So ist der Rabe in Fabeln oft dumm und eitel, gilt in manchen Kulturen als Vorbote des Todes oder muss für sprachliche Abwertungen wie „Rabenmutter“ herhalten. Auf der anderen Seite ist „mama cuervo“ in Mexiko die Bezeichnung für eine liebevolle Mutter, in der Bibel sandte Gott Elia zweimal täglich Raben, die ihn mit Brot und Fleisch versorgten, sodass er während einer Dürre überleben konnte. Raben – genauer gesagt Rabenvögel, zu denen Raben und Krähen gehören, die bei Krähen – Die Natur beobachtet uns im Mittelpunkt stehen – finden sich immer wieder in fiktionalen Werken. Neben den bereits erwähnten Fabeln (in denen auch die diebische Elster vorkommen kann) gibt es etwa das Gedicht The Raven von Edgar Allen Poe, auch in Die Vögel von Alfred Hitchcock kommen sie als gefiederte Bedrohung daher. Krähen – Die Natur beobachtet uns ist weniger an solchen Geschichten interessiert, fokussiert sich auf die ganz realen Tiere sowie das eingangs angedeutete Verhältnis zwischen den beiden Spezien.

Gelungener Einblick

Zunächst aber ein wenig technisches Beiwerk. Ähnlich wie bei manchen Netflix– oder vor allem Arte-Produktionen ist die deutsche Tonspur über das Original gelegt, sodass beide zu hören sind. Anders als bei ersteren und so wie bei letzteren ist das in Krähen – Die Natur beobachtet uns zugunsten der Übersetzung abgemischt, sorgt also für keine Probleme bei der Rezeption. Die Übertragung selbst ist, soweit sich das beurteilen lässt, überwiegend ebenfalls gelungen. Beim Dialog zweier Kollegen etwa werden die Worte „der Vogel“ des einen in der Antwort mit „es“ referenziert. Das dürfte am fehlenden grammatischen Geschlecht im Englischen liegen, wo der Vogel natürlich ein „it“ ist, allerdings lässt sich an dieser Stelle nicht heraushören, was genau im Original gesagt wurde. Während Übersetzungsfehler in Spielfilmen sich meist darauf zurückführen lassen, dass die Verantwortlichen den entsprechenden Streifen gar nicht oder nur zensiert zu sehen bekommen, somit jeglicher Kontext für die Worte auf dem Papier fehlt, scheint es hierfür keine so einfache Erklärung zu geben. Der ganze Synchronisationsprozess ist aber generell ein undankbarer Job und Außenstehende haben keinen richtigen Einblick in die Abläufe.

Krähen – Die Natur beobachtet uns eröffnet mit einer animierten Sequenz, welche den Dokumentarfilm in Kombination mit dem Voiceover von Elke Heidenreich ein wenig wie ein Märchen wirken lässt. Es ist ein sehr gelungener Einstieg, der sofort die Aufmerksamkeit des Zuschauers für sich einzunehmen weiß. Heidenreich meldet sich im weiteren Verlauf immer wieder einmal aus dem Hintergrund zu Wort, um interessante Informationen zu vermitteln. Im Vordergrund stehen dabei jedoch die Menschen, die sich aus wissenschaftlichem oder privatem Interesse mit der Gattung Corvux beschäftigen. Wer sich noch nie mit dem Thema auseinander gesetzt hat, wird hier jede Menge lernen. Ansonsten stellt die Doku eine Art Kompendium dar, welches einen hervorragenden Überblick über den aktuellen Wissensstand liefert.

Leidenschaftlich betrachtet

Während Krähen – Die Natur beobachtet uns fraglos empfehlenswert ist, gibt es ein paar Details, die eher keinen dokumentarischen Charakter haben, aber zumindest von der Leidenschaft zeugen, mit welcher diese Vögel hier betrachtet werden. Dass Raben beispielsweise nie domestiziert werden konnten, scheint ein wenig als etwas Besonderes präsentiert zu werden. Erstens wurden von den bekannten 50.000 Wirbeltieren keine 100 domestiziert, und das nicht nur weil es sonst bei keinem probiert worden wäre. Zweitens drängt sich die Frage auf, welchen Nutzen eine domestizierte Rabenart denn überhaupt hätte. Im Film erfahren wir etwas über die Symbiose von Raben und Wölfen – so kreisen die Vögel signalisierend in der Luft über potenzieller Beute, um sich an den Überresten gütlich zu tun, nachdem die Wölfe sie erlegt und sich den Magen vollgeschlagen haben. Das Verhältnis zum Menschen ist aber eher parasitär. Ansonsten gibt es hier und da die übliche Vermenschlichung der Tiere, darüber hinaus ließen sich sicher noch einige Dinge im Detail kritisieren, die angesichts des informativen Inhalts, der zudem gut fotografiert ist, aber nicht weiter ins Gewicht fallen.

Credits

OT: „Krähen – Die Natur beobachtet uns“
Land: Schweiz
Jahr: 2023
Regie: Martin Schilt
Drehbuch: Martin Schilt
Musik: Peter Scherer
Kamera: Attila Boa, Karen Vázquez Guadarrama
Mitwirkende: Elke Heidenreich

Bilder

Trailer

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Krähen – Die Natur beobachtet uns
Fazit
"Krähen - Die Natur beobachtet uns" ist eine exzellente Zusammenfassung des gegenwärtigen Wissenstandes über die Gattung Corvux. Der Dokumentarfilm eignet sich zum Einstieg für Unwissende, ist für interessierte Laien aber auch hervorragend dazu geeignet, ihre Kenntnisse aufzufrischen oder eventuell sogar zu erweitern.
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