Demolition Man
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Demolition Man

Inhalt / Kritik

Demolition Man
„Demolition Man“ // Deutschland-Start: 2. Dezember 1993 (Kino) // 28. April 2003 (DVD)

Im Los Angeles des Jahres 1996 gehört Sergeant John Spartan (Sylvester Stallone) zu den besten Polizisten der Stadt, wobei seine brachiale Vorgehensweise ihm den Spitznamen „Demolition Man“ eingebracht hat. Schon seit vielen Jahren jagt er dem psychopathischen Killer Simon Phoenix (Wesley Snipes) hinterher, den er im Rahmen einer Geiselnahme endlich stellt. Jedoch kommen durch Spartans Unachtsamkeit einige der Geiseln ums Leben, was dazu führt, dass er suspendiert und wie Phoenix in einem „kyrogenischen“ Gefängnis für die Dauer seiner Freiheitsstrafe eingefroren wird.

Viele Jahrzehnte später, im Jahre 2032, wird Spartan wieder aufgetaut, weil seinem Erzfeind Phoenix die Flucht gelang. Die Welt, in der John aufwacht, ist eine völlig andere. Es gibt praktisch keine Gewalt mehr, weshalb Phoenix mit der Polizei leichtes Spiel hat, sind die Beamten dieser Zukunft doch gar nicht für den Umgang mit einem Verbrecher wie ihm geschult. Spartan hat seine Probleme mit dieser neuen Welt, wobei ihm die Polizistin Lenina Huxley (Sandra Bullock), die ein Faible für die „alte Zeit“ hat, zur Seite steht. Der politisch-spirituelle Führer dieser Gesellschaft, Dr. Raymond Cocteau (Nigel Hawthorne), verspricht Spartan seine Hilfe bei der Verhaftung von Phoenix, wobei er die Schuld für den Vorfall bei der im Untergrund lebenden Widerstandsbewegung sieht, die seit geraumer Zeit diverse Anschläge durchgeführt haben.

Polizist auf Eis

Die Idee eines „Polizisten auf Eis“, der in einer Zukunft, in der es praktisch keine Verbrechen mehr gibt, gegen einen gefährlichen Killer kämpfen zu lassen, stieß zunächst auf wenig Interesse bei Produzenten, wie sich Drehbuchautor Peter M. Lenkov erinnert. Später jedoch, nach diversen Neufassungen der Geschichte, konnten mit Sylvester Stallone und Wesley Snipes nicht nur zwei bekannte Hauptdarsteller für die beiden Titelfiguren gewonnen werden, sondern mit Marco Brambilla auch ein Regisseur, der das Potenzial der Geschichte erkannte. In den 1990ern als weiteres Actionvehikel für Stallone angesehen, genießt Demolition Man mittlerweile einen ganz anderen Ruf, denn die auf Vorlagen wie Aldous Huxleys Schöne neue Welt basierende Zukunftsvision funktioniert nicht nur als Dystopie, sondern zugleich als eine Satire auf das Zeitalter der politischen Korrektheit.

Das Konzept von Demolition Man funktioniert im Prinzip auf zwei Ebenen, von denen die erste die des Genres an sich ist. Stallone und Snipes spielen dabei Widersacher, wie man sie aus diversen Produktionen des Actionfilms kennt, zwei Figuren, die auf unterschiedlichen Seiten des Gesetzes stehen, sich bis auf den Tod bekämpfen, aber letztlich ohne den jeweils anderen eigentlich nicht vorstellbar sind. Das Ausmaß der Gewalt des Simon Phoenix findet seine Entsprechung in der Vorgehensweise eine John Spartan, dessen Name bereist seine Tendenz zu brachialem Vorgehen andeutet, was schlussendlich beide zu „Neandertalern“ in der Zukunftsvision des Filmes macht. Mehr als einmal erlaubt sich die Inszenierung wie auch das Drehbuch ironische Anspielungen auf die Männerbilder wie auch die Vorgehensweise dieser Archetypen, die aber gleichzeitig die Unfähigkeit dieser „schönen neuen Welt“ anzeigen, mit etwas umzugehen, was außerhalb ihrer Komfortzone steht.

Die tapfere neue Welt

Ähnlich wie viele Werke seines Kollegen Paul Verhoeven (Total Recall – Die totale Erinnerung, RoboCop), ist auch Marco Bambillas Demolition Man ein Werk, welches man leicht unterschätzt. Während eine Sichtweise, die den Film als reine Action-Unterhaltung naturgemäß funktioniert, gelingt ebenso die teils bittere Satire auf eine Gesellschaft, die alles Unangenehme nicht mehr akzeptiert und daher eine Tyrannei des Denkens zu ihrem Alltag gemacht hat. Wie die Bürger in Huxleys Welt sind Figuren wie die nach dem Autor benannte Lenina Huxley fromme Gläubige eines neuen Anführers, den Nigel Hawthorne mit dem charismatischen Nimbus eines Führers und den damit passenden faschistoiden Charaktereigenschaften spielt.

Vielleicht ist es gerade diese Ebene des Filmes, die beim Zuschauer im Gedächtnis bleibt, noch viel mehr als diese erste. Wesley Snipes und Sylvester Stallone gebührt dennoch Lob, wenn sie vor allem mit der für dieses Werk nötigen Prise Ironie ihre Figuren spielen, wobei in erster Linie Snipes sein Talent für herrliches Over-Acting beweist.

Credits

OT: „Demolition Man“
Land: USA
Jahr: 1993
Regie: Marco Brambilla
Drehbuch: Daniel Waters, Robert Reneau, Peter M. Lenkov
Musik: Eliot Goldenthal
Kamera: Alex Thomson
Besetzung: Sylvester Stallone, Wesley Snipes, Sandra Bullock, Nigel Hawthorne, Benjamin Bratt, Denis Leary, Bob Gunton, Bill Cobbs, David Patrick Kelly

Trailer

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„Demolition Man“ ist eine Mischung aus Actionfilm und Science-Fiction, die als pure Unterhaltung ebenso funktioniert wie als Kommentar auf das Zeitalter der politischen Korrektheit. Marco Brambilla gelingt ein ungemein cleverer Film, dessen Formelhaftigkeit zugleich als selbstironischer Verweis auf Rollenbilder des Genres zu verstehen ist.
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