The Old Ways
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The Old Ways

Inhalt / Kritik

The Old Ways
„The Old Ways“ // Deutschland-Start: 25. August 2021 (Netflix)

Es ist Jahre her, dass Cristina (Brigitte Kali Canales) in ihrer alten Heimat Mexiko war, wo sie als Kind eine traumatische Erfahrung durchmachen musste. Doch jetzt ist sie zurück, will den Ort ihrer Herkunft und die damit verbundenen Geschichten kennenlernen. Entgegen der Warnungen stattet sie dabei auch einer Höhle einen Besuch ab, die Mittelpunkt mehrerer schauriger Legenden ist. Eine Entscheidung, die sie bald bereuen soll, als sie von Javi (Sal Lopez) und Luz (Julia Vera) entführt und in einem kleinen dunklen Raum an die Wand gekettet wird. Dabei handelt es sich nicht um reguläre Entführer, wie sie bald von ihrer Cousine Miranda (Andrea Cortés) erfährt. Vielmehr sind die beiden davon überzeugt, dass Cristina von einem Dämon besessen ist und nur ein traditionelles Ritual sie von diesem befreien kann …

Besessen von einem Dämon

Im Horrorbereich gehören sie zu den beliebtesten Bedrohungen überhaupt: finstere Dämonen, die bei der erstbesten Gelegenheit irgendwelche Leute in Besitz nehmen, sie fortan kontrollieren und nur mit vereinten religiösen Kräften wieder vertrieben werden können. Der Exorzist brach Anfang der 1970er mit einem solchen Szenario diverse Rekorde. Bis heute liefert der Klassiker die Vorlage für zahlreiche Werke aus diesem Segment, die alle mehr oder weniger nach demselben Prinzip funktionieren. Oft trifft es dabei Frauen, womöglich weil sie nicht nur in dem Genre als besonders schutzbedürftig und schwach gelten. Auf den ersten Blick ist The Old Ways deshalb nur ein weiterer Vertreter dieses Subgenres, der rund anderthalb Stunden davon handelt, wie Cristina von einem Dämon besessen ist – oder vielleicht auch nicht.

Tatsächlich ist der auf Netflix veröffentlichte Horrorfilm anfangs noch ein bisschen vage, ob die Bedrohung real ist oder nur eingebildet. Richtige Zweifel hat man als Zuschauer oder Zuschauerin aber nicht, man wartet eher auf das Unvermeidbare. Überhaupt ist The Old Ways kein Film, bei dem man es sonderlich eilig haben sollte. Nahezu der gesamte Film besteht daraus, wie die beiden Einheimischen versuchen, den Dämon wieder aus Cristina herauszuholen. Dafür wird dann alles Mögliche aufgefahren, mit einem eher überschaubaren Erfolg. Die Situation entwickelt sich in Folge über lange Zeit nicht nennenswert weiter, was unweigerlich zu der einen oder anderen Länge führt. Hinzu kommt, dass ein Großteil des Films in nur einem Raum spielt, was ebenfalls die Abwechslung eher gering werden lässt.

Innere Reise durch ein reizvolles Setting

Zum Teil wird das durch eine nicht-chronologische Erzählung wieder aufgefangen. So sehen wir Cristina zuerst gefesselt an der Wand, bevor wir erfahren, worum es eigentlich geht. Erst nach und nach wird die Situation klarer. Gleichzeitig wird in The Old Ways sehr viel mit Flashbacks gearbeitet, etwa um die traumatische Erfahrung als Kind aufzuzeigen. Die Sprünge sind dabei jedoch mehr als nur ein Mittel, die inhaltliche Eintönigkeit zu überdecken. Vielmehr erzählt der Film auch davon, wie eine junge Frau wieder zu ihren Wurzeln zurückfindet und dabei einen Teil in sich wiederentdeckt, den sie verloren hatte. Und eine solche innere Entdeckungsreise in die Tiefen von Psychologie und Mythos findet nun einmal in kleinen Schritten statt.

Ein kontinuierlicher Pluspunkt ist das Setting. Die ländliche Gegend Mexikos ist mit ihrer Ursprünglichkeit der perfekte Nährboden für Geschichte um uralte Dämonen, die in den Schatten der menschlichen Seele lauern. Wenn hier die Dorfhexe sich das Gesicht bemalt und mit seltsamen Puppen hantiert wird, dann ist das zumindest optisch eine wohltuende Alternative zum ewig gleichen Exorzismus-Bild rund um betagte Priester, die ein Kreuz in die Luft halten. In der Summe ist da also schon einiges, weswegen man sich The Old Ways anschauen könnte. Zu einem wirklichen Horror-Geheimtipp reicht es dann aber doch nicht. Denn auch wenn da atmosphärisch einiges richtig gemacht wurde und Hauptdarstellerin Brigitte Kali Canales kein Vorwurf gemacht werden kann, richtig spannend ist der Film nicht.

Credits

OT: „The Old Ways“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Christopher Alender
Drehbuch: Marcos Gabriel
Musik: Ben Lovett
Kamera: Adam Lee
Besetzung: Brigitte Kali Canales, Andrea Cortés, Julia Vera, Sal Lopez

Trailer

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Sitges 2020

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In „The Old Ways“ kehrt eine junge Frau in ihre mexikanische Heimat zurück und wird zum Mittelpunkt eines alten Exorzismusrituals. Der Film versucht auf verschiedene Weisen, das Horror-Subgenre abzuwandeln, inhaltlich wie inszenatorisch. Doch trotz einzelner interessanter Ansätze, tatsächlich spannend wird der Film nicht. Gerade im Mittelteil gibt es doch ziemliche Längen.
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