Die Toten vom Bodensee - Unter Wölfen TV Fernsehen ZDF Mediathek DVD
© ZDF/Patrick Pfeiffer

Die Toten vom Bodensee: Unter Wölfen

Die Toten vom Bodensee - Unter Wölfen TV Fernsehen ZDF Mediathek DVD
„Die Toten vom Bodensee: Unter Wölfen“ // Deutschland-Start: 7. November 2022 (ZDF) // 11. November 2022 (DVD)

Inhalt / Kritik

Es ist ein grausiger Anblick, der sich dem Forstarbeiter Oliver Schlösser (Robert Stadlober) da bietet: Ein Hobbyjäger ist in eine Wolfsfalle gestürzt und wurde dabei aufgespießt. Da jemand dabei offensichtlich nachgeholfen hat, machen sich Micha Oberländer (Matthias Koeberlin) und Hannah Zeiler (Nora Waldstätten) auf die Suche nach Spuren und möglichen Motiven. Erste Station ist die Pension von Melanie Bodenbach (Cornelia Gröschel), in der das Opfer zuvor übernachtet hatte. Zwar kann sie nicht wirklich viel zu ihm sagen, dafür zeigt ihr Sohn Timmy (Jeremy Miliker) großes Interesse an dem Mann – vor allem seinem Laptop. Aber auch dessen Großmutter Ruth (Elfriede Schüsseleder), der der Wald gehört, sowie der Tierschützer Pit Adams (Jonathan Lade), die sich beide für den Schutz eines Wolfes stark machen, könnten etwas mit der Sache zu tun haben …

Erfolgreich lustlos

Öfter mal was Neues, dachte man sich wohl bei Die Toten vom Bodensee, als das Kreativteam ausgetauscht wurde. Drehbuchautor Timo Berndt, der immerhin seit dem zweiten Teil gewesen war, verließ ebenso die seit 2014 ausgestrahlte ZDF-Krimireihe wie Regisseur Michael Schneider, der zuvor sechs Teile in Folge inszenierte. Im Hinblick auf die Einschaltquoten war der Wechsel nicht von Nachteil: Mehr als acht Millionen Menschen sahen Das zweite Gesicht, der erste Film der Neuen, das war nahe am Rekord. Qualitativ ließ der heimliche Neustart aber zu wünschen übrig. Anstatt die Chance zu ergreifen, vielleicht wieder etwas frischen Wind in den Dauerbrenner zu bringen, den dieser seit Jahren dringend bräuchte, begnügte man sich mit dem alten Rezept. Erzählerische Ambitionen? Fehlanzeige.

Das ist bei erfolgreichen Reihen zwar verständlich. Warum etwas ändern wollen, das gut läuft? Es ist aber insofern bedauerlich, da die Qualität der Filme mit den Jahren doch deutlich abgenommen hat. Was anfangs noch unterhaltsam war, auch wegen des Kontrastes innerhalb des Ermittlungsduos, wurde von Mal zu Mal langweiliger. Das hat auch mit dem Duo an sich zu tun. Die anfänglichen Reibungen sind passé. Aber auch die Annäherung, die während der ersten Teile allmählich stattfand und eine Freundschaft entstand, scheint vergessen. Die Toten vom Bodensee: Unter Wölfen ist in der Hinsicht erneut mehr als dürftig, wenn es keinerlei Chemie mehr zwischen den zwei Figuren gibt. Immer wieder hat man den Eindruck, dass da zwei Leute gemeinsam vor der Kamera stehen, die überhaupt keine Lust mehr auf das alles haben.

Stimmiges Ambiente, schwaches Drehbuch

Wobei es unfair wäre, die Schuld an der Misere allein Waldstätten und Koeberlin zuzuschieben. Schließlich sind die Drehbücher zu schlecht, als dass sie daraus gute Filme machen könnten. Selbst mit mehr Enthusiasmus wäre das bestenfalls Durchschnitt geworden. Die schwachen Figurenzeichnungen sind eines der Probleme, mit denen die Beteiligten zu kämpfen haben. Zeiler wird fast nur noch dadurch charakterisiert, dass ihre Beziehung zu Raphael Stadler (Christopher Schärf) kriselt. Das tut sie aber schon seit vielen Filmen. Bei Die Toten vom Bodensee: Unter Wölfen wird noch nicht einmal so getan, als gäbe es eine Entwicklung oder den Versuch einer solchen. Bei Oberländer gibt es wenigsten den Streit mit Tochter Luna (Fiona Katharina Neumeier). Interessant ist aber auch das nicht, weil da sehr forciert irgendwelche Konflikte heraufbeschworen werden, die sich nicht wirklich aus der Situation ergeben.

Eine Zeit lang wird das durch den Fall und das stimmungsvolle Ambiente überdeckt. Zwar ist diesmal der Bodensee nicht zu sehen, kurze Szenen auf dem Boot mal außen vor gelassen. Der Wald ist als Schauplatz aber ein mehr als würdiger Ersatz, wenn tief im Dunkeln irgendwelche Geheimnisse vergraben werden. Man ist auch ganz gut mit Rätseln beschäftigt, wenn das drei Menschen umfassende Drehbuchteam das Publikum in die unterschiedlichsten Richtungen lockt. Nur sind es am Ende dann doch zu viele, als dass sie zu einem vernünftigen Abschluss führen würden. Tatsächlich ergibt vieles in Die Toten vom Bodensee: Unter Wölfen schlichtweg keinen Sinn. Ob nun die Motivationen, die Ermittlung oder auch die Auflösung, da wollte offensichtlich niemand genauer nachdenken. Wer der Reihe nach wie vor die Treue hält, auch über die schwachen letzten Teile hinweg, wird vermutlich auch hierbei auf seine Koste kommen. Der Rest darf den Film getrost ignorieren.

Credits

OT: „Die Toten vom Bodensee: Unter Wölfen“
Land: Deutschland, Österreich
Jahr: 2022
Regie: Christian Theede
Drehbuch: Jeanet Pfizer, Frank Koopmann, Roland Heep
Musik: Chris Bremus
Kamera: Lukas Gnaiger
Besetzung: Nora Waldstätten, Matthias Koeberlin, Hary Prinz, Stefan Pohl, Christopher Schärf, Cornelia Gröschel, Robert Stadlober, Steve Windolf, Elfriede Schüsseleder, Jeremy Miliker, Jonathan Lade, Fiona Katharina Neumeier

Bilder

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Die Toten vom Bodensee: Unter Wölfen
fazit
„Die Toten vom Bodensee: Unter Wölfen“ führt die Fehler der Vorgänger fort, wenn die Figuren keine Entwicklung mehr mitmachen, es keine Chemie innerhalb des Duos gibt und auch der Fall zu wünschen übrig lässt. Anfangs macht der Krimi zwar noch Laune, auch wegen des stimmungsvollen Waldsettings, in dem ein Jäger ermordet wurde. Mit der Zeit wird das aber immer unsinniger.
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