Ein Mädchen wird vermisst
© ZDF/arte/Frank Dicks

Ein Mädchen wird vermisst

Inhalt / Kritik

Ein Mädchen wird vermisst
„Ein Mädchen wird vermisst“ // Deutschland-Start: 17. September 2021 (Arte)

Als Christa Sommer (Sandra Borgmann) mit deutlicher Verspätung beim Schwimmbad ankommt, wo ihre Tochter Nele (Moana Götze) trainiert, fehlt von dieser jede Spur. Ist sie vielleicht allein nach Hause gegangen, weil sie es leid war, noch länger zu warten? Doch auch dort ist sie nicht, wie ihr Vater Holger (Martin Lindow) mit einer Mischung aus Ärger und Sorge feststellt. Hauptkommissar Ingo Thiel (Ingo Thiel) nimmt daraufhin die Ermittlungen auf, kommt aber nur mühsam voran, zumal offen ist, ob sie nun ausgerissen ist oder das Opfer eines Gewaltverbrechens wurde. Er weiß nur, dass die Zeit drängt, schließlich leidet die Jugendliche an Diabetes und muss entsprechend versorgt werden …

Dokumentarische Anfänge

Von den unzähligen Krimireihen, die unentwegt im deutschen Fernsehen an den Start gehen, war die um den Polizisten Ingo Thiel sicher einer der interessanteren. Dass deren Fälle auf wahren Geschichten basieren, wie immer voller Stolz betont wird, ist dabei weniger ausschlaggebend. Denn das kann alles Mögliche bedeuten, wie Filme immer wieder unter Beweis stellen, die einen sehr großzügigen Umgang mit den Vorlagen pflegen – siehe die Konkurrenzreihe In Wahrheit. Spannend war aber beim ganz nüchtern erzählten Auftakt Ein Kind wird gesucht, wie man sich von der reinen Spurensuche entfernte und stattdessen den Fokus auf die Personen legte, die mit dem zermürbenden Fall zu tun haben. Beim zweiten Film Die Spur der Mörder wechselte man zwar das Thema und behandelte nun Mafia-Kriege. Die dokumentarische Ausrichtung blieb jedoch.

Nun steht mit Ein Mädchen wird vermisst der dritte Teil an, der wir schon die Vorgänger auf Arte erstausgestrahlt wird. Der Titel erinnert dabei sicher nicht zufällig an den preisgekrönten ersten Teil Ein Kind wird gesucht. Auch inhaltlich gibt es diverse Übereinstimmungen: Beide Filme erzählen von verschwundenen Kindern und den Auswirkungen auf das Familienleben. Umso deutlicher sind dadurch aber auch die Unterscheide zwischen den beiden Werke. Zwar stammt das Drehbuch erneut von Katja Röder und Fred Breinersdorfer, weshalb man da eine gewisse Kontinuität erwarten durfte. Der Film ist jedoch deutlich schwächer als die ersten beiden, auch weil vieles, was diese ausgezeichnet hatte, hier nicht mehr zum Tragen kommt.

Willkürliches Ende

Genauer ist es das Alltägliche und Dokumentarische, was in Ein Mädchen wird vermisst verloren gegangen ist. So wird beispielsweise dieses Mal richtig viel auf Drama gemacht, was auch deshalb auffällt, weil die schauspielerischen Leistungen stark schwanken. Da sind Szenen dabei, die so unnatürlich wirken, als würde das Ensemble selbst nicht glauben, was es da liest. Zugegeben, das ist bei manchen der schon sehr konstruierten Dialoge auch nachvollziehbar. Für eine Reihe, die eigentlich viel Wert auf Realismus legt, ist das hier schon sehr dürftig, was da Menschen in den Mund gelegt wird. Es ist nicht einmal so, dass das ganz konsequent durchgezogen würde. Stattdessen springt das unmotiviert hin und her.

Wobei das dann auch zu der ähnlich willkürlichen Geschichte passt. Natürlich gehört es zu einem Krimi irgendwie dazu, dass viele verschiedene Spuren verfolgt werden, die in die unterschiedlichsten Richtungen weisen. Hier wurden aber nur wahllos irgendwelche Klischees zusammengeworfen, die weder für sich allein, noch in Kombination interessant sind. Der Tiefpunkt ist aber erreicht, wenn sich Ein Mädchen wird vermisst über eine DNA-Spur hermacht: Die einzelnen Pfade werden so absurd, als hätte der Film eigentlich eine Komödie sein sollen. Selbst wenn dann endlich einmal die Lösung vorliegt, geht der Blödsinn noch weiter und endet in einer Szene, die vermutlich nachdenklich stimmen sollte. Die einzige Erkenntnis ist aber die, dass es wohl keiner Krimireihe zuletzt gelungen ist, derart schnell abzustürzen und jegliche Lust auf weitere Teile zu nehmen.

Credits

OT: „Ein Mädchen wird vermisst“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Markus Imboden
Drehbuch: Katja Röder, Fred Breinersdorfer
Musik: Florian Tessloff
Kamera: Michael Wiesweg
Besetzung: Heino Ferch, Ronald Kukulies, Sina Bianca Hentschel, Martin Lindow, Sandra Borgmann, Moana Götze

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Nach den beiden sehenswerten ersten Teilen rund um Kommissar Thiel ist „Ein Mädchen wird vermisst“ eine herbe Enttäuschung. Der Krimipart stützt sich auf Klischees, die dramatischen Szenen und Dialoge lassen jede Natürlichkeit vermissen. Zum Schluss wird die Ermittlung sogar völlig absurd. Für eine Reihe, die mit ihrem eigenen Realismus wirbt, ist das schon sehr schwach.
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