Girl Gang 2022
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Girl Gang

Inhalt / Kritik

In einer medial aufgeblasenen Welt, in der die verschiedensten Marken vermehrt mit sogenannten Influencer*innen ihre Produkte bewerben und junge Menschen durch Instagram und Co. ihren Lebensunterhalt verdienen können, folgt die Dokumentation Girl Gang der Regisseurin Susanne Regina Meures (Saudi Runaway) vier Jahre lang der jungen Influencerin Leonie. Diese ist zu Beginn 14 Jahre alt, hat knapp 600.000 Follower auf Instagram und wird von ihren Eltern Andreas und Sani beraten und unterstützt. Dass bei dem Schein, der dabei nach außen getragen wird, hinter den Kulissen nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen ist, wird in den knapp 90 Minuten mehr als deutlich. Leonie steht unter gewaltigem Druck und auch auf der Seite der Fans sorgen soziale Medien immer wieder für realitätsfernes Wunschdenken bis hin zur Hysterie.

Druck und Reichtum

Girl Gang beleuchtet die Thematik mit all seinen Problematiken auf drei verschiedene Arten und Weisen. So geht es primär zunächst einmal um die junge Leonie, die so gut wie den gesamten Tag mit ihrem Smartphone beschäftigt zu sein scheint. So werden Fotos gepostet, Videos gedreht und wenn es einmal nicht um den eigenen Account geht, werden andere Influencer*innen bei der Arbeit beobachtet. Dass Leonie dabei eigentlich nur ein normales junges Mädchen ist, das gerne Quatsch mit seinen Eltern macht, wird zwar in der Dokumentation ersichtlich, bleibt allerdings für ihre Fans im Verborgenen. Immer wieder wird deutlich, dass Leonie ein gewisses Gesicht aufsetzt, sobald sie gefilmt wird. Geht die Kamera dann wieder aus, sinken die Mundwinkel wieder herab und es entsteht der Eindruck fehlender Authentizität bei ihrem Internetauftritt.

Das junge Mädchen steht unter immensem Druck. Diesen macht sie sich zum einen selbst, da sie auch nach eigenen Aussagen ihre Fans nicht enttäuschen möchte. Zum anderen kommt der Druck seitens ihrer Eltern, die zeitgleich auch den zweiten Aspekt der von Girl Gang beleuchteten Thematik markieren. Andreas und Sani fungieren als Manager und organisieren eigentlich Leonies gesamte Arbeit. Dass sie so ihre Tochter vor geldgierigen Beratern schützen wollen, klingt zunächst edel, stellt sich dann allerdings nach kurzer Zeit als zweischneidiges Schwert heraus. Die Beiden sind extrem dahinter, Leonie zu neuen Postings und Produktplatzierung zu motivieren, was in einigen Äußerungen schon alarmierende Züge annimmt. So werden Werbepartner nicht anhand ihrer Kompatibilität mit Leonies Content ausgesucht, sondern anhand der Summe, die gezahlt wird. Solange Geld verdient werden kann, wird die Vereinbarung also schon ihren Zweck erfüllen.

Das wirft schnell die Frage auf, woher dieser Antrieb kommt. Wie können Eltern ihr eigenes Kind so sehr instrumentalisieren, ohne darauf zu achten, wie sich das auf dessen Psyche und soziales Leben auswirkt? Ein Blick auf die Reichweite, die Leonies Eltern mittlerweile auf ihren eigenen Kanälen angehäuft haben, lässt dabei eine einfache Antwort vermuten – Geld und Publicity. Problematisch wird das vor allem dann, wenn Andreas seine, auf der Popularität seiner Tochter aufgebaute Reichweite dazu nutz, politische Meinungsmache zu betreiben.

Glorifizierung und Hass

Der dritte Aspekt des Influencertums wird mit der 13-jährigen Melanie beleuchtet. Sie ist ein großer Fan von Leonie und betreibt mehrere Instagram-Seiten über die Influencerin aus Berlin. Melanie imaginiert eine große Freundschaft zu Leonie und ist immer wieder den Tränen und der Verzweiflung nahe, wenn sie ein Fantreffen bei ihr in der Nähe verpasst. Genau wie Melanie treibt der Wunsch nach dem perfekten Leben, welches meist nur nach außen hin existiert, tausende junge Mädchen und Jungen in die realitätsfremde Welt der sozialen Medien.

Neben dieser blinden Glorifizierung existiert natürlich auch der Hass im Netz. Diesem sind Leonie und Melanie, sowie die Eltern gleichermaßen ausgesetzt. Zwar löscht Sani heftige Kommentare, bevor ihre Tochter diese zu Gesicht bekommt, gänzlich vor dem Hass kann sie Leonie allerdings nicht beschützen. Inwiefern das junge Mädchen mit der Wut und den Beleidigungen umgeht, fällt in der Dokumentation allerdings etwas hinten runter und hätte durchaus noch näher beleuchtet werden können.

Credits

OT: „Girl Gang“
Land: Schweiz
Jahr: 2022
Regie: Susanne Regina Meures
Musik: Berlin Girls Choir

Bilder

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Girl Gang
Fazit
Leonie ist Influencerin und verbringt ihren gesamten Tag fast durchgehend am Handy. „Girl Gang“ erzählt dabei von der Liebe, sowie dem Hass, der ihr entgegenkommt und auch von den Eltern, die sich am Ruhm ihrer Tochter beteiligen wollen. Das ist extrem spannend und hinterlässt nach gut 90 Minuten ein sehr ungutes Gefühl über die mediale Welt, in der wir leben.
Leserwertung41 Bewertungen
4.1