Der Marathon Man
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Der Marathon-Mann

Der Marathon Man
„Der Marathon-Mann“ // Deutschland-Start: 31. März 1977 (Kino) // 2. Mai 2013 (DVD/Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Wenn er nicht gerade an seiner Dissertation über autoritäre Systeme und Tyrannei sitzt, verbringt der Student Thomas Levy (Dustin Hoffman) seine Freizeit im Central Park, wo er für seinen ersten Marathon trainiert. Als der Besuch von Thomas’ Bruder Henry (Roy Scheider) ansteht, ist die Freude groß, auch wenn den Studenten und den Geschäftsmann Welten trennen. Zudem hat sich aus der Zufallsbekanntschaft mit der Kommilitonin Elsa (Marthe Keller) eine für Thomas sehr ernst Beziehung ergeben, sodass er es nicht abwarten kann, seine Geliebte dem älteren Bruder vorzustellen. Das gemeinsame Abendessen in einem noblen Restaurant endet jedoch in einer Katastrophe, als sein Bruder am selben Abend ermordet wird.

Noch immer geschockt und in Trauer findet Babe heraus, dass Doc keinesfalls einen normalen Job hatte, sondern eine Art Spion war, auf den kürzlich bereits mehrere Anschläge verübt worden waren. Nun steht Thomas im Fadenkreuz der Leute, die seinen Bruder auf dem Gewissen haben und die vermuten, er habe Informationen, die ihm Doc kurz vor seinem Ableben noch mitteilen konnte. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen macht Babe dann auch die Bekanntschaft mit den Männern hinter dem Attentat, allen voran Dr. Szell (Laurence Olivier), einem geheimnisvollen Fremden, der nicht eher ruhen will, bevor er nicht weiß, was Doc seinem Bruder noch sagen konnte.

Eine gute Investition

Als 1974 mit Der Marathon Mann der zweite Thriller von Autor William Goldman veröffentlicht wurde, überschlugen sich nicht nur Kritiker mit Lob für die spannende Geschichte. Auch in Hollywood sah man schnell das Potenzial in dem Stoff. Produzent Robert Evans erklärte gar, es sei der beste Roman seit Der Pate, den er gelesen hatte. Die Regie wollte John Schlesinger übernehmen, der, wie er später hoffte, seinen kommerziellen Fehlschlag mit Der Tag der Heuschrecke vergessen zu machen. Entstanden ist ein Film, der bis heute zu den besten Thrillern der 1970er zählt, was zum einen an den großartigen Darstellern liegt und zum anderen an dem Bild einer Gesellschaft, in welcher die Machthierarchien nicht mehr zu überblicken sind und die Metapher des ewig Flüchtenden zu einem passenden Symbol für die Zeit wird.

Der Marathon-Mann reiht sich in die Reihe von Verschwörungsthrillern der 1970er ein, die Geschichte geht aber weit über diesen zeitlichen Rahmen hinaus. War New York in Schlesingers Asphaltcowboy noch eine Kloake und Ruine, wird die Metropole nun zu einem ganz anderen Feind für die Figuren. Es dominieren Dunkelheit und Paranoia. Nur die Flucht bleibt den Charakteren, sodass das Training der Hauptfigur wie eine Vorbereitung auf jenes Todesrennen anmutet, was schon bald über sein Leben entscheiden wird. Doch nicht nur der Protagonist, auch sein Bruder und der Antagonist, der düstere Dr. Szell, sind auf der Flucht in dieser Welt, in der sich das Blatt schnell wenden kann. Gleiches gilt für die Machtverhältnisse, in der das Leben eines Menschen nichts zählt, solange er sich als produktiv oder als vorteilhaft erweist. In diesem Zusammenhang gehen Schlesinger und Goldman, der auch das Drehbuch schrieb, noch einen Schritt weiter als Die Unbestechlichen (1976) und Zeuge einer Verschwörung, wenn es darum geht, eine glaubhafte Situation zu zeigen, in der sich eine alltägliche Situation oder eine Tragödie schnell zu einem Sturm entwickeln kann.

Dunkles Machtgefüge

In Der Marathon-Mann bekommen wir die dunklen Hinterhöfe und Seitengassen zu sehen, die abgedunkelten Räume, in denen ein paranoider, grausamer Arzt einer schrecklichen Prozedur folgt, die man als Zuschauer kaum ertragen kann. Seiner Möglichkeit der Flucht beraubt, wird Thomas zum Opfer einer unfassbaren Tortur, die größtenteils der Fantasie des Zuschauers überlassen wird und bei der das Mantra „Ist es sicher?“ wie eine Art Metrum ertönt, was die Verwirrung und die Angst des Hauptcharakters noch steigert. Immer wieder wiederholt Schlesinger diese Situation der Über- und Unterlegenheit, bei der sich die Machthierarchien verändern und in der ein Einzelner zu einem Spielball der Mächtigen wird. Dustin Hoffman gibt nach Die Reifeprüfung eine seiner besten Darstellungen ab als ein Mann, der sich in der Kontrolle über sein Leben vermutet, aber feststellen muss, wie schnell eben diese Instanz verloren gehen kann. Ihm gegenüber steht Laurence Olivier als Dr. Szell in einer seiner besten Rollen, eine wahre Inkarnation des Bösen, dessen unbehelligter Gang durch die Straßen New Yorks fast noch brutaler wirkt als jene grausame Zahnoperation.

Neben den Darstellern tragen zudem Conrad Halls Bilder und die Filmmusik von Michael Small zu der Wirkung dieses Films mit bei, der bis heute als Klassiker des Genres zählt.

Credits

OT: „Marathon Man“
Land: USA
Jahr: 1976
Regie: John Schlesinger
Drehbuch: William Goldman
Musik: Michael Small
Kamera: Conrad Hall
Besetzung: Dustin Hoffman, Laurence Olivier, Roy Scheider, William Devane, Mathe Keller

Trailer

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Der Marathon-Mann
Fazit
„Der Marathon-Mann“ ist eine Perle des Spannungskinos, dank seiner tollen Darsteller sowie seiner Inszenierung. John Schlesinger erzählt von dem Leben eines Menschen, der durch ein Missverständnis die Kontrolle über sein Leben verliert und nun zu einer Existenz auf der Flucht verdammt ist. Das Bild des Marathonläufers wird zu einer Metapher für den Einzelnen stilisiert, der um sein Leben entweder kämpfen muss oder über die nötige Ausdauer verfügen muss, um seinen Verfolgern zu entkommen.
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