Marry Me – Verheiratet auf den ersten Blick
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Marry Me – Verheiratet auf den ersten Blick

Inhalt / Kritik

Marry Me Verheiratet auf den ersten Blick
„Marry Me – Verheiratet auf den ersten Blick“ // Deutschland-Start: 10. Februar 2022 (Kino) // 28. April 2022 (DVD/Blu-ray)

Kat Valdez (Jennifer Lopez) und Bastian (Maluma) sind ein Superstar-Traumpaar: beide enorm erfolgreiche Popstars mit Hitsingles, ausverkauften Konzerten und Millionen von Fans und Social-Media-Followern, die sie an ihrem Leben teilhaben lassen. Während eines gemeinsamen Konzerts wollen die beiden sich das Ja-Wort geben und ihre Fans auf der ganzen Welt die Trauung per Livestream mitverfolgen lassen. Unter den Zuschauern in der Arena ist auch Charlie Gilbert (Owen Wilson), ein geschiedener Mathelehrer, der bis vor wenigen Stunden noch nie von Kat und Bastian gehört hat und von seiner Kollegin Parker (Sarah Silverman) und seiner Tochter Lou (Chloe Coleman) mit auf das Konzert geschleppt wurde. Als Kat (und mit ihr die ganze Welt) nur wenige Sekunden vor der Trauung erfährt, dass ihr Bräutigam sie mit ihrer Assistentin betrogen hat, beschließt sie in einer Kurzschlusshandlung, statt Bastian einfach irgendeinen Fremden zu heiraten. Ihre Wahl fällt auf den im Publikum stehenden Charlie, der gar nicht weiß, wie ihm geschieht. Auf die Bühne geschubst, steht der unscheinbare Charlie plötzlich einem Superstar gegenüber und die beiden werden vor den Augen der ganzen Welt verheiratet.

Bescheuert und missglückt

Das klingt bescheuert? Kurz gesagt: ist es auch. Klar, romantische Komödien sollen nicht realistisch oder lebensnah sein. Außerdem ist ihr Aufbau oft formelhaft und vorhersehbar. Dennoch zeichnen sich gute Vertreter des Genres durch liebenswerte, dreidimensionale Charaktere aus. Vor allem zwischen den beiden Hauptfiguren sollte dabei natürlich die Chemie stimmen. Weiterhin sind trotz aller Formelhaftigkeit kreative Handlungselemente, witzige Dialoge und generell Humor ein wichtiger Bestandteil von guten romantischen Komödien. Marry Me hat fast nichts von alldem.

In den ersten Minuten ist allerdings durchaus noch das Potential für einen besseren Film enthalten, zumindest wenn man noch nichts über die Handlung weiß und den Trailer nicht gesehen hat, der den oben zusammengefassten Inhalt natürlich preisgibt. Denn dann könnte man glatt meinen, eine an Notting Hill erinnernde Liebegeschichte zwischen einem weltberühmten Superstar und einem Normalo vorgesetzt zu bekommen. Schließlich wäre es zumindest denkbar, dass Kat nach der Demütigung durch die im letzten Moment abgeblasene Hochzeit allein und verzweifelt durch die Straßen läuft und dabei auf den etwas biederen, aber einfühlsamen Charlie trifft. Aber die Drehbuchautoren hielten es anscheinend wirklich für eine gute Idee, dass Kat Charlie aus der Menge herausgreift, dieser auf die Bühne stolpert und beide „ja“ sagen.

Kein Sinn, aber Musik

In gewisser Weise ist Marry Me ein Film der verschenkten Möglichkeiten. Neben dem eben geschilderten Alternativszenario wäre als zweites ja auch noch denkbar (und viel glaubhafter) gewesen, dass Charlie „nein“ sagt, er und Kat sich aber trotzdem zueinander hingezogen fühlen und sich im weiteren Verlauf des Films aneinander annähern. Oder, dass alles von vornherein abgesprochen und nur ein großer PR-Gag war. Stattdessen nimmt der Film aber die nicht einmal im Ansatz glaubhafte Idee von Kats aus Frust und Enttäuschung geborenen Spontanheirat mit irgendeinem Zufallstypen und versucht zwanghaft, dieses Szenario irgendwie plausibel weiter zu führen. Das funktioniert schlicht nicht. Weder Jennifer Lopez’ Monolog über das Wesen der Liebe, kurz bevor sie Charlie auswählt, noch Kats nach der Heirat getroffene Entscheidung, die Ehe zumindest für einige Monate durchzuziehen, können daran etwas ändern.

Statt einer wenigstens halbwegs unterhaltsamen und lustigen Komödie bekommt man hier eine teilweise zum Fremdschämen schlechte Aneinanderreihung einfallsloser und vollkommen formelhafter Szenen. Formelhaft ist der ganze Film auch in der Hinsicht, dass er nur wie ein locker um ein paar neue Songs von Jennifer Lopez und Maluma herum gebautes Storygerüst wirkt. Die Musik ist dann auch einer der ganz wenigen Pluspunkte des Films (jedenfalls, wenn man auf Latin-Pop steht). Andererseits hätte man auch daraus viel mehr herausholen können. So greift Kat etwa in einer Szene bei einer Schulveranstaltung spontan zum Mikrofon und lässt sich von einem verdutzten Musiklehrer auf der Gitarre begleiten. Leider klingt der dargebotene Song aber ganz genauso nach überproduziertem Playback, wie es in allen anderen Musikszenen der Fall ist. Die Chance auf eine realistisch wirkende, emotionale Musikszene mit einer intimen Acoustic-Performance wird vollkommen vertan.

Ein Paar ohne Chemie

Lopez und Wilson spielen ihre platten Figuren für sich genommen jeweils zumindest okay. Leider ist zwischen ihnen aber keinerlei Knistern zu spüren und es ist niemals nachvollziehbar, warum sie sich zueinander hingezogen fühlen. Die Dialoge sind nie spritzig und einfallsreich. Stattdessen werden darin banale Lebensweisheiten verbreitet, die höchstens in einem besseren Film charmant wären. Sarah Silverman und John Bradley (Game of Thrones) bleiben mit ihren Nebenrollen von allen Figuren noch am besten in Erinnerung, retten können sie den Film aber natürlich auch nicht. Marry Me wirkt zu keinem Zeitpunkt wirklich echt und ist nie wirklich witzig. Das Genre der romantischen Komödie schwächelt ja schon seit einigen Jahren gewaltig. Aber ein einfallsloser Musik-Werbefilm wie dieser kann ganz bestimmt nicht die Lösung für die Krise sein.

Credits

OT: „Marry Me“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Kat Coiro
Drehbuch: Harper Dill, John Rogers, Tami Sagher
Musik: John Debney
Kamera: Florian Ballhaus
Besetzung: Jennifer Lopez, Owen Wilson, Sarah Silverman, John Bradley, Maluma, Chloe Coleman

Bilder

Trailer

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Marry Me – Verheiratet auf den ersten Blick
Fazit
Hier stimmt fast gar nichts. Platte Dialoge, eine extrem vorhersehbare Handlung, und langweilige Figuren machen „Marry Me“ zum Rohrkrepierer. Ein paar glamourös inszenierte Gesangs-Performances ergeben noch lange keinen unterhaltsamen Film.
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