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Sound of Violence

„Sound of Violence“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Die Liebe zur Musik und das Komponieren neuer Klänge sind die große Leidenschaft von Alexis (Jasmin Savoy Brown). Dabei war sie bis in ihre Jugendzeit gehörlos und erlangte erst nach einem besonders traumatischen Erlebnis die Fähigkeit zu hören: Vor vielen Jahren musste sie mitansehen, wie ihr Vater ihre Mutter sowie ihren Bruder brutal ermordete. Die Schläge des Hammers auf die beiden Körper sowie das verursachte Geräusch führt Alexis darauf zurück, dass sie wieder hören konnte, weshalb es ihr bei ihrer Arbeit nicht nur um das Kreieren von Musik geht, sondern auch um deren therapeutische Zwecke. Zu diesem Zweck arbeitet sie mit ihrer Mitbewohnerin Marie (Lili Simmons) daran immer neue Klänge zu finden und aufzunehmen, wobei die beiden jungen Frauen sich schon lange nicht mehr auf alltägliche Gegenstände konzentrieren, denn auf ihren zahlreichen Touren besuchen sie Bordelle oder Dominas, bei denen sie beispielsweise Schläge auf nackter Haut aufnehmen.

Eines Tages scheint Alexis‘ Fähigkeit zu hören abzunehmen. Als Marie, in die sie heimlich verliebt ist, Alexis ihren neuen Freund vorstellt, ist dies nur eine der vielen Schicksalsschläge, denn ihr Arzt hat bestätigt, was die Studentin schon lange ahnte, nämlich dass ihre Hörfähigkeit durchaus mit dem Alter wieder abnehmen oder gar wieder ganz verschwinden könnte. Alexis kann dies nicht hinnehmen und sucht weiter verbissen nach besonders starken oder brutalen Klängen, die ihr Gehör erhalten können, was zu einer immer düsteren und schließlich auch blutigen Obsession wird.

Brutale Klänge

Über 17 Jahre lang war Regisseur Alex Noyer in erster Linie als Produzent tätig, wobei sein Fokus in erster Linie auf Dokumentation über ganz unterschiedliche Themenfelder ging. In Interviews zu seinem Film Sound of Violence, der im Rahmen des diesjährigen Fantasy Filmfestes zu sehen ist, beschreibt er die Dokumentation 808 über die legendäre Drum-Machine TR-808 als der Höhepunkt seiner Karriere als Produzent sowie die maßgebliche Inspiration für seinen eigenen Film. Als ihn dann noch seine Frau ermutigte, seiner Passion für das Horrorgenre nachzugeben und einen ersten Film als Regisseur zu machen, war schnell die Idee für seinen ersten Kurzfilm Conductor geboren, welcher als Vorlage für Sound of Violence diente.

Eine weitere Motivation, das Projekt weiterzuverfolgen, war die Figur Alexis, welche viele Zuschauer als ungemein faszinierend empfanden. Ihre Suche nach „brutalen Klängen“, wie sie es beschreibt, ist ein Schlüssel für ihre große Liebe zur Musik, doch genauso zu ihrem dunklen Trauma, dessen Bilder gleich zu Anfang des Filmes eine ebenso eindrucksvolles Echo beim Zuschauer hinterlassen wie die Klänge dieses Ereignisses, die der jungen Protagonistin nicht mehr aus dem Kopf gehen. Gewillt diese Liebe nicht zu verlieren und ihre Leben nicht aufgeben zu müssen, sucht die nach jenen Klängen wieder, versucht jenes Ereignis zu wiederholen, was der Geschichte eine gewisse Tragik verleiht, gerade weil die von James Savoy Brown gespielte Figur eben nicht jenem Stereotyp eines Serienkillers oder Mörders entspricht, sondern ganz im Gegenteil von etwas motiviert wird, was wir als Zuschauer sehr gut nachempfinden können. Brown spielt die beiden Seiten dieser komplexen Figur mit großer Einfühlsamkeit und macht uns die Fallhöhe dieser Frau bewusst, die gefährlich schwankt zwischen dem Leben und dem langen, dunklen Abgrund, der sich vor ihr auftut.

Wenn du nur hören könntest, was ich höre.

Generell ist Noyers Film, trotz einiger visueller Aspekte, in erster Linie ein Drama. In Alexis wohnt jener fatale Genius, der sie von ihrer Umwelt abhebt und sich in Bewunderung anderer doch auch einer gewissen Ehrfurcht äußert. Nicht nur erzählerisch, auch durch Details wie die Sets oder die Kleidung grenzt Noyer seine Protagonistin von ihrer Umgebung ab. Besonders auf ästhetischer Ebene sind jene Szenen eindrucksvoll, welche das Hörerlebnis illustrieren, welches Alexis erfährt, wenn sie jene „brutalen Klänge“ hört oder abermals erlebt. Dieses Gefühl der Intensität wird durch die visuelle Überhöhung durch entsprechende Effekte sowie das Sound-Design hervorgehoben, wobei auch dessen fatale zerstörerische Wirkung mehr als deutlich wird. Es ist eine Form der Intensität, der Alexis nachstrebt, die nicht von dieser Welt ist und welche wie ein Rausch wirken kann, den man immer wieder erfahren möchte.

Der Aspekt des Horrorfilms kommt besonders dann zum Tragen, wenn sich Alexis auf die Suche nach jenen neuen Klängen macht oder gar selbst Hand anlegt, um diese zu erzeugen. Ihre Kreativität erinnert dabei an jene perversen Fallen, denen die Opfer des Jigsaw-Killers der SAW-Reihe scharenweise zum Opfer fielen, ohne aber dabei deren schwarzhumorigen Aspekte innezuhaben. Stattdessen geht es dabei um das große Ganze, um eine Symphonie, die letztlich nur Alexis selbst verstehen kann und bei deren Vollendung sie über Leichen geht.

Credits

OT: „Sound of Violence“
Land: USA, Finnland
Jahr: 2021
Regie: Alex Noyer
Drehbuch: Alex Noyer
Musik: Jaako Manninen, Alexander Burke, Omar El-Deeb
Kamera: Daphne Qin Wu
Besetzung: Jasmin Savoy Brown, Lili Simmons, James Jagger, Tessa Munro, Dana L. Wilson, Wes McGee, Mataeo Mingo, Corsica Wilson

Trailer

Filmfeste

SXSW 2021
Fantasy Filmfest 2021

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Sound of Violence
„Sound of Violence“ ist ein Horror-Drama, das durch seine tollen Schauspieler, sein interessantes Konzept sowie durch seine vielen technischen Aspekte, allen voran das Sound-Design, überzeugt. Regisseur Alex Noyer gelingt dabei ein Werk, welches über von der Suche nach einer intensiven Erfahrung erzählt, einer dunklen Obsession, die auf einer Motivation aufbaut, die man als Zuschauer irgendwie nachempfinden kann, was zugleich die Tragik der Hauptfigur auf de Punkt bringt.
9von 10
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