Polizeiruf 110: Du gehörst mir TV Fernsehen Das Erste ARD Streamen online Mediathek
© MDR/Felix Abraham

Polizeiruf 110: Du gehörst mir

Polizeiruf 110 Logo
„Polizeiruf 110: Du gehörst mir“ // Deutschland-Start: 27. August 2023 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Für Lana Stokowsky (Hannah Schiller) endet der Ausflug in die Fußgängerzone Magdeburgs in einem absoluten Alptraum. Nur ein Moment der Unachtsamkeit und es ist geschehen: Jemand hat ihr Baby mitsamt dem Kinderwagen mitgenommen. Hauptkommissarin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) übernimmt daraufhin den Fall und nimmt besonders Lanas Exfreund Christian Novak (Max Hemmersdorfer) unter die Lupe. Schließlich soll der sie unentwegt gestalkt haben. Während Brasch nach Beweisen sucht, mit dem sie ihn überführen könnte, gerät ihr Chef Kriminalrat Uwe Lemp (Felix Vörtler) in Schwierigkeiten. Eigentlich hatte der nur seiner Nachbarin Inga Werner (Franziska Hartmann) helfen wollen und befindet sich nun in deren Gewalt …

Das maue Ende des Sommers

Der Sommer neigt sich langsam seinem Ende zu. Das bedeutet dann auch, dass nach einer längeren Pause voller Wiederholungen neue Fernsehfilme ausgestrahlt werden. Los geht es mit dem Sonntagabend-Platz im Ersten, der traditionell den Krimis gehört. Anstatt jedoch mit dem Platzhirsch Tatort das mörderische Stelldichein zu eröffnen, wird der Nummer zwei Polizeiruf 110 der Vortritt gelassen. Die ARD-Krimireihe ist bekanntlich weniger produktiv als das große Vorbild, nur eine Handvoll neuer Teile erscheinen pro Jahr. Dieses Mal mussten die Fans noch etwas länger warten, zweieinhalb Monate sind seit dem letzten Teil Paranoia vergangen. Da durften die Erwartungen an die neue Geschichte schon etwas größer sein. Erwartungen, die Du gehörst mir aber nur sehr selten erfüllen kann.

Dabei hat man für den 406. Teil der Reihe eigentlich richtig schwere Geschütze aufgefahren. Entführungen sind grundsätzlich immer dazu geeignet, um beim Publikum Nervenkitzel zu erzeugen. Ganz besonders schlimm wird das, wenn es dabei um ein Kind geht, was nicht nur für die Papas und Mamas vor den Bildschirmen einen besonderen Alptraum darstellt. Auch der Rest darf gespannt sein. Theoretisch. Praktisch hapert es bei Polizeiruf 110: Du gehörst mir aber ziemlich. Ein Problem ist, dass viel zu früh alles verraten wird. Zwar wird Chris als potenzieller Täter eingeführt. Die Zuschauer und Zuschauerinnen wissen aber, dass Nachbarin Inga dahintersteckt. Regelmäßig wird zwischen den beiden Strängen hin und her gewechselt, also den Ermittlungen durch Brasch und die Entführungssituation, in die dann auch Lemp hineingezogen wird.

Unglaubwürdig und langweilig

Das ist das zweite Problem: Da wird die Gutgläubigkeit des Publikums schon sehr auf die Probe gestellt. Zum Teil ist das natürlich Standard bei Krimis, das Genre ist nicht unbedingt immer für die größte Plausibilität bekannt. Wenn aber derart plump Querverbindungen aufgebaut werden, dann wird das schon zum Ärgernis. Zumal das Ganze auch nicht notwendig gewesen wäre. Für die Geschichte ist Lemp irrelevant, man wollte wohl nur irgendwie die Figur noch einbauen und wusste nicht, wie das anderweitig funktionieren könnte. Die Zeit hätte man dafür nutzen können, um die Figuren interessanter zu machen. Denn auch in der Hinsicht ist Polizeiruf 110: Du gehörst mir mindestens suboptimal. Vor allem an der Entführerin ist nichts dran.

Klar, das Thema ist emotional. Und man kann dem Ensemble auch nicht vorwerfen, nicht sein Bestes versucht zu haben. Franziska Hartmann und Hannah Schiller dürfen an den entsprechenden Stellen ziemlich aus sich herausgehen. Max Hemmersdorfer, bekannt durch seine früheren Auftritte beim Krimi-Kollegen Der Staatsanwalt, mimt hier einen Mann, bei dem zunächst nicht klar ist, ob er Täter oder Opfer ist. Das ändert aber nichts daran, dass Polizeiruf 110: Du gehörst mir trotz der Dringlichkeit kaum Spannung erzeugt. Wenn der Film die Menschen wieder dazu anleiten soll, die Wochenenden vor dem Fernseher zu verbringen, dann ist das in der Form einfach zu wenig. Die Mischung aus Klischees und Zufällen liefert keinen überzeugenden Grund, warum man hierfür anderthalb Stunden reservieren sollte.

Credits

OT: „Polizeiruf 110: Du gehörst mir“
Land: Deutschland
Jahr: 2023
Regie: Jens Wischnewski
Drehbuch: Khyana el Bitar
Musik: Peter Thomas Gromer
Kamera: Jakob Wiessner
Besetzung: Claudia Michelsen, Felix Vörtler, Pablo Grant, Franziska Hartmann, Hannah Schiller, Max Hemmersdorfer, Susanne Häusler, Safinaz Sattar

Bilder

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Polizeiruf 110: Du gehörst mir
fazit
„Polizeiruf 110: Du gehörst mir“ lockt zwar mit einer düsteren Geschichte, wenn ein Baby direkt aus der Fußgängerzone entführt wird. Und doch wird der Film nie spannend. Langweilige Figuren, das Fehlen von Geheimnissen und die mangelnde Glaubwürdigkeit verleiten eher zum Ausschalten statt zum Abschalten.
Leserwertung99 Bewertungen
3.3
4
von 10