Fantomas
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Fantomas

Inhalt / Kritik

Fantomas
„Fantomas“ // Deutschland-Start: 26. Februar 1965 (Kino) // 2. August 2004 (DVD)

Ganz Frankreich steht vor einem Rätsel: Wer steckt nur hinter dem geheimnisvollen Fantomas, der schon seit einiger Zeit sein Unwesen treibt? Niemand hat ihn je gesehen, er scheint gar nicht wirklich zu existieren. Der einzige Beweis sind die Visitenkarten, die er immer am Tatort hinterlässt, wenn er mal wieder teuren Schmuck oder sonstige Wertgegenstände mitgenommen hat. Während Kommissar Juve (Louis de Funès) zunehmend frustriert dem Phantom hinterherjagt, hat Journalist Fandor (Jean Marais) inzwischen Zweifel, dass hinter der Raubserie eine Einzelperson steckt. Vielmehr vermutet er, dass die Polizei sich dahinter zu verstecken versucht, weil sie mit der Aufgabe überfordert ist, die Fälle aufzuklären. Doch als er zusammen mit seiner Verlobten, der Pressefotografin Hélène (Mylène Demongeot), einen spöttischen Artikel zu dem Thema veröffentlicht, beschwört er den Zorn des tatsächlichen Fantomas heraus, der diese Beleidigung nicht auf sich sitzen lassen will …

Ein umtriebiger Schurke

Eines kann man Fantomas kaum vorwerfen: Untätigkeit. Das gilt nicht nur den im Film beschriebenen Verbrecher, der ständig damit beschäftigt ist, andere auszurauben oder in einer anderen Form zu schaden. Es gilt vor allem für die literarische Vorlage. Beeindruckende 32 Bände veröffentlichten Pierre Souvestre und Marcel Allain über ihren Superschurken – und das nur zwischen 1911 und 1913. Hinzu kamen einige weitere Romane, die Allain später allein noch schrieb. Kein Wunder also, dass es nicht lange dauern sollte, bis erste Verfilmungen der populären Geschichten erschienen. Vor allem in Frankreich war man in der Hinsicht aktiv, aber auch in den USA und Deutschland versuchte man sich an Adaptionen. Die meisten davon sind heute in Vergessenheit geraten. Die eine große Ausnahme sind die drei von André Hunebelle inszenierten Filme zwischen 1964 und 1967 mit Jean Marais und Louis de Funès in der Hauptrolle.

Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil die Trilogie mit der Vorlage kaum etwas gemeinsam hat. Zwar treibt jeweils der Meisterschurke Fantomas sein Unwesen. Doch die große Brutalität mit Hang zum Sadismus, welche noch in den Bücher zu finden war, weicht hier dem Humor. Anders als Arsène Lupin, ein weiterer berühmter Dieb der französischen Filmgeschichte, hatte Fantomas bei Souvestre und Allain kein Problem mit Morden. Er genoss sie geradezu, statt Gentleman Thief fanden die Leser und Leserinnen einen soziopathischen Serienmörder. In der 64er Filmversion will der Antagonist zwar ebenfalls einen Mord begehen, tut dies aber, weil er sich provoziert fühlt. Ansonsten reicht es ihm völlig, alle anderen vorzuführen. Sein Vergnügen besteht darin, sich irgendwelche Pläne auszudenken, die andere dumm dastehen lassen.

Krimigenie trifft Klamaukpolizisten

Das klappt nicht nur wegen seiner Raffinesse gut. Vielmehr ist sein Erfolg auch der chronisch unfähigen Polizei zu verdanken, die nichts auf die Reihe bekommt. In der Hinsicht ist die Besetzung von Juve durch Louis de Funès natürlich überaus passend. Kein anderer Schauspieler war seinerzeit in Frankreich ähnlich erfolgreich mit Blödelklamauk, irgendwo zwischen Chaos und cholerischen Wutanfällen. Der Kontrast aus beidem prägte dann auch maßgeblich die Trilogie. Auf der einen Seite haben wir den vornehmen, geradezu seriösen Meisterdieb, dem auf geradezu unheimliche Weise alles gelingt. Ihm gegenüber steht jemand, der aufgeregt durch die Gegend rennt und durch Aktionismus und Beleidigungen seine eigene Unfähigkeit zu überdecken versucht. Da treffen natürlich zwei Welten aufeinander, was immer komisch ist. Und zwischen diesen beiden Extremen findet sich Journalist Fandor wieder, der ebenso wie Fantomas von Jean Marais (Orphée, Eselshaut) gespielt wird. Das sorgt noch für ein bisschen Extra-Dynamik, wenn sich Allianzen wandeln und mal der eine, mal der andere ins Fadenkreuz gerät.

Das ist amüsant, sofern man nicht den Anspruch hat, hier auch nur irgendwo etwas mit Substanz zu finden. Hier ergibt nichts Sinn, alles ist gnadenlos überzogen, irgendwie umständlich und ziemlich albern. Viel Spannung entsteht auf diese Weise nicht, selbst in den potenziell lebensbedrohlichen Situationen nimmt man das nicht übermäßig ernst. Es gibt zudem keinen Fall, der tatsächlich als solcher bezeichnet werden müsste. Wer das aber alles nicht braucht, kann mit der Komödie aber nach wie vor seinen Spaß haben. Dabei spielt der Nostalgiefaktor natürlich eine große Rolle, wenn mit simpelsten Tricks gearbeitet wird. Bei Fantomas braucht es keine technologischen Wunderwerke, die direkt aus der Zukunft importiert wurden. Da reichen einfache Masken, um Jahrhundertverbrechen auszuüben und einen Film zu schaffen, der gleichzeitig zeitlos und nicht zeitgemäß ist.

Credits

OT: „Fantômas“
Land: Frankreich, Italien
Jahr: 1964
Regie: André Hunebelle
Drehbuch: Jean Halain, Pierre Foucaud
Vorlage: Pierre Souvestre, Marcel Allain
Musik: Michel Magne
Kamera: Marcel Grignon
Besetzung: Jean Marais, Louis de Funès, Mylène Demongeot, Marie-Hélène Arnaud, Robert Dalban, Jacques Dynam

Trailer

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Wenn in „Fantomas“ ein Journalist und ein cholerischer Polizist Jagd auf einen Meisterverbrecher machen, dann ist das zwar nicht unbedingt spannend. Spaß macht es aber schon: Die Klamauk-Adaption der berühmten Krimireihe ist ein vergnüglich-nostalgischer Film, der nicht sonderlich viel Sinn ergibt und dabei von den starken Kontrasten der Kontrahenten lebt.
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