After Yang Sky

After Yang

After Yang
„After Yang“ // Deutschland-Start: 31. Oktober 2022 (Sky)

Inhalt / Kritik

Bislang war das Leben von Jake (Colin Farrell) und Kyra Fleming (Jodie Turner-Smith) glücklich gewesen. Doch die Familie rutscht in eine Krise, als ihr Roboter Yang (Justin H. Min) kaputt geht, den sie für ihre chinesische Adoptivtochter Mika (Malea Emma Tjandrawidjaja) gekauft hatten und der als ihr Bruder dienen sollte. Aus Liebe zu seiner Tochter, die mit dem Verlust völlig überfordert ist, verspricht Jake, Yang reparieren zu lassen. Einfach ist das nicht, handelte es sich doch um ein älteres Modell, welches sie gebraucht gekauft hatten. Sein erster Besuch bei einem Reparaturladen endet dann auch ernüchternd. Davon will sich der Familienvater jedoch nicht abhalten lassen. Und so konsultiert er noch einige andere und stellt dabei fest, dass an dem Roboter mehr dran war, als er ahnte …

Die Suche nach dem Leben

Auch wenn das Science-Fiction-Genre natürlich gut ist für ein bisschen Eskapismus, wenn uns fantastische Abenteuer auf andere Gedanken bringen, so gibt es doch nicht wenige Beispiele dafür, wie das Futuristische uns die Gegenwart näherbringt oder zeitlose Themen anspricht. Ganz weit oben auf der Hitliste: Fragen zur Natur des Lebens. Genauer dienen immer wieder Filme und Serien, in denen künstliches Leben geschaffen wurde, als Denkanstoß für ganz existenzielle Auseinandersetzungen. Was bedeutet Leben eigentlich? Welchen Wert hat es? Ex Machina ist ein Beispiel für solche nachdenklicheren Ausflüge in die menschliche Zukunft. Ein weiteres ist After Yang, welches über ein Jahr nach der Premiere bei den Filmfestspielen von Cannes 2021 dank Sky nun auch den Weg zu uns findet.

Während der obige Titel jedoch ein Thriller ist, der diese Überlegungen mit der Erzeugung von Spannung verbindet, da ist der Film hier deutlich ruhiger. Brenzlige Situationen gibt es keine, ebenso wenig irgendwelche kleinen Psycho-Duelle. Tatsächlich wird in After Yang nicht einmal wirklich gestritten. Diskutiert wird zwar schon. Die Gespräche sind aber von gegenseitigem Respekt geprägt, von Neugierde und dem Wunsch nach Erkenntnis. Das einzige dringende Moment kommt durch die Tochter Mika hinzu, die darauf besteht, ihren älteren Bruder zurückzubekommen. Doch das ist für Regisseur und Drehbuchautor Kogonada (Pachinko: Ein einfaches Leben) nur der Anlass, diese Überlegungen anzustoßen. Die Frage, ob es gelingen wird, Yang wiederherzustellen, ist dabei sekundär.

Ruhiger Denkanstoß

Die meisten Fragen, die Kogonada dabei stellt, sind altbekannt. Er gibt auch keine Antworten, die man zuvor nicht schon woanders hat hören können. Die interessanteste Neuerung im Vergleich zu anderen Filmen aus dem Bereich ist, wie After Yang mit dem Thema Ethnizität umgeht. So ist der Vater ein Weißer, die Mutter dunkelhäutig, die Adoptivtochter chinesisch. Aus diesem Grund war auch Roboter Yang so programmiert, dass er als Chinese durchgeht und damit Mika bei ihrer Identitätssuche helfen sollte: Er sah asiatisch aus und wusste sehr viel über die chinesische Kultur. Die Durchmischung der verschiedenen Ethnien und Kulturen ist dabei weniger das Thema. Vielmehr wird die Frage gestellt, was es überhaupt heißt, chinesisch zu sein und wer das festlegt, gerade in einer Welt, bei der Grenzen zunehmend verschwinden und vieles nicht mehr wirklich greifbar ist.

Definitive Antworten sucht man dabei natürlich vergebens, After Yang ist mehr an Überlegungen als an Ergebnissen interessiert. Außerdem handelt es sich bei dem Drama um ein sehr ruhiges Werk, welches dialoglastig und bewusst repetitiv ist. Aber es ist eben auch ein interessantes Werk, über das man im Anschluss viel diskutieren kann. Gerade der Perspektivwechsel, wenn Jake sich im weiteren Verlauf die Erinnerungen des Roboters zu Gemüte führt, ist eine gute Idee, selbst wenn das alles noch etwas konsequenter hätte verfolgt werden können. Die Diskrepanz, dass Yang gleichzeitig Subjekt und Objekt ist, kommt etwas kurz, ebenso die Frage, ob es überhaupt möglich ist, die Welt aus anderen Augen zu sehen und das Fremde anzunehmen. Als meditativer Ausgangspunkt ist der Science-Fiction-Beitrag aber auf jeden Fall sehenswert.

Credits

OT: „After Yang“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Kogonada
Drehbuch: Kogonada
Vorlage: Alexander Weinstein
Musik: Aska Matsumiya, Ryuichi Sakamoto
Kamera: Benjamin Loeb
Besetzung: Colin Farrell, Jodie Turner-Smith, Justin H. Min, Malea Emma Tjandrawidjaja, Haley Lu Richardson

Trailer

Filmfeste

Cannes 2021
Sundance Film Festival 2022
Fantasy Filmfest 2022
Sitges 2022

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After Yang
Fazit
Wenn in „After Yang“ ein Mann den Roboter reparieren möchte, der als Bruder für seine Adoptivtochter diente, dann ist das ein interessantes Szenario. Damit verbunden sind altbekannte existenzielle Fragen zum Leben, aber auch solche zu Kultur und Identität. Antworten braucht man sich von dem sehr ruhigen und zum Teil repetitiven Science-Fiction-Drama nicht zu erhoffen.
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