Vanessa Estelle Williams ist eine US-amerikanische Schauspielerin und Produzentin. Ihre ersten Rollen hatte sie in Fernsehshows wie Law & Order und The Cosby Show. Darüber hinaus wurde Williams durch ihre Mitwirkung an Serien wie Soul Food einem großen Publikum in ihrer Heimat bekannt und wurde mit zwei NAACP Image Preisen geehrt.

Neben ihren Rollen in Serien wurde Williams auch durch ihre Mitwirkung an zahlreichen Filmproduktionen bekannt. Bereits ihre erste Kinorolle war in Mario Van Peebles’ New Jack City, einem Film über die Bandenkriminalität in New York City, der mittlerweile als eine Art Kultfilm der 90er gehandelt wird. Nur ein Jahr später trat sie in der Rolle der Anne-Marie McCoy in Bernard Roses Candymans Fluch auf, einer Verfilmung einer Kurzgeschichte von Clive Barker (Hellraiser). In der mehrmals wegen der Pandemie verschobenen Fortsetzung Candyman (2021) tritt sie abermals in ihrer alten Rolle auf, dieses Mal unter der Regie von Nia DaCosta.

Anlässlich des Heimkinostarts von Candyman am 6. Januar 2022 auf DVD und Blu-ray sprechen wir mit Vanessa Estelle Williams über die Rolle, die Aktualität der Geschichte und die Dreharbeiten.

Wie war es, den ersten Candyman das erste Mal mit einem Publikum zu sehen? Und wie war es bei der aktuellen Version?

Beide Erfahrungen sind in meinen Augen sehr besonders. Als ich Bernard Roses Candyman zum ersten Mal im Kino sah, war dies der Moment, der mich in Hollywood, im Filmgeschäft ankommen ließ. Aufgrund der Reaktionen auf den Film und auf meine Rolle, beschloss ich schließlich, ganz nach Los Angeles zu ziehen und was zunächst nur eine Stippvisite war, wurde so etwas sehr viel Längeres. Als ich so viele Jahre später die Rolle noch einmal spielen durfte, dieses Mal mit sehr viel mehr Schauspiel- und Lebenserfahrung, war es mindestens genauso wunderbar für mich. Man gab mir die Gelegenheit in einem Film mitzuspielen, der für seine Zeit genauso aktuell relevant von der Thematik her war wie das Original in den 90ern. Darüber hinaus war es auch spannend mit Nia DaCosta eine afroamerikanische Regisseurin hinter der Kamera zu wissen, die diese Geschichte, diese Fortsetzung des ersten Candyman erzählen würde.

In Dokumentationen wie Horror Noire: A History of Black Horror wird von der Relevanz eines Filmes wie Candymans Fluch für das afroamerikanische Kino gesprochen. Als jemand, der sowohl im ersten Teil wie auch der aktuellen Fortsetzung mitgespielt hat, kannst du etwas zu diesem Thema sagen?

Wenn du oder jemand, der das Interview liest, sich für diese Thematik interessiert, kann ich schon einmal die Gelegenheit nutzen, um Werbung für den Heimkinostart von Candyman zu machen. Auf der DVD wie auch der Blu-ray sind einige Featurettes enthalten, die sich mit der Relevanz des Filmes für das afroamerikanische Kino befassen und in denen neben den Schauspielern, der Regisseurin und den Produzenten auch afroamerikanische Professoren und Autoren zu Wort kommen. Es geht um Aspekte wie Polizeigewalt und die Perspektive des Filmes, welche eben nicht nur eine afroamerikanische ist, sondern auch die einer Regisseurin. Das ist etwas sehr Besonderes, denn so wird das Trauma, welches im Film aufgriffen wird, in einen passenden Kontext gebracht und kann Grundlage für weitere Diskussionen sein.

Jordan Peele, der Regisseur von Get Out und Produzent von Candyman, ist ein Wegbereiter nicht nur für attraktives, modernes Genrekino, sondern auch für die Möglichkeit des Genrefilms, aktuelle Themen aufzugreifen oder eine Diskussion, wie die über Alltagsrassismus, loszutreten. Inwiefern glaubt du, dass speziell dem Horrorgenre in diesem Kontext eine besondere Rolle zukommt?

Ich denke schon. Genrekino hat die Möglichkeit, eine breite Masse anzusprechen und damit auf Aspekte unseres Lebens aufmerksam zu machen, die einem ansonsten verschlossen bleiben. Speziell junge Leute, die noch nicht das Vorwissen haben, wenn es um afroamerikanische Geschichte geht, werden vielleicht etwas aufmerksamer und wollen mehr erfahren über das, was sie gerade gesehen haben. Für mich persönlich gibt es in diesem neuen Candyman nicht Gruseligeres als jenen Teil, der sich mit jener Gewalt befasst, die ich aus meiner Kindheit und Jugend kenne und die nun auch leider meine Kinder kennenlernen. Er zeigt Rassismus und Gewalt als tägliche Begleiter vieler Afroamerikaner, gerade in sozial benachteiligten Gebieten der USA, und das ironischerweise als eine Art Nachhall zu einer Präsidentschaft, welche diese Probleme keinesfalls beseitigt, sondern nur noch verstärkt hat. Horror kann eine Diskussion starten oder wieder in den Gang bringen, und dem Zuschauer etwas auf den Weg mitgeben, um an dieser teilzuhaben.

Gibt es in dem neuen Candyman eine Szene, die du besonders magst und die du schon beim Lesen des Drehbuchs mochtest?

Ich bin eigentlich niemand, der sich gerne Horrorfilme ansieht, weil ich mich leicht erschrecke und mich die Bilder mitunter sehr beunruhigen. Mich interessierte, wie die Geschichte meiner Figur aus Candymans Fluch weitergeht, wie sie lebt und das, was sie damals mitgemacht hat, verarbeitet hat. Zudem fand ich es spannend nach Cabrini Green zurückzukehren, jenem Wohnblock, in dem das Original spielt, und zu sehen, wie dieser Ort in den 2020er Jahren aussieht. Darüber hinaus fand ich die Verwandlung von Anthony, gespielt von Yahya Abdul-Mateen II, interessant, vor allem die Szene, wenn er mit seiner Mutter, also mit meiner Figur, spricht. Dabei scheint es nur so, als wüsste sie nicht, was vorgeht, doch eigentlich ahnt sie es. Dieser Horror einer Mutter, die etwas sieht, was sie nicht mehr aufhalten kann, war sehr intensiv zu sehen und zu spielen.

Vielen Dank für das tolle Gespräch.



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