Während du schliefst While You Were Sleeping
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Während du schliefst

Inhalt / Kritik

Während du schliefst While You Were Sleeping
„Während du schliefst“ // Deutschland-Start: 27. Juli 1995 (Kino) // 13. Mai 2004 (DVD)

So richtig aufregend ist das Leben von Lucy (Sandra Bullock) nicht gerade. Ihr Geld verdient sie damit, tagtäglich bei der Bahn Tickets zu verkaufen. Privat verbringt sie ihre Zeit vor allem mit ihrer Katze. Einziger Lichtblick in dem grauen Alltag ist der Berufspendler Peter (Peter Gallagher), den sie anhimmelt, ohne dabei jemals ein Wort mit ihm gewechselt zu haben. Als ausgerechnet dieser auf die Gleise gestoßen wird, eilt sie ihm schnell zur Hilfe und wird anschließend als Heldin gefeiert. Davon bekommt Peter jedoch wenig mit, da er seither im Koma liegt, was sie nicht davon abhält, ihn im Krankenhaus zu besuchen. Durch ein Missverständnis wird Lucy dort für seine Verlobte gehalten, was dessen Familie gleichermaßen verwundert und entzückt. Während sie noch nach einem Weg sucht, dieses Missverständnis aufzuklären, läuft sie Peters Bruder Jack (Bill Pullman) über den Weg, der ihr mit gemischten Gefühlen gegenüber steht …

Eine unerwartete Liebesheldin

Mitte der 1990er katapultierte sich Sandra Bullock quasi aus dem Stand in die oberste Etage Hollywoods. Das gelang ihr vorrangig mit einer Reihe von Actionfilmen und Thrillern, die in kurzer Folge erschienen und große Erfolge feierten. Sowohl Demolition Man (1993) wie auch Speed (1994) und Das Netz (1995) spielten seinerzeit jede Menge Geld ein. Zwischen den düsteren Werken, in denen sie sich als Powerfrau inszenieren durfte, findet sich mit Während du schliefst aber auch ein Film, der für ihre damalige Karriere noch untypisch war. Bullock als schüchterne Träumerin, die nichts auf die Reihe bekommt? Die schon an der Aufgabe scheitert, mit anderen ein Gespräch anzufangen? Das war eine ziemliche Abkehr ihres sich langsam etablierenden Images. Aber es war eine Abkehr, die sich für alle auszahlte.

Tatsächlich überzeugt die US-Schauspielerin nicht nur in der Rolle der zufälligen Liebesheldin. Sie ist sogar einer der maßgeblichen Faktoren, wofür man sich Während du schliefst anschauen kann. Die Stelle, an der sich Lucy derart unter Wert verkauft, wenn sie sich mit imaginären Models verkauft, ist zwar gelinde gesagt dreist. Bei Hollywood müssen selbst die unscheinbaren Leute schön sein, was in der Geschichte einfach nicht funktioniert. Bei der eigentlichen Darstellung ihrer Figur überzeugt Bullock jedoch. Sie demonstriert einen verhuschten Frauentyp mit gutem Herzen, der allen etwas Gutes tun will. Das ist sympathisch, wenn auch nicht übermäßig komplex. Eine Mischung aus Samariterin und Damsel in Distress, der man die Daumen drücken soll und will.

Märchenhaft-charmante Harmlosigkeit

Sonderlich progressiv ist das nicht, was bei einer Mainstream-Liebeskomödie Mitte der 90er aber auch nicht zu erwarten war. Die Geschichte selbst war schon seinerzeit nichts Besonderes: Während du schliefst versucht nicht einmal, sich von den starren Formeln dieses Genres zu lösen. Hier wird das herkömmliche Liebesdreieck, wenn eine Frau zwischen zwei Männern steht, mit einer Verwechslungskomödie kombiniert. Dass diese Scharade nicht dauerhaft durchgehalten werden kann, ist klar. Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen, die auf solchen Prinzipien basieren, wird dies jedoch nicht zu einer künstlichen Dramatisierung genutzt. Hier gibt es keine künstlich erzeugten Konflikte, die eingeführt werden, damit eine besonders süßliche Versöhnung gibt. Man behält lieber den freundlichen Ton bei.

Insgesamt hat Jon Turteltaub (Meg) mit seiner Erfolgskomödie einen betont harmlosen Film vorgelegt, der mit seiner märchenhaften Stimmung sein Publikum verzaubern will. Der Kopf hat bei Während du schliefst Sendepause, nur das Herz hat Relevanz. Dazu werden vereinzelt die Lachmuskeln in Beschlag genommen. Nicht jeder Gag zündet, einiges ist schon eher plump. Aber es reicht in der Summe. Wer sich darauf einlassen kann, dass hier von Anfang bis Ende alles gnadenlos konstruiert wird, es dafür aber Defizite bei der Figurenzeichnung gibt – Peters Familie ist sehr herzlich, aber ohne echte Persönlichkeit –, der kann sich hier ein bisschen selbst der Träumerei und Schwärmerei hingeben. Vor allem in der Weihnachtszeit bietet sich der Film an, da er selbst zu dieser spielt und sich als mollig warmer Wohlfühlfilm versteht, in den man sich kuscheln kann, wenn drumherum alles kalt und anonym erscheint.

Credits

OT: „While You Were Sleeping“
Land: USA
Jahr: 1995
Regie: Jon Turteltaub
Drehbuch: Daniel G. Sullivan, Fredric Lebow
Musik: Randy Edelman
Kamera: Phedon Papamichael, Jr.
Besetzung: Sandra Bullock, Bill Pullman, Peter Gallagher, Peter Boyle, Glynis Johns, Jack Warden

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Golden Globes 1996 Beste Hauptdarstellerin (Komödie oder Musical) Sandra Bullock Nominierung

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„Während du schliefst“ ist eine Mischung aus Verwechslungskomödie und Liebeskomödie, bei der eine schüchterne Frau für die Verlobte eines Komapatienten gehalten wird. Der Inhalt ist konstruiert, teilweise banal. Der märchenhaft-harmlose Film erfüllt aber seinen Zweck, spricht Herz und Lachmuskeln an und lockt mit einer unfreiwilligen Heldin, der man nur das Beste wünscht.
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