Daniel Richter
Szenenbild aus Pepe Danquarts "Daniel Richter"

Pepe Danquart [Interview 2023]

In seinem Dokumentarfilm Daniel Richter begleitet Oscar-Preisträger Pepe Danquart den zeitgenössischen Maler Daniel Richter bei der Entstehung eines Werkes; von der Idee bis zur Ausstellung. Der Film ist dabei durchwoben mit spannenden Einblicken in den Kunstmarkt, in Richters alte Arbeiten und seine künstlerische Entwicklung. Zu Wort kommen unter anderem einige seiner Malerfreunde wie Jonathan Messe, der Sammler Dr. Harald Falckenberg und Richters Verlegerin Dr. Eva Meyer-Hermann. Für die Kinopremiere des Künstler-Portraits am 2. Februar 2023 hatten wir die Möglichkeit dem Regisseur ein einige Fragen zu seiner Arbeit zu stellen.

Sie beginnen den Film mit einer ganz interessanten Frage an Daniel Richter, nämlich warum Sie diesen Film überhaupt drehen. Haben Sie diese Szene am Anfang oder erst am Ende des gedreht?

Das war tatsächlich der allererste Drehtag. So haben wir damals angefangen. Da war noch gar nicht klar, ob ich ihn finanziert bekomme und ich wollte den Film aber unbedingt machen und das war in der Tat wie im Film der allererste Drehtag.

Sie haben Daniel Richter drei Jahre mit der Kamera verfolgt. Das ist eine lange Zeit. Wie war da der Arbeitsprozess?

Ich bin immer vorbeigekommen (bei Daniel Richter). Er arbeitet ja immer quasi kontinuierlich, jeden Tag. Ich wohnte hier in Berlin um die Ecke und bin dann einfach oft vorbeigekommen. Die Grundidee war, von der leeren Leinwand bis zum fertigen Bild, bis zur Ausstellung, den kreativen Prozess zu begleiten. Das war der Ausgangspunkt, als wir angefangen haben zu arbeiten. So kam ich regelmäßig vorbei. Random, wie man neudeutsch sagt. Dann wollte ich das auch fotografieren: Die Reise, das Ankommen der Bilder in New York, also den gesamten Prozess von der leeren Leinwand bis zur Vernissage festhalten. So begann das Projekt. Dann kam der Lockdown, dann ging es weiter, und es wurde eine Langzeitdoku.

Haben Sie eine Lieblingsszene?

Ich habe keine Lieblingsszene, weil ich so viel Material gedreht habe. Alle Szenen, die dann in den Film hineinkommen – ich habe ja mindestens zehn Mal so viele Szenen gedreht, wie jetzt im Film sind –, das sind dann sozusagen die Lieblingsstellen und gehören dramaturgisch auch dahin.

Haben Sie vielleicht auch eine Stelle, die sie im Nachhinein noch gekürzt hätten? Wenn ich eine aussuchen müsste, wäre das eventuell die Stelle in New York, wo Daniel Richter überlegt, wo er die Bilder hinhängen will.

Ich finde, der Aspekt des Hängens, also nicht nur das Malen der Bilder, sondern auch wie sie in einem Raum hängen, ist ein ganz wichtiger Prozess. Wenn du in die nächste Ausstellung gehst, wirst du dich an diese Szene wahrscheinlich sehr gut erinnern. Was passt denn zueinander, was passt nicht zueinander? Deswegen ist das für mich schon ein ganz wichtiger Teil, der auf gar keinen Fall raus darf.

Wenn wir den Anfang der Dokumentation betrachten: Daniel Richter malt und zwischendurch erzählt er etwas über seine künstlerische Entwicklung. War Ihr Gedanke bei dieser Montage vielleicht der, dass Sie, während Daniel Richter ein Bild malt, das Bild von ihm malen?

Es ist schon so. Ich mache ein Bild, während er malt. Es ist ein bisschen so, als würde mich ein Fotograf fotografieren, während ich ihn beim Fotografieren fotografiere. Es macht natürlich auch klar, dass die filmische Darstellung von Malerei ein reziproker Prozess ist. Es wird beides Mal Kunst geschaffen.

Jetzt habe ich noch eine Frage, mit der ich es mir natürlich einfach mache: Sie sind bestimmt schon einige Male interviewt worden. Gibt es eine Frage, die sie sich immer gewünscht haben, gefragt zu werden?

Eine Lieblingsfrage, die ich mir gewünscht habe, gefragt zu werden? Eher Fragen, die ich mir immer gewünscht habe, nicht gefragt zu werden. Zum Beispiel: „Was ist dein neues, nächstes Projekt?“

Schade, das wäre meine nächste Frage gewesen. Spaß am Rande. Zum Schluss noch eine spannende Frage, die die Menschen in einer fernen Zukunft bestimmt interessieren könnte: Wenn Sie eine Einschätzung geben müssten, wie der Film in der Zukunft aussehen könnte, vielleicht auch im Hinblick auf Neuerungen durch K.I.s, wie wäre Ihre Prognose, wie der Film aussehen könnte oder wird?

Wahrscheinlich sind in gar nicht so ferner Zukunft nur noch Avatare, die vor der Kamera rumrennen. Die Landschaften werden von K.I.s gestaltet und die Schauspieler stehen vor dem Arbeitsamt für Hartz 5 oder Bürgergeld an. Man weiß es nicht so genau. Ich glaube nicht, dass der Film jemals tot sein wird. Im Kino läuft gerade in vollen Sälen Avatar: The Way of Water. Die Serien werden das Kino zumindest stark domi …

Wahrscheinlich war das letzte Wort „dominieren.“ An dieser Stelle brach die Verbindung ironischerweise ab, als hätte eine K.I. aus der Zukunft dem Gespräch zugehört und wollte das Interview etwas verkürzen.

Abschließend bleibt zu sagen: Vielen Dank für das Interview. Ich wünsche Ihnen noch viel Erfolg mit Daniel Richter und natürlich den nächsten Projekten (über die in Zukunft dann hoffentlich kein Interviewer mehr Nachfragen stellt).

Zur Person
Pepe Danquart wurde am 1. März 1955 in Singen geboren. Er studierte von 1975 bis 1981 an der Universität Freiburg Kommunikationswissenschaften. Das Gründungs- und Vorstandsmitglied der Deutschen
Filmakademie ist vor allem für seine Kurz- und Dokumentarfilme bekannt. So erhielt er 1994 für Schwarzfahrer den Oscar für den besten Kurzfilm. Seine Dokumentarfilme haben unter anderem Politik und Sport zum Thema.



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