In der ZDF-Serie Jenseits der Spree spielt Jürgen Vogel den Polizisten Robert Heffler, der eigentlich seiner Familie wegen in den Innendienst wechselte, nun aber doch aus Personalmangel ständig im Einsatz ist und dabei mit der jungen Kriminalhauptkommissarin Kay Freund (Seyneb Saleh) zusammenarbeiten muss. Wir haben uns mit dem Schauspieler über den neuen Freitagabendkrimi unterhalten.

Es gibt in Deutschland nicht gerade wenig Krimiserien. Was macht Jenseits der Spree für dich besonders?

Ich mag generell die Figuren. Das war für mich eine der Grundvoraussetzungen. Ich mag, dass er in einem Spagat steckt zwischen seinem Beruf und seinem Privatleben. Ich finde auch gerade sein Privatleben megainteressant, weil es im deutschen Fernsehen kaum Geschichten über alleinerziehende Väter gibt. Zumindest kaum Geschichten, die auch wirklich gut erzählt sind. Ich mochte auch, dass er lauter Töchter hat, weil die Beziehung zwischen einem Vater und einer Tochter immer etwas speziell ist – besonders wenn eben keine Mutter vorhanden ist. Da geht es eben auch darum, in der Familie eine weibliche Perspektive einzunehmen und dem Vater zu sagen, wo er was falsch macht. Meine Figur will das eigentlich alles richtig machen und ist um alles bemüht, macht aber trotzdem viele Fehler. Das in Kombination mit dem klassischen Freitagabend-Krimi fand ich echt spannend.

Du spielst in der Serie einen Disponenten bei der Polizei, der ständig gegen seinen Willen bei Außeneinsätzen dabei ist. Was genau macht ein Disponent normalerweise?

Das stimmt, Robert wollte eigentlich raus aus der Schusslinie und wäre als Disponent für die Arbeitspläne zuständig. Das ist eigentlich ein wahnsinnig langweiliger Job. Deswegen mag er das auch nicht wirklich und macht das nur seiner Familie wegen. Aber sie haben dort dummerweise gerade zu wenig Personal, um die ganzen Fälle zu bearbeiten, weswegen Robert doch immer wieder einspringen muss, ohne dass er seinen Kindern das verrät.

Das Thema Familie spielt nicht nur bei Robert eine Rolle. Auch bei den Fällen geht es oft darum, wenn wir es mit mehreren dysfunktionalen Familien zu tun bekommen. Nachdem wir so viele Negativbeispiele gesehen haben, wie macht man es richtig? Wann funktioniert eine Familie?

Man darf nicht immer alles richtig machen wollen, sondern muss dazu stehen, dass man nicht immer alles richtig machen kann. Du solltest natürlich schon schauen, wie du alles besser machen kannst und wo etwas nicht läuft. Aber wenn du mit der Erwartung dran gehst, dass immer alles laufen muss, dann kannst du nur verlieren. Du kannst nur versuchen, dein Bestes zu geben. Das ist wie in der Liebe: Es gibt da nicht das eine Universalrezept, an das du dich halten kannst und dann wird alles gut. Dafür sind die Menschen einfach zu unterschiedlich.

In Jenseits der Spree gibt es nicht nur innerhalb der Familie häufiger Konflikte. Auch bei der Polizei herrscht schon ein sehr rauer Ton. Liegt das an den Figuren oder bringt das die Arbeit mit sich?

Natürlich hat jeder Bereich so seine eigenen Charaktere und Persönlichkeiten. Das kann dann schon mal ein bisschen knallen. Du hast recht oft in solchen Geschichten, dass sich irgendwie alle supergut verstehen. Das finde ich aber immer ziemlich unrealistisch. Es ist völlig normal, dass Leute auch mal schlechte Laune haben oder übermüdet sind. Warum sollte man das nicht zeigen dürfen? Bei Robert kommt noch hinzu, dass er bei diesen Einsätzen gar nicht dabei sein will und sich immer nur dazu überreden lässt. Das schlägt sich natürlich auch in der Stimmung wieder.

Ein bisschen kracht es zwischen Robert und seiner Kollegin auch wegen des Altersunterschiedes. Gerade zu Beginn macht sie in der Hinsicht einige Kommentare. Was können die zwei trotz des Unterschiedes voneinander lernen?

Grundsätzlich hat jeder Mensch andere Methoden und Vorgehensweisen, wie er Dinge löst. Allein deshalb schon können zwei Menschen voneinander lernen, wenn sie zusammenarbeiten, ganz egal was für einen Beruf sie nun ausüben. Was die zwei Figuren gemeinsam haben, ist dass sie beide über einen ganz guten Instinkt verfügen. Sie müssen nur lernen, auf diesen zu hören, dann können sie glaube ich schon ganz gut zusammenarbeiten, trotz der Unterschiedlichkeit, die sie so mit sich bringen. Was mir dabei gut gefällt ist, dass sie ihn immer wieder maßregelt und darauf drängt, seine Arbeit richtig zu machen, obwohl er deutlich mehr Erfahrung hat. Sie übernimmt oft die Rolle der Führung des Falls. Man würde das eigentlich eher umgekehrt erwarten, dass der alte Hase dem Nachwuchs sagt, wie es läuft.

Schaust du eigentlich auch selbst Krimis?

Auf jeden Fall. Gerne auch Serien, wenn sie gut gemacht sind.

Und was macht für dich einen guten Krimi aus?

Die Kombination aus einem spannenden Fall und einer interessanten Geschichte mit interessanten Figuren. Bosch zum Beispiel finde ich gut, weil da ganz unaufgeregt ein Fall gelöst wird. Es ist auch schön, dann du so eine Figur über lange Zeit begleitest, weil du sie irgendwann so gut kennst, dass du sehen willst, wie sie in den Situationen reagiert. Mich interessieren eben nicht nur die Fälle, sondern auch die Figuren.

Die Serie heißt Jenseits der Spree und verrät damit auch schon, wo sie spielt. Wie wichtig ist das Setting für die Serie?

Ich fand es sehr schön, dass wir dieses Setting genommen haben, weil wir damit einen Teil von Berlin zeigen, der nicht so wahnsinnig oft in Filmen oder Serien auftaucht. Das ist zum einen toll für die Menschen, von denen wir dabei erzählen und die in Randgebieten leben. Außerdem gibt das tolle frische Bildmotive, die einfach so noch nicht verwendet wurden und die Jenseits der Spree für mich besonders machen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person
Jürgen Vogel wurde am 29. April 1968 in Hamburg geboren. Nach einer Reihe von Film- und Fernsehproduktionen gelang ihm 1992 mit der Filmkomödie Kleine Haie der Durchbruch als Tellerwäscher, der unverhofft zur Schauspielerei kommt. Seither war er in mehr als 100 weiteren Filmen und Serien zu sehen, unter anderem als Lehrer in Die Welle (2008), in der Impro-Comedy Die Schillerstraße (2009-2011) oder als Todkranker in dem Drama Club der roten Bänder – Wie alles begann (2019). 1997 erhielt er den Deutschen Filmpreis als bester Hauptdarsteller für die Tragikomödie Das Leben ist eine Baustelle, zwei weitere Male war er seither nominiert.



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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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