Dreiraumwohnung
© ZDF/W&B Television/Jonathan Ibeka/Conny Klein/Martin Langer

Dreiraumwohnung

Inhalt / Kritik

Dreiraumwohnung
„Dreiraumwohnung“ // Deutschland-Start: 23. August 2021 (ZDF)

Für Dr. Konstanze Otto (Anja Kling) geht es gerade um alles, steht für die Krankenhausärztin doch endlich die lang erwartete Beförderung bevor. Dafür muss sie nur irgendwie Dr. Marit Miebach (Caroline Peters) schlagen, die einzige Mitbewerberin für den Posten. Ganz so einfach wie gedacht ist das jedoch nicht: Beim Bewerbungsgespräch muss sie auch ihre Soft Skills demonstrieren und soll ein wenig über ihren Freundeskreis reden. Dabei hat die alleinerziehende Mutter überhaupt keinen. Da ist es irgendwie ganz passend, dass auf einmal ihre Bekannte Jackie Nikowski (Carol Schuler) mitsamt den drei Kindern vor ihr steht und eine Unterkunft braucht, während ihre eigene Wohnung repariert wird. Konstanze bietet daraufhin an, die vier könnten doch bei ihr übernachten, ohne zu ahnen, worauf sie sich dabei einlässt …

Die kennen wir doch!

Auch wenn die Fälle im TV-Bereich seltener sind, es gibt sie doch, die Filme, die Jahre später etwas unerwartet eine Fortsetzung nach sich ziehen. Ein solcher Fall ist Zweibettzimmer aus dem Jahr 2017. Damals teilten sich die Ärztin Konstanze und die schrille Jackie ungewollt ein Zimmer in einer Rehaeinrichtung und näherten sich nach zahlreichen Reibereien langsam an. Das typische Buddy-Movie-Prinzip eben. In Dreiraumwohnung wird dieses dann wieder aufgegriffen. Zwar kennen sich die zwei Frauen inzwischen schon länger. Es gibt auch schon eine Art Wiedersehensfreude, zumindest in Ansätzen. Aber noch immer passen sie nicht zusammen und würden kaum Zeit miteinander verbringen, wenn es nicht die Umstände erforderten.

Die eher sparsame Entwicklung seither ist zwar nicht gerade Demonstration größtmöglicher Ambitionen. Andererseits ist das für ein Publikum praktisch, welches den Vorgänger nicht kennt. Auch wenn Dreiraumwohnung auf Zweibettzimmer basiert und auf diesen teilweise anspielt, gesehen haben muss man diesen nicht, um der Geschichte hier zu folgen. Dafür ist das Verhältnis zwischen den beiden zu seicht, sie wissen selbst nicht, ob sie hierfür die Beschreibung „Freundschaft“ bemühen können. Das passt dann ganz gut zu der anfänglichen Diskussion bei der Bewerbung Konstanzes, wenn sie selbst darüber sprechen soll, was Freundschaft für sie bedeutet. Hier wird insgesamt darüber diskutiert und gestritten, was Freundschaft nun genau meint.

Erklärungsversuch einer Freundschaft

Als Thema ist das natürlich nicht uninteressant. Während es im Bereich Liebe unzählige Filme gibt, die sich mit Erklärungsversuchen auseinandersetzen, sind entsprechende Titel zu Freundschaft deutlich seltener. Dabei dürften die meisten Leute daheim vor den Fernsehern schon einmal in Situationen gewesen sein, in denen sie Freundschaften hinterfragten oder nicht genau wussten, was sie erwarten können und dürfen. Grundsätzlich ist Dreiraumwohnung also willkommen. Nur ist der Film dabei nicht sonderlich gut. Zwar wird immer mal wieder darüber gesprochen, was man nun als Freundin genau tun sollte. Wie viel sollte man opfern, wie sehr sollte man Grenzen überschreiten – eigene wie die der anderen. Aber das bleibt doch schon sehr an der Oberfläche. Tatsächliche Erkenntnisse darf man vom ZDF-Film nicht erwarten.

Schlimmer noch ist aber, dass die Komödie so wenig unterhaltsam ausgefallen ist. So bewährt natürlich die Technik ist, möglichst große Kontraste zwischen zwei Hauptfiguren aufzubauen, das ist schon ein recht plumper Humor, der hier zum Einsatz kommt. Auf der einen Seite die gesundheitsbewusste, distanzierte Ärztin, auf der anderen Seite die übergriffige Chaotin, die ihren Kindern mit Vorliebe irgendeinen Dreck zum Essen gibt, das ist jetzt nicht sonderlich einfallsreich. Es gelingt bei Dreiraumwohnung auch nicht, sich nennenswert von diesem Prinzip zu lösen. Die überfällige Annäherung, sie wird nicht erarbeitet, sondern einfach vorgesetzt.

Am schwachen Drehbuch gescheitert

Dabei gibt sich das Ensemble schon Mühe, diese Streitereien irgendwie witzig zu gestalten. Wenn der Film nicht wirklich Spaß macht, dann liegt das nicht an Anja Kling (Das Quartett: Die Tote vom Balkon) und Carol Schuler (Kids Run), welche den Kontrast deutlich veranschaulichen. Es liegt auch sicherlich nicht an Caroline Peters, die mit ihrer eher kleinen Rolle der internen Konkurrentin noch die besten Szenen hat. Vielmehr ist das Drehbuch wie bei so vielen TV-Filmen einfach so banal und frei von irgendwelchen Ecken und Kanten und Persönlichkeit, dass Dreiraumwohnung zu einem Hintergrundrauschen wird, das selbst zum Vergessen zu wenig Eindruck hinterlässt. Darüber muss man sich nicht wirklich ärgern. Mehr als Füllmaterial fürs Sommerloch ist die Komödie aber nicht.

Credits

OT: „Dreiraumwohnung“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Isabel Kleefeld
Drehbuch: Isabel Kleefeld, Kirsten Peters
Musik: Thomas Mehlhorn
Kamera: Martin Langer
Besetzung: Anja Kling, Carol Schuler, Lene Oderich, Bruno Grüner, Caroline Peters, Shahriar Sadeghian, Mavie Meschkowski, Dalia Celebi

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„Dreiraumwohnung“ bringt zwei ungleiche Frauen dazu, sich vorübergehend eine Wohnung teilen zu müssen. Das Prinzip solcher Komödien ist klar, wird hier aber ohne jegliche Ambitionen oder nennenswerte Einfälle umgesetzt. Auch wenn sich das Ensemble redlich Mühe gibt, das Drehbuch ist einfach zu schwach, tatsächlich witzig wird das hier nie. Und auch die oberflächliche Diskussion zum Thema Freundschaft bleibt ohne Ergebnis.
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