Meg

„Meg“ // Deutschland-Release: Kino: 9. August 2018

Ganz billig war der Spaß ja nicht: Sage und schreibe 1,3 Milliarden Dollar hat der US-Investor Jack Morris (Rainn Wilson) in eine neue Unterwasser-Forschungsstation investiert. Und dafür will er schon etwas sehen. Aber sollte die Theorie stimmen, dass der Mariannengraben gar nicht der tiefste Punkt der Erde ist, sondern erst der Anfang für eine neue Tiefseewelt, könnte sich die Investition gelohnt haben. Tatsächlich erweist sich die Expedition als gewünschter Erfolg – bis irgendetwas das U-Boot anzugreifen scheint und der Kontakt plötzlich abbricht. Die Zeit drängt, lange wird die Crew da unten nicht überleben. Also rufen sie Jonas Taylor (Jason Statham) zur Hilfe, der selbst ein erfahrener Rettungstaucher ist und vor einigen Jahren von einer ähnlichen Begegnung in der Tiefe des Meeres erzählte – was damals jedoch niemand glauben wollte.

Der weiße Hai und seine Folgen: Der Film über den blutrünstigen wie verschlagenen Meeresräuber hat sich derart tief in das kollektive Gedächtnis gebissen, dass Haie bis heute eines der großen Schreckgespenster des Kinos sind. Sie sehen aber auch zu furchteinflößend aus mit ihren nicht enden wollenden Zahnreihen und der ikonischen Flosse, die das Unglück schon von Weitem ankündigt. In den letzten Jahren hat es ein regelrechtes Revival um den pfeilschnellen Jäger gegeben. Während Trashfans sich über immer absurder werdende Auftritte freuen – Sharknado 6 schwimmt bereits an der Startlinie, auch 6-Headed Shark Attack macht sich bald über die Zuschauer her –, legten die Kinofilme The Shallows – Gefahr aus der Tiefe und 47 Meters Down mehr Wert auf Ernsthaftigkeit.

Nimm’s mit Humor!
Meg ist nun eine irgendwie eigenartige Mischung aus diesen beiden Trends. Hier soll echter Horror geboten werden, wenn das gigantische Urzeitviech auf alles Jagd macht, was sich im Wasser so tummelt. Gleichzeitig nahm man die Geschichte aber auch mit Humor. Schon die Marketingkampagne zuvor war von jeder Menge Augenzwinkern begleitet. Und auch im fertigen Film wird gerne immer wieder gescherzt, oft auf Kosten anderer Crewmitglieder, so wie die Interaktionen zwischen den Figuren allgemein einen großen Raum einnehmen – auf Kosten des gemeinsamen Feinds.

Teilweise ist das dann auch unterhaltsam. Vor allem Jason Statham, der in der Originalfassung mal wieder seinen fetten englischen Akzent zur Schau stellen darf, trägt dazu bei, dass viele Gags tatsächlich sitzen. Aber auch einigen weniger bedeutenden Figuren waren humorvolle Szenen vergönnt, inklusive diverser Oneliner. Das Problem dabei ist nur: Meg ist so gar nicht konsequent darin, so wie der Film allgemein keine klare Richtung einschlagen wollte. Schließlich wollte man hiermit eine möglichst große Zielgruppe ansprechen, das Ergebnis ist der kleinste gemeinsame Nenner der unterschiedlichsten Ansprüche.

Der tut nix, der will nur spielen
Horrorfans werden beispielsweise entsetzt sein, wie blutleer Meg geworden ist. Lange Zeit wird über den Hai nur gesprochen, er selbst tut praktisch nichts. Und wenn er sich doch mal rührt, dann so sehr im Verborgenen, dass man sich selbst gar nicht so sicher ist, ob es ihn wirklich gibt oder er nicht doch das Ergebnis eines durch akuten Sauerstoffmangels verursachten Wahns ist. Aber auch später, wenn das Urvieh doch mal Zähne zeigen darf, ist das alles recht harmlos und völlig frei von überraschenden Szenen. Die Folge: Echte Spannung sucht man in den Weiten des Meeres vergeblich. Echte Unterwasserszenen übrigens auch, nach dem stimmungsvollen Einstieg spielt sich fast alles auf der Station oder an Deck diverser Schiffe ab.

Dafür gibt es die immer häufiger werdende Anbiederung an den chinesischen Großmarkt – der Schauplatz ist in der Nähe von Shanghais Küste, mit Dr. Minway Zhang (Winston Chao) und dessen Tochter Suyin (Bingbing Li) stehen zwei passende Schauspieler im Mittelpunkt des Geschehens. Die hübsche Suyin darf zudem noch Jonas’ Love Interest sein, damit auch noch ein bisschen Romanze mit ins Spiel kommt. Ach ja, Pathos darf natürlich auch nicht fehlen, an den unnötigsten Stellen zudem. Insgesamt kann man sich Meg trotz allem gut anschauen, trotz der vielen bekannten und nicht immer zusammenpassenden Szenen, Langeweile will kaum aufkommen. Nur eben auch keine Begeisterung, das Großevent bleibt wie Rampage – Big Meets Bigger kürzlich hinter seinen Möglichkeiten, weil am Ende doch der Mut fehlt, ein bisschen aus dem Warmwasserbecken herauszuschwimmen.

Meg
3.91 (78.26%) 23 Artikel bewerten

Meg
Der gefürchtete Meeresräuber meldet sich zurück, diesmal in einer XL-Fassung: Unterhaltsam ist die Geschichte um einen prähistorischen Riesenhai, der Jagd auf die Menschen macht, sicherlich. Der große Wurf ist „Meg“ trotz der imposanten Ausmaße jedoch nicht, dafür versucht der Film viel zu sehr, verschiedenen Zielgruppen gerecht zu werden. Es fehlt am Ende der Mut und auch die Persönlichkeit, trotz vieler humorvoller Szenen mit Jason Statham.
5von 10

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