Wild wie das Meer La passagère
Cécile de France als Fischerin Chiara in dem Liebesdrama "Wild wie das Meer" (© Laure Chichmanov / Why Not Productions / Face Nord Films)

Cécile de France [Interview]

Wild wie das Meer erzählt die Geschichte der glücklich verheirateten Fischerin Chiara (Cécile de France), deren Leben auf den Kopf gestellt wird, als der junge Maxence (Félix Lefebvre) eine Ausbildung bei ihr und ihrem Mann beginnt. Von Anfang an verstehen sich die beiden gut, verbringen gern die Zeit miteinander. Doch nach einer Weile wird daraus mehr und sie beginnen eine Affäre, was bei ihr jede Menge auslöst. Wir haben uns zum Kinostart mit Hauptdarstellerin Cécile über die Arbeit an dem Film unterhalten und was sie an der Protagonistin bewundert.

Könntest du uns verraten, warum du bei Wild wie das Meer dabei sein wolltest? Was hat dich an dem Film gereizt?

Ich habe das Drehbuch gelesen und es wirklich geliebt. Danach habe ich mir die drei vorherigen Kurzfilme von Héloïse Pelloquet angesehen, die hier Regie geführt. Ich weiß nicht, ob du die Möglichkeit hast, sie zu sehen, aber ich kann sie nur empfehlen. Sie sind exzellent, wirklich exzellent. Ich fand es außerdem sehr spannend, eine Figur zu spielen, die sich anderen nicht unterwirft und die es auch nicht darauf anlegt, von allen gemocht zu werden. Sie ist nicht unbedingt immer nett. Ich würde sie auch nicht als Vorbild bezeichnen. Aber das macht sie für mich als Schauspielerin interessant, sie zu spielen, gerade auch in einem Liebesfilm. Sie ist eine so starke Frau mit einem wunderbaren Sinn für Humor. Es ist auch eine sehr körperliche Rolle, sowohl in den Liebesszenen wie auch bei der Arbeit als Fischerin. Ich komme ursprünglich aus dem Theater, wo du allgemein körperlicher spielst als in Filmen, und es war schön, wieder so zu spielen. Aber ich mochte auch die Geschichte. Mir gefällt sehr die Idee, dass sich ein junger Mann in sie verliebt, während er sie bei der Arbeit sieht. Die schmutzige Kleidung, die sie trägt, das hat nichts mit dem Bild einer Frau zu tun, wie es in der Gesellschaft üblich ist. Sie ist nicht sexy.

Du hast von der Anziehung gesprochen, die Chiara auf Maxence hat. Aber wie sieht es umgekehrt aus? Warum verliebt sich Chiara in ihn?

Manchmal ist jemand einfach unwiderstehlich. Héloïse war es wichtig, dass Chiara nicht einfach nur Abwechslung sucht. Sie ist keine gelangweilte Ehefrau wie Madame Bovary. Sie ist auch nicht unglücklich, da gibt es keine Probleme zwischen ihr und Antoine. Für sie ist es einfach ein ganz intensives Gefühl, wenn sie mit Maxence zusammen ist. Am Anfang will sie das nicht. Später gibt sie sich dem Ganzen aber hin und genießt es. Sie genießt diese Leidenschaft. Manchmal ist es im Leben einfach so, dass du dich zu jemandem hingezogen fühlst. Und das will sie sich nicht nehmen lassen, selbst wenn dies nicht den Regeln und Normen entspricht, welche die Gesellschaft einfordert. Sie nimmt die Ablehnung und die Verurteilung durch die Gesellschaft in Kauf. Wild wie das Meer ist dabei kein feministischer Film. Darum ging es Héloïse nicht. Die Figur hätte auch ein Mann sein können. Sie hätte auch jünger sein können. Héloïse wollte einfach beschreiben, wie sich zwei Menschen begegnen und sich begehren. Das macht den Film mehr zu einem humanistischen Film als einem feministischen Film.

Wild wie das Meer La passagère
Trotz des Altersunterschieds verstehen sich Maxence (Félix Lefebvre) und Chiara (Cécile de France) in „Wild wie das Meer“ blendend (© Laure Chichmanov / Why Not Productions / Face Nord Films)

Am Ende geht diese Beziehung in die Brüche und auch die Ehe ist vorbei. Und doch wirkt Chiara glücklich. War es gut für sie, dass sie diesem jungen Mann begegnet ist?

Der französische Originaltitel lautet La passagère, eine Reise. Sie ist nicht dazu bestimmt zu bleiben. Es ist ihr Schicksal weiterzugehen, neue Abenteuer zu finden und ein Leben zu führen, wie sie es will. Deswegen ergibt es Sinn, wenn sie am Ende aufbricht. Natürlich ist es bei ihr einfacher, weil sie keine Kinder hat. Dadurch hat sie keine Verpflichtungen und kann sich darauf konzentrieren, ihr Glück zu suchen.

Ist das etwas, das auch für dich inspirierend ist?

Für mich ist es immer schwierig, eine Verbindung zwischen einer Figur und meinem eigenen Leben herzustellen. Natürlich suche ich schon in mir die Gefühle, die ich darstellen will, damit ich sie auch wirklich ehrlich darstellen kann. Und manchmal kommt es auch vor, dass ich eine Verbindung brauche. Bei Wild wie das Meer war das nicht der Fall. Mein Ziel war es, der Vision von Héloïse nahezukommen, wie Chiara sein soll. Dabei ging es nicht um mich selbst.

Suchst du denn umgekehrt bewusst Figuren, die ganz anders sind als du?

Manchmal ja. Chiara ist mutiger als ich. Außerdem muss ich als Schauspielerin stärker darauf achten, dass andere mich mögen, damit sie auch mit mir zusammenarbeiten. Deswegen war es für mich eine tolle Erfahrung, jemanden zu spielen, dem das völlig egal ist. Es kann aufregend sein, für eine kurze Zeit jemand zu werden, der ganz andere Möglichkeiten hat als du. Der auch etwas ganz anderes macht. Auf einem kleinen Boot herumzufahren und zu fischen war eine großartige und völlig neue Erfahrung für mich. Ich muss das dann nicht unbedingt ein zweites Mal machen. Aber es war spannend, es einmal gemacht zu haben.

Du hast vorhin schon erwähnt, dass neben den Szenen beim Fischen noch die Liebesszenen gab, die auch sehr körperlich sind. Wie schwierig war es für dich, diese mit Félix Lefebvre zu drehen?

Überhaupt nicht schwierig. Félix und ich haben sehr ähnliche Einstellungen zur Arbeit. Und Héloise ist ein so feinfühliger Mensch, der es einem sehr leicht macht, sich wohlzufühlen. Sie wusste auch genau, wie diese Szenen aussehen sollten und hat ganz präzise Anweisungen gegeben. Das wie eine Choreografie, so als würden wir einen Tanz aufführen.

Letzte Frage: Was sind deine nächsten Projekte? Welche Filme stehen an?

Ich habe mit Albert Dupontel Second tour gedreht. Das ist eine Mischung aus Komödie und Thriller über eine Journalistin und ein Kameramann, die eine Reportage über einen Präsidentschaftskandidaten drehen. Außerdem kommt noch Bonnard, Pierre et Marthe über den Maler Pierre Bonnard. Das ist eine wunderschöne Liebesgeschichte und ich spiele darin seine Ehefrau.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person
Cécile de France wurde am 17. Juli 1975 in Andenne, Belgien geboren. Schon mit 15 Jahren nahm Cécile de France ersten Schauspielunterricht, erst in Form von Kursen bei Schauspielern, später an der L’École nationale supérieure des arts et techniques du théâtre in Lyon. Mit Anfang 20 hatte sie regelmäßig kleinere Rollen in Kinofilmen wie auch im Fernsehen. Zu ihrem großen Durchbruch, national wie international, wurde die WG-Komödie L’auberge espagnole – Barcelona für ein Jahr (2002). Für diese Rolle erhielt sie einen César als beste Nachwuchsdarstellerin, drei Jahre später folgte für die Fortsetzung L’auberge espagnole – Wiedersehen ins St. Petersburg ein César als beste Nebendarstellerin.



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