Schule am Meer Frischer Wind TV Fernsehen ARD Das Erste Mediathek
© ARD Degeto/Uwe Ernst

Schule am Meer: Frischer Wind

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„Schule am Meer: Frischer Wind“ // Deutschland-Start: 20. Mai 2022 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Eigentlich liebt Katharina Henriks (Anja Kling) ihren Job als Direktorin einer Berufsschule an der Flensburger Förde, will den jungen Menschen unbedingt etwas für den weiteren Lebensweg mitgeben. Doch diese Arbeit wird zunehmend schwieriger. So droht Stadtrat Bernd Olsen (Oliver Sauer) wieder mit Kürzungen des Budgets, obwohl die Schule ohnehin schon mit knappen Mitteln zu kämpfen hat. Einen Ausweg gäbe es aber: Dessen Bruder Erik Olsen (Oliver Mommsen), der als Foodblogger und Globetrotter zahlreiche Fans hat, könnte doch als Gastdozent an der Schule arbeiten. Katharina, die Bernd noch von früher kennt, ist wenig von der Idee begeistert. Dabei streiten sie nicht nur über das Fachliche. Auch der Fall des Schülers Jonas Gerber (Junis Marlon) und seiner Freundin Cathleen Minich (Andrea Guo) sorgt für Verstimmungen …

Schicksalsort Berufsschule

Es gibt doch nichts, was es nicht gibt. Nachdem das öffentlich-rechtliche Fernsehen wohl alle möglichen Varianten von Arztpraxen und Anwaltskanzleien abgearbeitet hat, an denen sich menschliches Drama entspinnen kann, war man bei der der ARD wohl auf der Suche nach einem neuen Schauplatz. Bei Schule am Meer suchte man sich hierfür den einer Berufsschule. Die Idee ist interessant. Während es normale Schulgeschichten natürlich noch und nöcher gibt, sind Berufsschulen ein bislang weitgehend ignorierter Ort. Dabei haben sie neben den üblichen Coming-of-Age-Elementen noch den Aspekt des Handwerklichen bzw. einer beruflichen Orientierung, was durchaus ein Mehrgewinn mit viel Potenzial für die kommende Reihe ist.

Frischer Wind, der Auftakt dieser neuen Reihe, nutzt dieses Potenzial aber nur bedingt. Das in dem Film angesprochene Thema, inwiefern die Schule auf das Leben vorbereitet, ist natürlich ebenso wichtig wie spannend. Katharina und Bernd werden da als zwei komplette Gegensätze aufgebaut, wenn sie alles möglichst regelkonform und strukturiert angeht, er ist mehr der Typ Lebemann, der sich spontan seine Inspirationen sucht. Dieser Kontrast dürfte dann auch in den weiteren Folgen von Schule am Meer genutzt werden, die Reihe gibt sich da ganz klassisch. Auch eine weitere romantische Entwicklung dürfte sicher sein. So weit sind wir beim Auftakt aber noch nicht, dafür ist erst einmal das junge Paar zuständig, das mit eigenen Hindernissen zu kämpfen hat. Vor allem Cathleens Mutter Sonja (Johanna Gastdorf) ist mit der Verbindung wenig glücklich, was dem Film einen leichten Hauch von Romeo und Julia verleiht.

Zu viele Themen versucht

Diese Episodenhandlung stellt sich dabei als ziemlich gemischte Angelegenheit heraus. Etwas unerwartet bauen die Drehbuchautoren Uwe Kossmann und Markus Hoffmann an dieser Stelle das Thema psychische Krankheit rein, was weder mit dem Thema der Schule noch dem großen Konflikt zwischen den Weltanschauungen zu tun hat. Die Folge ist, dass sich Schule am Meer: Frischer Wind bei dem Versuch, das alles unter einen Hut zu bekommen, schon ziemlich überhebt. Erschwerend kommt hinzu, dass man offensichtlich der Meinung war, dass das Thema an sich noch nicht genug bieten würde, weshalb es zu bizarren Wendungen kommt, die den Film eher unfreiwillig komisch machen. Damit tat man sich und dem Publikum keinen Gefallen.

Das ist schade, weil das Setting und das Thema für deutlich mehr gut gewesen wären. Es fehlt ein wirklicher inhaltlicher Fokus. Es fehlt auch der Anknüpfungspunkt fürs Publikum, wenn die Geschichte auf einmal so eskaliert und sich zu sehr von den Alltagsfragen entfernt, die das Szenario eigentlich aufwirft. Insgesamt reicht das noch für einen durchschnittlichen TV-Film. Während viele Produktionen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens dort versumpfen, weil sie einfach nicht mehr Stoff zusammenbekommen, da war hier durchaus die Grundlage da, um Akzente zu setzen. Sollte aus Schule am Meer: Frischer Wind tatsächlich eine ganze Reihe werden, dann wäre es wünschenswert, noch einmal etwas mehr über alles nachzudenken, anstatt etwas derart Halbgares zu produzieren.

Credits

OT: „Schule am Meer: Frischer Wind“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Wolfgang Eißler
Buch: Uwe Kossmann, Markus Hoffmann
Musik: Daniel Hoffknecht
Kamera: Pascal Schmit
Besetzung: Anja Kling, Oliver Mommsen, Carsten Bjørnlund, Oliver Sauer, Yasmina Djaballah, Amira Demirkiran, Victoria Fleer, Vivien Mahler, Johanna Gastdorf, Achim Buch, Junis Marlon, Andrea Guo

Bilder

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Schule am Meer: Frischer Wind
Fazit
„Schule am Meer: Frischer Wind“ markiert den Auftakt einer neuen Filmreihe rund um eine Berufsschule. Das ist als Setting spannend, gerade auch als Treffpunkt unterschiedlicher Weltanschauungen. Das Ergebnis überzeugt jedoch weniger, da das Thema psychische Krankheit noch plump hineingestopft werden sollte.
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