Emancipation Apple TV+
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Emancipation

Emancipation Apple TV+
„Emancipation“ // Deutschland-Start: 9. Dezember 2022 (Apple TV+)

Inhalt / Kritik

USA, 1863: Offiziell wurde die Sklaverei von der Regierung abgeschafft. Doch in vielen Bundesstaaten sieht die Realität anders aus, die schwarze Bevölkerung wird nach wie vor unterdrückt, misshandelt und zur Arbeit gezwungen. Damit stellt sich für die viele die Frage, ob sie weiterhin auf Rettung warten wollen oder die Flucht in einen der freien Staaten wagen. Peter (Will Smith) entscheidet sich mit einigen anderen dafür, ihrem unwürdigen Dasein ein Ende zu setzen und lieber davonzulaufen. Doch der Weg ist weit und gefährlich, umso mehr, da die Sklavenhalter alles daran setzen, ihren Besitz zurückzubekommen. Mit Spürhunden verfolgt der Menschenjäger Jim Fassel (Ben Foster) die entflohenen Männer, die er lieber tot als in Freiheit sehen will …

Groß angelegter Sklaventhriller

Während sich Apple TV+ im Serienbereich inzwischen einen sehr guten Ruf erarbeitet hat, schwächelt der Streamingdienst bei den Filmen noch kräftig. Offensichtlich war man aber fest entschlossen, das diesen Herbst zu ändern. Die Zahl der neuen Titel ist zwar nach wie vor überschaubar. Dafür sind diese wenigen Filme durch die Bank weg mit großen Hollywoodstars besetzt. Ob The Greatest Beer Run Ever mit Zac Efron, Raymond & Ray mit Ethan Hawke und Ewan McGregor, Causeway mit Jennifer Lawrence oder zuletzt Spirited mit Ryan Reynolds und Will Ferrell, da gaben sich die Filmgrößen die Klinke in die Hand. Und das gilt dann auch für den letzten Film, der dieses Jahr ins Sortiment aufgenommen wird, wenn sich mit Will Smith der aktuelle Preisträger bei Oscars – bester Hauptdarsteller für King Richard – die Ehre gibt.

Doch so beeindruckend die Besetzungslisten auch sind, die andere Wahrheit ist die, dass die Filme sich meist nur im soliden Bereich ansiedeln und nicht die Aufmerksamkeit erzeugen, welche man sich bei Apple wohl erhofft hat. So soll das Unternehmen bei Emancipation 130 Millionen US-Dollar nur für die Vertriebsrechte ausgegeben haben in einem großen Bieterwettstreit, bei denen die bekannten Hollywoodstudios beteiligt waren. Die eigentliche Produktion dürfte ebenfalls nicht ganz günstig gewesen sein, ist der Survivalthriller doch richtig groß angelegt. Zusammen mit dem Thema, welches an das schlechte Gewissen der US-Amerikaner appelliert, wird deutlich: Emancipation schielt ganz ungeniert in Richtung Oscars. Aus jeder Einstellung ist der Wunsch nach Anerkennung zu spüren.

Spannend, aber oberflächlich

Etwas irritierend sind in dem Zusammenhang beispielsweise die betont kunstvollen Bilder mit den kräftig entsättigten Farben. Das mag auch aus dem Grund geschehen sein, um sich dem berühmten Foto des ausgepeitschten Pete anzunähern, das seinerzeit sinnbildlich für die US-amerikanische Barbarei stand und welches als Inspiration für den Film diente. Diese sind auch wirklich sehenswert, der dreifach mit einem Oscar ausgezeichnete Kameramann Robert Richardson (Hugo Cabret) beschert dem Publikum wundervolle Aufnahmen. Diese stehen jedoch in einem starken Kontrast zu den Grausamkeiten, die Regisseur Antoine Fuqua (The Equalizer) dem Publikum zumutet. Emancipation sollte gleichzeitig sehr realistisch und hohe Kunst sein, was in der Mischung etwas seltsam ist.

Hinzu kommt, dass der Film letztendlich nicht wirklich etwas zu sagen hat. So wird aus Peter nie wirklich ein Individuum. Trotz großen körperlichen Einsatzes von Will Smith ist seine Figur nie mehr als ein Symbol für die vielen Männer und Frauen, denen dieses Unrecht angetan wurde. Emancipation mag von dem Kampf berichten, ein vollwertiger, eigenständiger Mensch sein zu wollen, begnügt sich selbst aber mit Oberflächlichkeiten und Stereotypen. Wen das alles nicht interessiert, der findet hier einen Actionthriller, der trotz des Hangs zum Pathos genug Spannung erzeugt, um mehr als zwei Stunden dabeizubleiben. Die großen Hoffnungen, die man in dieses Projekt hatte, werden aber kaum erfüllt. Da hatten andere Sklavereigeschichten wie 12 Years a Slave oder The Railway Underground mehr zu bieten.

Credits

OT: „Emancipation“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Antoine Fuqua
Drehbuch: William N. Collage
Musik: Marcelo Zarvos
Kamera: Robert Richardson
Besetzung: Will Smith, Ben Foster, Charmaine Bingwa, Steven Ogg, Mustafa Shakir, Timothy Hutton

Bilder

Trailer

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Emancipation
fazit
„Emancipation“ will großes Kino sein, verheddert sich aber in einem Mix aus körperlicher Grausamkeit und visueller Kunstfertigkeit. Da die Geschichte um einen Sklaven, der in die Freiheit flieht, letztendlich kaum etwas zu sagen hat, ist das Ergebnis ein zwar spannender, letztendlich aber oberflächlicher Survivalthriller.
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