Happy Times - Ein blutiges Fest
© Meteor Film

Happy Times – Ein blutiges Fest

Happy Times
„Happy Times – Ein blutiges Fest“ // Deutschland-Start: 9. Oktober 2020 (DVD/Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Wenn Sigal (Liraz Chamami) und Yossi (Ido Mor) zu einem Dinner einladen, wird an nichts gespart. Schließlich soll die ganze Welt sehen, wie weit es das ursprünglich aus Israel stammende Paar gebracht hat. Da darf dann schon ein wenig dicker aufgetragen werden. Aber nicht alle Gäste wissen das zu schätzen. Im Gegenteil: Da sind nicht wenige dabei, welche die beiden für ihre Protzigkeit verachten. Aber auch untereinander halten sich die Sympathien eher in Grenzen. Immer wieder kommt es zu kleinen Sticheleien oder Vorwürfen, man ist sich in vielerlei Hinsicht nicht einig. Und das ist nur der Anfang eines Abends, bei dem ein Wort das andere ergibt und bei dem so manche Verletzung dauerhaft sein wird …

Wenn aus Spaß Todernst wird

Es ist ein Szenario, wie es in Filmen immer wieder gern angewendet wird: Menschen kommen in einem an und für sich freundlichen Ambiente zusammen, unterhalten sich angeregt. Doch diese Auseinandersetzung wird mit der Zeit immer härter, die Ereignisse eskalieren, bis sich jeder gegenseitig an die Gurgel geht und jede Fassade des Zivilisierten in Stücke gerissen wird. Das mit der Gurgel kann im übertragenen Sinne sein, wie es etwa bei The Party der Fall war, wo sich die Leute verbal einiges an den Kopf warfen. Der Fall Happy Times – Ein blutiges Fest zeigt aber auf, dass dies auch durchaus physischer Natur sein kann. Der deutsche Untertitel verrät es bereits: Bei diesem Fest geht es ans Eingemachte, nicht jeder kommt am Ende mit seinem Leben davon.

Bis es so weit ist, dass man sich gegenseitig nicht nur den Tod wünscht, sondern diesen auch selbst herbeifügen will, dauert es jedoch. Man begnügt sich eine ganze Weile nur mit Worten. Sonderlich zurückhalten ist man dabei aber nicht. Regisseur und Co-Autor Michael Mayer schaltet recht schnell in den Angriffsmodus. Dabei ist praktisch jeder Freiwild, der den Fehler machte, sich in das protzige Anwesen zu begeben. Tatsächlich zeigen die Leute so wenig Zurückhaltung, dass die Frage gestattet sein muss: Warum treffen sich die überhaupt, wenn es so offensichtlich ist, dass niemand mit niemand kann? Aus gutem Grund auch. Die Zuschauer und Zuschauerinnen werden sich in Happy Times – Ein blutiges Fest schwer damit tun, auch nur eine einzige Figur zu finden, der man die Daumen drücken möchte.

Beliebiges Gemetzel

Das kann man grundsätzlich natürlich schon machen. Im Hinblick auf die Spannung ist das jedoch etwas unglücklich. Anders als etwas bei Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot oder Why Don’t You Just Die!, ebenfalls blutigen Horrorkomödien, gibt es wenig Anlass, mit jemandem mitfiebern zu wollen. Wenn man alle Figuren gleichermaßen abscheulich findet, spielt es auch schon keine Rolle mehr, wer denn nun von diesen vorzeitig den Löffel abgibt. Ein weiteres Problem ist, dass bei Happy Times – Ein blutiges Fest einfach zu viele Leute gleichzeitig herumwuseln, was das Geschehen recht unübersichtlich macht. Klar, zum Teil gehört das bei solchen Filmen dazu, welche das Chaos zelebrieren. Aber es trägt doch dazu bei, dass das alles recht beliebig wirkt, zumal nichts richtig vorbereitet wird. Irgendwann wird gemetzelt, ohne dass immer nachzuvollziehen wäre, warum da was im Einzelnen geschieht.

Das heißt nicht, dass man mit Happy Times – Ein blutiges Fest nicht seinen Spaß haben kann. So ist es beispielsweise bemerkenswert, was in dem Haus plötzlich alles zu Waffen umfunktioniert wird. Da wird dann irgendwann einfach genommen, was so da ist. Wer sich an Kunstblut erfreut, bekommt ohnehin einiges an Anschauungsmaterial geboten. So richtig zünden tut das aber nicht. Obwohl hier eigentlich unentwegt ausgeteilt wird und die unterschiedlichsten Themen auf den Tisch kommen, ist die israelisch-amerikanische Coproduktion recht nichtssagend und ohne rechten Biss. Während im Hinblick auf die Körperlichkeit einiges aufgefahren wird, ist der satirische Anteil unerheblich. Mayer macht einfach zu wenig daraus, wenn die Maske der Zivilisation fallen gelassen wird. Stattdessen gibt es einen Humor, der ebenso grob ist wie die Handlungen.

Credits

OT: „Happy Times“
Land: Israel, USA
Jahr: 2019
Regie: Michael Mayer
Drehbuch: Michael Mayer, Guy Ayal
Musik: Guy Ayal
Kamera: Ziv Berkovich
Besetzung: Shani Atias, Michael Aloni, Stéfi Celma, Iris Bahr, Liraz Chamami, Sophia Santi, Kevin Thoms, Rigo Obezo, Guy Adler, Emile Gerard, Mike Burstyn, Daniel Lavid, Ido Mor, Alon Pdut

Bilder

Trailer

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Happy Times – Ein blutiges Fest
Fazit
Was in „Happy Times – Ein blutiges Fest“ als freundschaftliches Dinner beginnt, wandelt sich bald in einen Kampf auf Leben und Tod. Das bedeutet zwar einen hohen Body Count, ist inhaltlich dennoch harmlos und beliebig. Die satirischen Spitzen machen einem recht groben Humor Platz. Vor allem kann es einem hier ziemlich egal sein, wen es nun erwischt.
Leserwertung0 Bewertungen
0
5
von 10