Im Abgrund TV Fernsehen Das Erste ARD Mediathek
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Im Abgrund

Im Abgrund TV Fernsehen Das Erste ARD Mediathek
Im Abgrund“ // Deutschland-Start: 26. September 2020 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

15 Jahre saß der Kindermörder Joseph Maria Hagenow (Tobias Moretti) im Gefängnis. Offiziell hat er damit seine Strafe abgesessen und ist ein freier Mann. Der Polizist David Wallat (Peter Kurth) ist sich aber sicher, dass von ihm noch immer eine große Gefahr ausgeht. Und so beschließt er, ein Auge auf den Straftäter zu haben, der sich in einen kleinen Ort zurückzieht und bei dem hiesigen Dorfpastor Christoph Berkenbusch (Florian Stetter) einquartiert. Das Misstrauen scheint gerechtfertigt, als kurze Zeit später wieder ein kleiner Junge verschwindet. Während Wallat, der sich noch immer Vorwürfe macht, seinerzeit den Mord nicht verhindert zu haben, und seine Kollegin Lisa Kampe (Tinka Fürst) gleiche harte Saiten aufziehen wollen, pocht Eric Thuner (Simon Schwarz) auf die Dienstvorschriften. Doch die Zeit drängt …

Die Frage der Verhältnismäßigkeit

Wie weit darf man gehen, um ein Verbrechen zu verhindern? Das ist eine Frage, die in den letzten Jahren in Filmen immer wieder aufgeworfen wurde. Einige davon sorgten weltweit für Furore. Titel wie The Report, Der Mauretanier und Zero Dark Thirty veranschaulichten, wie das US-Militär systematisch und skrupellos jegliche Menschenrechte ausgesetzt hat, unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung. Man muss aber nicht unbedingt den Blick in Richtung der bösen Amis jenseits des großen Teiches werfen. Auch hierzulande werden zumindest im fiktionalen Bereich Grenzen überschritten, verbunden mit der Frage: Darf man das? Heiligt der Zweck die Mittel? Wie viel Leid ist gestattet, um ein anderes Leid zu verhindern?

Der ARD-Thriller Im Abgrund stellt diese Fragen, zumindest in Ansätzen. Im Mittelpunkt steht dabei zunächst ein Kindermörder und die Überlegung, ob dieser eine zweite Chance verdient hat oder nicht. Zu diesem Zweck stellt der Film zwei Menschentypen gegenüber, die einen maximalen Kontrast bilden. Auf der einen Seite sind die Polizisten, für die er bereits schuldig ist, noch bevor er etwas getan haben kann. Auf der anderen Seite haben wir den Pastor, der zwar mit sich ringt und alles andere als glücklich ist, den verurteilten Verbrecher bei sich aufzunehmen. Aber er vertraut auf seinen Glauben, der ihm vorgibt, dass jeder Mensch diese zweite Chance bekommen soll und es nicht an ihm liegt, ein Urteil zu fällen. Einfach ist das nicht. Aber er hält das für ebenso richtig, wie die Polizei ihre Schadensvermeidung um jeden Preis rechtfertigt.

Spannend, aber nicht konsequent ambivalent

Schon darüber ließe sich ausgiebig diskutieren, wenn es um Themen wie Vergebung, Schuld und Vorverurteilung geht. Drehbuchautor Arndt Stüwe (Wenn das fünfte Lichtlein brennt) begnügt sich aber nicht damit und lässt die Geschichte lieber noch etwas eskalieren, indem es zu einem weiteren Fall eines verschwundenen Jungen kommt. Auch das ist noch interessant, wenn dies zu Konflikten innerhalb der Polizei führt. Im Abgrund nimmt die Idee des Good Cop und Bad Cop und treibt diese auf die Spitze. Tatsächlich werden Wallat und Kampe zu derart widerlichen und selbstgerechten „Gesetzeshütern“, dass man sich als Zuschauer und Zuschauerin plötzlich nicht mehr sicher ist: Für wen soll ich hier eigentlich sein? Zumal der Film lange offen lässt, ob Hagenow denn nun der Täter ist oder nicht.

Leider gelingt es jedoch nicht, diese Ambivalenz tatsächlich bis zum Schluss aufrechtzuerhalten, weshalb die Diskussionen vorzeitig wieder erstickt werden. Gerade zum Ende hin macht es sich der Film schon sehr einfach. Doch auch wenn Im Abgrund inhaltlich nicht der ganz große Wurf ist und das Thema nicht genügend abarbeitet, spannend ist der Thriller schon. Und natürlich ist er sehr gut besetzt: Mit Peter Kurth (Nebenan) und Tobias Moretti (Das Haus) stehen sich zwei schauspielerische Schwergewichte gegenüber, die das Duell zwischen Polizist und Verbrecher mit einer ungeheuren Intensität verkörpern. Man will hier nicht nur wissen, wie sehr sich die „gute“ Seite in seinem Kampf hineinsteigert, sondern auch wie dieses ungleiche Duell ausgehen wird.

Credits

OT: „Im Abgrund“
Land: Deutschland
Jahr: 2020
Regie: Stefan Bühling
Drehbuch: Arndt Stüwe
Musik: Leonard Petersen
Kamera: Marco Uggiano
Besetzung: Peter Kurth, Tobias Moretti, Tinka Fürst, Simon Schwarz, Florian Stetter, Jessica McIntyre, Odine Johne, Jan Krauter

Bilder

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Im Abgrund
Fazit
Wie weit darf ich gehen, wenn ich ein Verbrechen verhindern will? „Im Abgrund“ stellt kontroverse Fragen, wenn skrupellose Polizisten auf einen skrupellosen Kindermörder treffen. Leider fehlt in der Konsequenz aber der Mut, weswegen der Thriller zwar spannend und sehr gut gespielt ist, inhaltlich jedoch nicht so ganz überzeugt.
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von 10