Inhalt / Kritik

Das Quartett - Die Tote vom Balkon

„Das Quartett: Die Tote vom Balkon“ // Deutschland-Start: 8. Mai 2021 (ZDF)

Als eine junge Frau von ihrem Balkon in einem Studentenwohnheim stürzt, scheint die Lage klar zu sein: Da hat sich jemand das Leben genommen. Doch auf den zweiten Blick wird deutlich, dass da etwas anderes vorgefallen sein muss, jemand wohl nachgeholfen hat. Aber wer? Und weshalb? Kommissarin Maike Riem (Anja Kling) und ihr Team, Pia Walther (Annika Blendl), Christoph Hofherr (Shenja Lacher) und Linus Roth (Anton Spieker), ermitteln daraufhin in die unterschiedlichsten Richtungen. Könnte ihr Chef Fred Eisel (Alexander Beyer) etwas damit zu tun haben, mit dem sie eine heimliche Affäre hatte? Oder liegt die Antwort in den Forschungen, welche die Medizinstudentin zuvor im Auftrag eines großen Pharmaunternehmens betrieben hat?

Gemeinsam sind wir stark

Das Bild des einsamen Wolfes, das außerhalb des Systems einen Fall löst, ist im deutschen Krimi inzwischen überholt. Kaum eine Krimireihe, bei der nicht zumindest ein Zweierteam zusammenarbeitet, um den Mörder oder andere Verbrecher zu schnappen. Oft kommt noch ein festes Ensemble aus Nebenfiguren hinzu, die sich aus allen möglichen Berufsgruppen rekrutieren. Die ZDF-Reihe Das Quartett geht in der Hinsicht jedoch noch einen Schritt weiter. Wie der Titel bereits verrät, wird hier die Teamarbeit groß geschrieben, wenn jeder so seine besonderen Fähigkeiten und Stärken einbringen darf. Zwar schwirren die vier immer mal wieder getrennt aus, um nach Spuren zu suchen. Dennoch wird die Idee des Zusammenhalts und des Kollektivs besonders betont.

Von dieser Grundidee einmal abgesehen sucht die Reihe aber noch immer ein wenig nach der eigenen Identität. Das fällt vor allem auf, wenn man den dritten Teil Die Tote vom Balkon mit dem Vorgänger Das Mörderhaus vergleicht. Die Hauptfiguren sind zwar gleich geblieben, in beiden Fällen handelt es sich auch um einen klassischen Whodunnit-Krimi. Doch die Tonalität könnte unterschiedlicher kaum sein. Beim letzten Mal dominierte trotz der tragischen Geschichten noch ein heiterer, zuweilen spöttischer Ton, vergleichbar etwa zu Nord Nord Mord, wenn lauter skurrile Figuren aufeinandertreffen. Zeitweise meinte man sogar, es hier mit einer Krimikomödie zu tun zu haben. Davon ist dieses Mal kaum mehr etwas zu merken. Man nimmt das alles deutlich ernster als beim letzten Mal.

Sympathisches Team mit Luft nach oben

Und auch der Fall an sich verfolgt größere Ambitionen, als man es vom letzten Mal her hätte erwarten dürfen. Blieb der Vorgänger noch völlig im Privaten, spricht Das Quartett: Die Tote vom Balkon eine ganze Reihe gesellschaftlicher Themen an. Ob es um die Wohnungsnot geht, eine zunehmende Anonymisierung oder auch eine Pharmaindustrie, die um jeden Preis mit der Krankheit anderer Geld verdienen will, ohne Rücksicht auf Verluste, aus dem bloßen Unterhaltungsfernsehen wurde ein Film, der richtig viel sagen oder zumindest hinterfragen will. Das sind grundsätzlich wichtige Themen, in der Form aber doch ein wenig viel. Selbst wer Krimis schätzt, die sich mit der realen Welt da draußen auseinandersetzt, muss hier schon recht viel schlucken – zumal da doch so einiges ziemlich übertrieben ist.

Während da inhaltlich also noch nicht alles wirklich rund läuft und man etwas wahllos Konzepte, Themen und Stimmungen zusammenwirft, das Team selbst ist dabei nach wie vor sympathisch. Man verbringt einfach gerne Zeit mit den vieren, wenn sie gemeinsam ausrücken, um dem Verbrechen den Kampf anzusagen. Auch der Besetzung wegen ist deshalb zu hoffen, dass man in Zukunft noch mehr von dem Quartett sehen darf, selbst wenn Das Quartett: Die Tote vom Balkon das Potenzial nicht so richtig nutzt. Aber vielleicht klappt das ja beim bereits abgedrehten vierten Teil besser, der noch dieses Jahr ausgestrahlt werden soll. Das wäre sowohl den Schauspielern und Schauspielerinnen wie auch dem Publikum zu wünschen.

Credits

OT: „Das Quartett: Die Tote vom Balkon“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Vivian Naefe
Drehbuch: Lancelot von Naso, Markus Thebe
Musik: Martin Probst
Kamera: Peter Döttling
Besetzung: Anja Kling, Shenja Lacher, Annika Blendl, Anton Spieker, Mehmet Sözer, Viktor Bashmakov, Barbara Prakopenka, Dominic Raacke, Stephanie Amarell, Nico Holonics, Alexander Beyer

Bilder

Interview

Anja Kling Interview Das Quartett Die Tote vom BalkonWas ist das Geheimnis eines guten Teamworks? Und wie steht sie zu dem Thema Medizin? Diese und weitere Fragen haben wir Hauptdarstellerin Anja Kling in unserem Interview zu Das Quartett: Die Tote vom Balkon gestellt.

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Das Quartett: Die Tote vom Balkon
Wenn in „Das Quartett: Die Tote vom Balkon“ eine junge Studentin in den Tod stürzt, kombiniert der Film eine klassische Mördersuche mit einer Reihe gesellschaftlich relevanter Themen. Die sind zwar für sich genommen wichtig, in der Kombination aber zu erzwungen. Hinzu kommt, dass die Reihe insgesamt noch nicht wirklich weiß, wo sie hin soll und über das sympathische Quartett hinaus ein Konzept fehlt.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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