Inhalt / Kritik

The Ones Below

„The Ones Below – Das Böse unter uns“ // Deutschland-Start: 25. November 2016 (DVD/Blu-ray)

Auch wenn sie sich lange nicht ganz sicher waren, inzwischen ist die Freude bei Kate (Clémence Poésy) und Justin (Stephen Campbell Moore) groß, erwarten sie doch ihr erstes Kind. Als sie dann noch erfahren, dass ihre neue Nachbarn Jon (David Morrissey) und Theresa (Laura Birn) ebenfalls kurz davor stehen, zum ersten Mal Nachwuchs zu bekommen, fühlen sich die beiden Paare gleich miteinander verbunden. Bei einem gemeinsamen Abendessen wollen sie ihre neue Freundschaft feiern, schließlich werden sie in Zukunft noch viel Zeit miteinander verbringen. Doch schon während des Gesprächs kommt es zu ersten Spannungen, gerade auch, weil Jon und Theresa sich teilweise ein wenig seltsam verhalten. Doch es ist vor allem das Ende dieses Abends, das die vier noch lange verfolgen wird …

Konfliktherd Nachbarschaft

So eine Nachbarschaft kann schon etwas sehr Wertvolles sein – oder aber ein echter Albtraum. Kein Wunder, wenn Menschen sich dauerhaft sehr nahe sind, dann kann es wegen der kleinsten Belanglosigkeiten richtig knallen. Mal ist die Musik zu laut, die Äste des Baumes reichen zu weit in den Garten der anderen, vielleicht ist es auch die Katze, die sich unerlaubterweise auf das Grundstück wagt und damit die Begründung für einen heftigen Streit liefert. Und so finden sich immer mal wieder Filme, die genau solche nachbarschaftlichen Beziehungen in den Mittelpunkt stellen und diesen Schrecken zur Unterhaltung des Publikum heranziehen. Das kann mal auf humorvolle Weise geschehen, siehe Bad Neighbors. Andere nutzen diese Spannungen, um selbst Spannung zu erzeugen.

Ein Beispiel hierfür ist der britische Thriller The Ones Below – Das Böse unter uns, bei dem zwei Paare bitter bereuen, übereinanderliegende Wohnungen bezogen zu haben. Dabei ist der Ersteindruck noch positiv. Ein bisschen zu positiv vielleicht: Die Art und Weise, wie die beiden schwangeren Frauen als Schicksalsgenossinnen sofort Freundschaft schließen, hat mehr von den Instant-Freundschaften, wie man sie in Jugendfilmen immer mal wieder sieht. Da wird wirklich keine Zeit verschwendet. Gleiches gilt für die Einführung des Konflikts, der so plötzlich über alle hereinbricht, dass man nicht zur falschen Zeit aufs Klo gehen durfte. Sicher, schon vorher fallen Jon und Theresa durch ihr etwas seltsames, teilweise unangenehmes Verhalten auf. Dennoch: Der Bruch ist schon sehr abrupt, so als ob Regisseur und Drehbuchautor David Farr (Wer ist Hanna?) endlich zum eigentlichen Teil wollte.

Gut gespielt, aber nichts Besonderes

Aber man sollte an eigenen Stellen nicht ganz so genau hinschauen oder hinhören. Vieles von dem, was in The Ones Below – Das Böse unter uns geschieht, ergibt wenig Sinn. Zum Teil wird zwar versucht, das noch irgendwie zu erklären. So behandelt ein Nebenstrang etwa das schwierige Verhältnis zwischen Kate und ihrer Mutter, was als Begründung für manche Sonderbarkeit dienen soll. Aber das ist schon arg dünn. Je länger der Film andauert, umso unglaubwürdiger wird er. Umso dümmlicher verhalten sich die Figuren auch zum Teil. Aber selbst diese spontanen Entgleisungen können nicht verhindern, wie linear und vorhersehbar die Geschichte geworden ist. Da darf man sich an manchen Stellen doch an Filme wie Die Hand an der Wiege erinnert fühlen.

Doch auch wenn der Inhalt sicher nicht berauschend ist, teils zusammengeklaubt, teils unglaublich konstruiert: Der Thriller, der auf dem Toronto International Film Festival 2015 Premiere feierte, erfüllt schon seinen Zweck. Das Quartett überzeugt schauspielerisch, die Kulissen können sich sehen lassen, man will zudem wissen, worauf die Eskalation am Ende hinauslaufen wird. Die Antwort darauf ist zumindest für ein erfahrenes Publikum nicht schwer zu erraten, spielt aber doch einigermaßen geschickt mit der Ungewissheit, ob die eigenartigen Beobachtungen von Kate real oder eingebildet sind. Das Thema Schwangerschaft bzw. Mutterschaft mit psychischen Problemen zu kombinieren, ist zudem durchaus spannend, da nicht viele über diesen Aspekt reden möchten. Letzten Endes ist The Ones Below – Das Böse unter uns aber nicht mehr als ein solider Genrevertreter, den man sich in einer entsprechenden Stimmung gut anschauen kann, aber doch etwas zu sehr in der Masse verlorengeht.

Credits

OT: „The Ones Below“
Land: UK
Jahr: 2015
Regie: David Farr
Drehbuch: David Farr
Musik: Adem Ilhan
Kamera: Ed Rutherford
Besetzung: Clémence Poésy, Stephen Campbell Moore, David Morrissey, Laura Birn

Bilder

Trailer

Filmfeste

Toronto International Film Festival 2015
Berlinale 2016
Fantasy Filmfest 2016

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The Ones Below – Das Böse unter uns
„The Ones Below – Das Böse unter uns“ stellt zwei Nachbarschaftspaare vor, die beide ihren ersten Nachwuchs erwarten. Doch die anfängliche Freude und Freundschaft endet hässlich. Richtig originell ist der Thriller nicht, zudem hapert es an der Glaubwürdigkeit, gerade im Hinblick auf das Verhalten der Figuren. Es reicht aber zumindest für einen soliden Film.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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